Brot entsorgt statt verfüttert

Enten, Schwäne und Vögel mit Brot zu füttern, bergt eigentlich keine Gefahren. Doch ganze Brotlaibe haben in den Seen nichts zu suchen. Gefährlich wird es für die Tiere dann, wenn Leute verschimmeltes Brot an sie verfüttern.

Christoph Renn
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In der St. Galler Voliere ist das Füttern der Enten untersagt. Am Bodensee gibt es kein Verbot. (Bild: Urs Bucher)

In der St. Galler Voliere ist das Füttern der Enten untersagt. Am Bodensee gibt es kein Verbot. (Bild: Urs Bucher)

REGION. Kleine Kinder geniessen es, Erwachsene und Rentner ebenso: Bei strahlendem Sonnenschein Enten und Schwäne mit Brot füttern und die Wildtiere aus nächster Nähe beim Fressen observieren. Zudem wird man dabei gleich das überschüssige harte Brot los. So harmlos das Vergnügen auch scheint, gibt es doch einige Regeln, die es zu beachten gilt. Denn übermässiges Füttern kann zu Konflikten führen und im Extremfall den Tieren schaden. «Es ist wie bei allem: Im Masse ist es in Ordnung, im Überfluss schädlich», sagt Michael Schaad, Biologe an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach.

Enten essen nur kleine Stücke

Auf den Leserbildern von Walter Jerg hat es jemand mit der Fütterung der schwimmenden Seebewohner deutlich übertrieben. Ganze Toastbrot-Strassen treiben übers Wasser. Die Ente scheint von diesem überraschenden «Festmahl» nicht sonderlich begeistert und schwimmt lustlos am Brot vorbei. «Ganze Brotlaibe oder Toastbrotscheiben in Seen oder in Flüsse zu werfen, bringt nichts», sagt Michael Schaad. Solches Verhalten schmecke mehr nach Abfallentsorgung als Tierfütterung. «Es bringt nichts, weil die meisten Tiere das Brot in solch grossen Stücken nicht verspeisen können.» Wer die Tiere aus der Nähe beobachten möchte, soll wenigstens vorher das Brot zerkleinern.

Magen bläht sich nicht auf

Gefährlich ist laut Schaad das Füttern der Vögel mit Brot im Allgemeinen nicht. Es gebe einige Vorurteile, die nicht stimmten: «Beispielsweise wird oft gesagt, dass sich bei den Tieren der Magen aufbläht, wenn sie Brot essen. Das stimmt nicht. Dass die Vögel durch das Füttern in Legenot geraten sollen, wurde bisher in freier Natur nie beobachtet», sagt Schaad. Auch wenn diese Annahmen nicht zutreffen, sollte man es mit dem Brot nicht übertreiben. «Zwar konnten wir noch keine zu dicken und trägen Enten beobachten», sagt Schaad. Trotzdem heisst es auch hier: Weniger ist mehr.

Brot lockt auch Ratten an

Das übermässige Füttern kann lokal zu einer erhöhten Konzentration von Vögeln und Enten führen. «Die Tiere wissen, wo es etwas zu essen gibt und kehren immer wieder an diesen Ort zurück», erklärt Schaad. Und wie bei allen Tieren muss das, was vorne reinkommt, hinten irgendwann wieder raus. «Dies kann zu verkoteten Wiesen führen, was Landbesitzer nicht schätzen.» Es gebe auch Tiere, die aggressiv reagieren, wenn man ihnen zu nahe kommt. Und die Nahrungsquelle lockt auch andere ungeliebte Bewohner aus ihren Löchern: Ratten.

Schwäne leiden an Durchfall

Im Extremfall kann das masslose Füttern mit altem trockenem Brot den Wildtieren gar körperlich schaden. «Schwäne, die sich ausschliesslich von Brot ernähren, leiden oft an Durchfall. Und das schwächt die Tiere», sagt der Biologe Schaad. Das Wichtigste aber sei, genau darauf zu achten, dass das Brot keinerlei Spuren von Schimmel aufweise. Dies führt bei den Tieren zu einer Vergiftung, die tödlich enden kann.

Michael Schaad Biologe an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach (Bild: pd)

Michael Schaad Biologe an der Schweizerischen Vogelwarte Sempach (Bild: pd)

Diese Ente schwimmt im Brot. Die Stücke sind ihr aber viel zu gross. (Bild: Leserbild: Walter Jerg)

Diese Ente schwimmt im Brot. Die Stücke sind ihr aber viel zu gross. (Bild: Leserbild: Walter Jerg)