Brückenbauer zieht weiter

Er macht Seelsorge mit Pferden, Hunden, Eseln und Tauben. Andreas Barth, Diakon und Pfarreibeauftragter in Engelburg, bricht gerne Konventionen. Nun verlässt er die Region und schlägt seine Zelte im Toggenburg auf.

Sebastian Schneider
Drucken
Teilen
Will Grenzen abbauen: Diakon Andreas Barth in der katholischen Kirche Engelburg. (Bild: Ralph Ribi)

Will Grenzen abbauen: Diakon Andreas Barth in der katholischen Kirche Engelburg. (Bild: Ralph Ribi)

ENGELBURG. Andreas Barth arbeitet gerne interdisziplinär. Der Diakon und Pfarreibeauftragte in Engelburg hat elf Jahre lang für die Seelsorgeeinheit St. Gallen West-Gaiserwald gearbeitet und dabei immer wieder den Mut bewiesen, neue Wege zu gehen. So konnten Paare, die in Engelburg heiraten wollten, bei Spaziergängen mit Pferden sich auf ihren grossen Tag vorbereiten. Barth setzte seinen Curly-Coated Retriever als Seelsorgehund ein und förderte die Ökumene. Bei «Safranblau» war er Mitinitiator. Nicht ohne Grund gilt Andreas Barth bei vielen als einer der innovativsten Seelsorger in der Region. Doch nun setzt er seine Arbeit woanders fort. Ende Monat verlässt er Engelburg und zieht nach Lichtensteig, wo er für die Seelsorgeeinheit Neutoggenburg wirken wird.

«Grenzkind» will keine Grenzen

Barth spricht mit einem leichten deutschen Akzent. Aufgewachsen ist er in Bietingen, einem Dorf in Baden-Württemberg, das direkt an der Grenze bei Schaffhausen liegt. «Ich bin ein richtiges Grenzkind», sagt Barth. Sein Vater, ein Grenzgänger, habe stets von der Schweiz und ihrer direkten Demokratie geschwärmt. Als circa 11jähriger Bub habe er auf einem Schweizer Bauernhof seine Liebe zu den Pferden entdeckt. Die Ausbildung durchlief Barth allerdings in Deutschland. Er studierte Sozialarbeit an der Fachhochschule in Weingarten bei Ravensburg, und sein Theologiestudium absolvierte er in Freiburg, Vallendar bei Koblenz und Eichstätt. Bevor Barth von der Stadtsanktgaller Kirchgemeinde angestellt wurde, arbeitete er in Bayern als Seelsorger für Menschen mit Behinderung und als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Ab 2005 machte sich Barth mit der Region St. Gallen vertraut. 2007 wurde er ausserdem als Ortsseelsorger nach Engelburg gewählt und war künftig für die drei Kirchgemeinden Engelburg, Abtwil und St. Gallen tätig. An das kleinräumige Denken innerhalb kirchlicher Strukturen habe er sich zuerst gewöhnen müssen, sagt Barth. Obschon ihm heute die lokalen Befindlichkeiten der Kirchbürger bestens vertraut sind, geht seine Vorstellung von Theologie in eine andere Richtung: «Die Werte stehen im Mittelpunkt. Es geht mir nicht um Grenzen, es geht um Menschen», sagt Barth. Ihm ist wichtig, dass die Kirche mit geeinter und gestärkter Stimme auftrete. Nicht zuletzt deswegen habe er sich auch für die Ökumene eingesetzt.

Ohrstöpsel am Kircheneingang

In Engelburg wird die Osternacht seit sechs Jahren ökumenisch gefeiert. So gibt es im spätabendlichen Gottesdienst keine Eucharistiefeier, dafür werde die Osternachtsfeier familienfreundlich gestaltet. Der Lesungsanteil wird etwas gekürzt, dafür gibt es bei jeder Feier «etwas Kreatives». Auch der Fasnachtsgottesdienst ist mit Barth ökumenisch geworden. Und ziemlich laut. «Beim Eingang werden jeweils Ohrstöpsel verteilt», sagt Barth schmunzelnd. Denn in dieser Feier spielen die Guggenmusiker Chapf-Chläpfler im Chorraum. Zu Beginn haben sich die Musikanten laut Barth kaum getraut, geschminkt und in Vollmontur im Chorraum der Kirche zu spielen. Doch nun ist aus der Idee eine Tradition geworden. Eines der neusten Projekte, für dessen Entstehen sich der Diakon über die Grenzen der Pfarreien eingesetzt hat, ist die «Pilgrims-Church». Eine Feier, bei der Themen der Lebensgestaltung, meditatives Gehen im Kirchenraum und Orgelimprovisationen zusammenspielen.

Zeit für neue Umgebung

Barth habe die Zeit in der Region stets genossen. «Diese Jahre sind doch schnell verstrichen», sagt Barth rückblickend. Es habe für ihn keinen Grund gegeben, nach einer neuen Anstellung zu suchen. Doch nach über zehn Jahren sei es nicht schlecht, den Arbeitsort zu wechseln. Auch für seinen Sohn, der im Sommer in die Schule kommt, sei der Zeitpunkt jetzt gut. Der Arbeitgeber, der ihn für die neue Aufgabe angefragt hat, wisse bereits, wie er ticke. Und dass er zum Beispiel auch einen Stall für seine Pferde Pünktli und Fortuna braucht. Wer Andreas Barths Nachfolge antreten wird, ist noch nicht bekannt, die Stelle ist laut Pfarrer Heinz Angehrn immer noch ausgeschrieben.