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Brückenbau mit Hindernissen

GOLDACH. Dass die beiden ältesten Eisenbahnbrücken des heutigen schweizerischen Eisenbahnnetzes aus dem Jahre 1856 stammen, mag vielleicht überraschen. Aber wussten Sie, dass es sich bei einer um die Brücke über die Goldach handelt?
Anton Heer
Die einspurig genutzte Brücke vor Goldach zur Zeit des Dampfbetriebs in den frühen 1920er-Jahren. (Bild: Sammlung Anton Heer)

Die einspurig genutzte Brücke vor Goldach zur Zeit des Dampfbetriebs in den frühen 1920er-Jahren. (Bild: Sammlung Anton Heer)

GOLDACH. Die an Kunstbauten reiche «St. Gallisch-Appenzellische Eisenbahn» entstand in den Jahren 1853 bis 1856 und führte von Rorschach über St. Gallen nach Winterthur. Die Brücke über die Sitter bei St. Gallen galt damals als besondere technische Herausforderung und fand europaweite Beachtung.

Arbeiter aus Süddeutschland

Im Gegensatz zu den einspurigen eisernen Brücken über die Sitter, Glatt, Uze und Thur entschied sich die Eisenbahngesellschaft beim Goldach-Übergang für den Bau einer doppelspurigen, gemauerten Brücke. Die verhältnismässig geringen Mehrkosten und nicht zuletzt die damals grosse Bedeutung der Verkehrsverbindung zwischen dem Hafenort Rorschach und dem Handelsplatz St. Gallen sprachen für ein doppelspuriges Bauwerk. Als Erbauer der Brücke trat der Unternehmer Schöttle aus Stuttgart auf. Er residierte in der Villa auf Neuseeland, dem Uferstreifen auf dem Gebiet der Gemeinde Rorschacherberg. Diese Villa verschwand erst vor wenigen Jahren aus dem Ortsbild. In seiner Heimatstadt machte sich Schöttle als Initiant der ersten Stuttgarter Pferdetrambahn einen Namen.

Fragmente aus der zeitgenössischen Berichterstattung über den Bahnbau lassen einiges über die damals herrschenden sozialen Spannungen oder die dramatischen Naturereignisse erahnen. Hundertschaften von Bau- und Erdarbeitern sowie Erdarbeiterinnen aus dem süddeutschen Raum waren im Einsatz und bildeten eine Art Parallelgesellschaft neben der Dorfbevölkerung. Immense Erdmassen mussten ohne Baumaschinen abgetragen und geschüttet werden. Von Hand geschobene und gebremste Schienenwagen kamen damals als Transporthilfen zum Einsatz – der mächtige Damm zwischen der Kirche Goldach und der Brücke ist also Ergebnis harter Handarbeit.

Über dramatische Naturereignisse während der Bauzeit berichten die Chroniken: Am 25. Juli 1855 stellte ein heftiges Erdbeben die Brückenbauten auf die Probe und am 21. August 1855 riss ein Hochwasser einen Teil des Baugerüsts der Brücke weg. Am 11. November 1855 wurde der Schlussstein der Brücke über die Goldach gesetzt. Die ersten Probefahrten mit lokomotivbespannten Eisenbahnzügen erfolgten im Oktober 1856. Die Kollaudation, also die offizielle behördliche Abnahme der Strecke St. Gallen–Rorschach, fand am 9. Oktober 1856 statt.

Doppelspurig seit 20 Jahren

Das Bauwerk über die Goldach erwies sich als sehr widerstandsfähig und dem schweren Eisenbahnbetrieb der Gegenwart und Zukunft gewachsen. 1990 erfolgte eine umfassende Sanierung der altbewährten Brücke, die durch den Einbau einer Betontragplatte im Hinblick auf den Doppelspurbetrieb und für die kommenden Jahrzehnte fit gemacht wurde. 1993 war es endlich so weit: Fast 140 Jahre nach dem Bau und der einspurigen Nutzung befuhren die Züge die nunmehr doppelspurig nachgerüstete Brücke. Dass sich Denkmalpflege und Ingenieurbau durchaus vertragen, zeigt das wenig beachtete Wahrzeichen von Goldach über die Goldach. Zu guter Letzt: Das Schwester-Bauwerk überbrückt die Reuss bei Turgi und gehörte ursprünglich zum Netz der Nordostbahn.

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