Bronze für Verzicht

Widerstehen lohnt sich: 112 Jugendliche sind an der ersten Auszeichnungsfeier des Kodex-Vereins Stadt St. Gallen und Umgebung belohnt worden. Ihre Leistung: Verzicht.

Claire Micallef
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Bronzene Anerkennung: Stolz präsentiert eine Schülerin ihre Kodex-Medaille. (Bild: Michel Canonica)

Bronzene Anerkennung: Stolz präsentiert eine Schülerin ihre Kodex-Medaille. (Bild: Michel Canonica)

Nein sagen, wo andere Ja sagen. Dem widerstehen, was für Gleichaltrige zum Alltag gehört. Wer am Kodex-Programm teilnimmt, braucht Durchhaltewille. Genau diesen bewiesen 112 Jugendliche, die sich am Donnerstagabend im Oberstufenzentrum Zil eingefunden haben. Ein Jahr lang haben sie freiwillig auf Alkohol, Tabak, Drogen und den Missbrauch von Medikamenten verzichtet. Dafür wurden sie nun ausgezeichnet.

Verzicht und Selbstkontrolle

Jugendliche und Eltern drängen in den Saal, suchen einen freien Platz. Ein aufgeregtes Brummen vieler Stimmen erfüllt die Luft. Einige bewundern die Medaillen und unterschriebenen Urkunden, die auf Tischen verteilt bereitliegen. Andere liebäugeln mit dem Apéro, der hinten im Saal vorbereitet wird.

«Dieser Anlass findet heute in der Stadt St. Gallen zum ersten Mal statt. Ihr könnt stolz auf euch sein. Ihr seid Pioniere», eröffnet Hubert Ruf, Stiftungsrat und Beauftragter für Kodex im Kanton St. Gallen, die Feier. Aber auch Ruf ist stolz: Über 20 Kodex-Organisationen seien schon gegründet worden, verkündet er.

Aller Anfang ist schwer

Der Höhepunkt der Feier bildet die Auszeichnung der Jugendlichen. «Etwa 50 Prozent der ursprünglichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben ihr Ziel erreicht», sagt Hubert Ruf. Dieses Resultat sei für den Anfang normal. Mit dem Bekanntheitsgrad von Kodex werde künftig auch die Erfolgsquote steigen.

An drei Tischen werden die Medaillen und Urkunden den Jugendlichen überreicht. «Die Ausgezeichneten befinden sich auf der Bronze-Stufe unseres dreistufigen Präventionsprogramms. Das heisst, sie haben ihr erstes Jahr im Kodex-Programm hinter sich und treten nun in die nächste Stufe ein», erklärt Ruf. Diese würde wieder ein Jahr dauern und mit einer Silbermedaille ausgezeichnet werden. Wer das ganze Dreijahresprogramm durchhalte, werde mit einer goldenen Medaille belohnt und dürfe einen Lebensbaum pflanzen.

«Der Jugendliche selbst beschliesst, zu verzichten», betont Ruf. Er nehme freiwillig am Kodex-Programm teil und kontrolliere sich auch selber. «Wer beim Programm betrügt, hintergeht sich also selber», sagt Ruf.

«Je später, desto besser»

Neben Medaille und Urkunde erhalten die Jugendlichen, die in die nächste Stufe des Programmes eintreten wollen, einen Ausweis. «Wenn die Jugendlichen eine Stufe erreicht haben, möchten sie gewöhnlich auch weitermachen. Die, die nicht durchhalten wollen oder können, steigen erfahrungsgemäss unter dem Jahr aus», erzählt Hubert Ruf. Es sei den Verantwortlichen bewusst, dass Kodex den Konsum von Suchtmitteln nicht verhindern könne. «Doch eine wissenschaftliche Evaluation von Kodex durch die Universität Zürich hat gezeigt, dass das Programm den Einstieg in den Konsum verzögern kann. Und je später jemand beginnt, Suchtmittel zu konsumieren, desto besser für die Gesundheit.»

Stolz und Anerkennung

Doch nicht der Gedanke an die Gesundheit steht für die Jugendlichen am Donnerstagabend im Zil im Vordergrund. Stolz präsentieren sie den Eltern und Kollegen ihre Auszeichnungen, freuen sich über die Anerkennung. Medaillen und Urkunden werden von einer Hand zur anderen gereicht und bewundert. «Ja, ich mache weiter. Ich will bis zum Schluss durchhalten», sagt einer und macht sich auf, um sich einen Anteil vom Apéro zu sichern.

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