Brückenbauer in der Welt des Sports

Seit zwei Jahren ist Leonz Eder einer der höchsten Sportfunktionäre der Ostschweiz. Der 60jährige St. Galler ist Vizepräsident des einflussreichen internationalen Verbandes für Hochschulsport. Er stellt wichtige Weichen im internationalen Sport. Und ist mit politischen Grössen im Gespräch.

Daniel Good
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Leonz Eder: Unisportleiter an der HSG und internationaler Spitzenfunktionär. (Bild: Ralph Ribi)

Leonz Eder: Unisportleiter an der HSG und internationaler Spitzenfunktionär. (Bild: Ralph Ribi)

Die kasachische Stadt Almaty ist der erste offizielle Bewerber für die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022. An dieser Entwicklung ist Leonz Eder nicht ganz unbeteiligt. Die Kasachen organisieren 2017 die Winteruniversiade, die Olympischen Winterspiele der Studenten. Der seit sechs Jahren in Mörschwil wohnende Eder war von 2007 bis 2013 Vorsitzender des Evaluationskomitees für die Winteruniversiaden. Die Schweizer Olympiakandidatur für 2022 ist schon im März an der Volksbefragung im Kanton Graubünden gescheitert. «Es ist immer von Vorteil, eine Universiade zu organisieren, wenn man eine Olympiakandidatur ins Auge fasst», sagt der 60jährige Eder, der im August 2011 im chinesischen Shenzhen zum Vizepräsidenten des Weltverbandes für Hochschulsport gewählt worden ist.

Gesamtstrategie entwickeln

«Für das Durchführen einer Winteruniversiade in der Schweiz muss der Organisator mit einem Budget von rund 65 Millionen rechnen, je nach Infrastrukturkosten. Gleich hoch wurden allein schon die Kandidaturkosten für Graubünden veranschlagt», sagt Eder. Das Wallis wollte die Winteruniversiade 2019 veranstalten, hat dieses Ansinnen nach dem Wechsel im Regierungsrat von Claude Roch zu Oskar Freysinger aber zurückgestellt. Eder reist demnächst mit einer Delegation ins Wallis, um den Erziehungsdirektor Freysinger von einer Kandidatur für die Universiade zu überzeugen. «Man kann nicht immer nur die Rosinen picken, vielmehr muss die Schweiz in der Frage einer Olympiakandidatur eine Gesamtstrategie entwickeln», sagt Eder. Mit der Gesamtstrategie meint er die Schritte von den sogenannten Youth Olympic Games, den Olympischen Spielen für Jugendliche, über die Universiade zu den Olympischen Spielen.

Putin in Deutsch

Vor dem Trip ins Wallis muss Eder nicht bange sein. Mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin traf sich der Ostschweizer schon dreimal persönlich, auch der ehemalige chinesische Präsident Hu Jintao zählte zu Eders Gesprächspartnern. «Solche Leute haben natürlich politische Zielsetzungen. Man tauscht sich aus über Sport und Hochschulsport. Über diesen Weg wollen sie ihr Land entwickeln und positionieren. In Osteuropa und Asien hat der Hochschulsport eine wesentlich grössere Bedeutung als in Westeuropa. Die führenden Politiker dieser Länder sind im Bild über den Hochschulsport», sagt Eder. An offiziellen Meetings drückt sich jeder in seiner Landessprache aus, Dolmetscher übersetzen. Während informeller Treffen sprechen Eder und Putin Deutsch. Putin war von 1985 bis 1990 im Dienste des russischen Geheimdienstes in der ehemaligen DDR stationiert und beherrscht Deutsch akzentfrei.

Eders starke Position im internationalen Sport gereicht auch dessen Arbeitgeber zum Vorteil. Seit dem Jahr 2000 ist der seit 1979 in der Ostschweiz domizilierte Zuger Leiter des Hochschulsports an der Universität St. Gallen. Auf der ganzen Welt trifft sich der ehemalige Hand- und Volleyballspieler mit Bildungsministern und Unirektoren. Internationale Beziehungen sind sowohl im Sport als auch in der universitären Lehre von zentraler Bedeutung.

In der Ostschweiz wird der Spitzenfunktionär Eder so wahrgenommen, «wie es zu den zurückhaltenden und bescheidenen Ostschweizern passt. Das meine ich im positiven Sinn. Für mich zählt die Arbeit, die einer leistet, und nicht die Funktion». 2015 wird sich Eder wieder zur Wahl stellen. Präsident will er nicht werden. «Als Vize habe ich im Hintergrund mehr Einfluss», sagt Eder.

Bewunderte Schweiz

Drei grundsätzliche Einsichten verbindet Eder mit seiner bisherigen Amtszeit: «In vielen anderen Staaten sind Bewegung und Sport besser ins gesellschaftliche Umfeld integriert als in der Schweiz und Westeuropa. Berührt hat mich die Herzlichkeit der ehrenamtlichen Helfer und Angestellten an internationalen Grossanlässen. Und die Schweiz ist immer noch ein Land, das weltweit bewundert wird. Für diesen Ruf müssen wir Sorge tragen.»