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BRIEFMARKEN: Der Sammler mit dem goldenen Händchen

Markus Sulger aus Rorschach ist einer der bekanntesten Philatelisten der Schweiz. Er äussert sich zum angestaubten Ruf der Briefmarkensammler und erklärt, weshalb er jetzt seine Sammlung verkauft und lieber Golf spielt.
Martin Rechsteiner
Der Rorschacher Markus Sulger zeigt ein Album mit Briefmarken aus seiner Sammlung. Seine seltenste Marke war an einer Auktion 3 (Bild: Martin Rechsteiner)

Der Rorschacher Markus Sulger zeigt ein Album mit Briefmarken aus seiner Sammlung. Seine seltenste Marke war an einer Auktion 3 (Bild: Martin Rechsteiner)

Martin Rechsteiner

martin.rechsteiner@tagblatt.ch

Markus Sulger lebt in Rorschach in einer Attikawohnung. Drinnen ist es gemütlich, Bilder schmücken die Wand, Perserteppiche den Boden. Sulger setzt sich in seinem Arbeitszimmer auf einen Stuhl. Es ist ein kleiner Raum, an der Wand steht ein Computer, in der Mitte ein Tisch. Er ist belegt mit Alben, Karteien und Mappen. Daneben liegen Bleistifte eine Pinzette und ein Schwamm zum Anfeuchten der Finger. So und nicht anders stellt sich der Laie den Arbeitsplatz eines Philatelisten, also eines Briefmarkensammlers, vor.

Nicht zum verstaubten Klischee passt in diesem Fall aber Markus Sulger, der Sammler selbst: Der 66-Jährige sitzt schräg auf dem Stuhl, seinen Arm lässig über die Lehne gehängt. An seinen Fingern stecken goldene Ringe, am Handgelenk glänzt seine Uhr. Mit seinen dunklen Augen, die ihm einen wachen Blick verleihen, seiner tiefen, lauten Stimme und seiner mächtigen Statur wird klar: Der Mann vermag einen Raum einzunehmen, wenn er ihn betritt.

Eine Schwäche für Abartiges

Konfrontiert mit dem angestaubten Image, das an der Philatelie haftet wie eine Briefmarke auf dem Umschlag, verdreht Sulger nur die Augen. «Die Vorstellung ist natürlich Quatsch», sagt er. «Briefmarkensammler sind ganz unterschiedliche Leute.» Die wenigsten seien «verstaubte» Freaks, die einsam und ununterbrochen in ihrer Kammer hocken und Briefmarken sortieren. «Dank der Philatelie bin ich um die ganze Welt gekommen, war an Kongressen und Auktionen und habe alle möglichen Leute getroffen», sagt er. «Nach Auktionen bin ich schon mit Sport- und Politgrössen aller Welt an der Bar gesessen.»

Sammeln sei ein Grundtrieb des Menschen, sagt Sulger. Jeder sammle irgendwas, ist er überzeugt. «Und bei mir wurden es halt Briefmarken.» Angefangen hat alles in Sulgers Jugendjahren. «Ich habe eine Briefmarke gesehen, auf der der afrikanische Kontinent abgebildet war.» Durch einen Produktionsfehler sei auf der Marke eine Insel zu sehen gewesen, die in echt nicht existiert. «Ich erfuhr, dass dieser Fehler unter Sammlern den Namen Atlantis trug. Das hat mich ungemein fasziniert und seit da bin ich dabei», sagt Sulger. Er konzentrierte sich auf sogenannte Abarten – also Briefmarken, die einen Produktions- oder Druckfehler enthalten. Der Clou: Wer sie finden will, braucht grosse Kenntnis und ein gutes Auge. Sie sind extrem viel seltener als «korrekte» Marken und deshalb unter Sammlern meist begehrter und auch mehr wert.

Von Auktion zu Auktion

Sulger absolvierte eine kaufmännische Lehre und machte sich im Alter von 19 Jahren selbstständig, hatte viel zu tun. Er war zwar Philatelist, jedoch nur nebenberuflich. Dann, ungefähr im Alter von 30 Jahren, schlug die Sammlerwut bei Sulger noch einmal so richtig ein. Briefmarken und ihre Fehler wurden zu seiner Hauptbeschäftigung und er zu einem absoluten Profi auf dem Gebiet. Er entwickelte ein gutes Gespür für das Aufstöbern abartiger Briefmarken und zeigte ein goldenes Händchen bei deren Erwerb. Sulger besuchte nicht nur viele Auktionen in der ganzen Schweiz, sondern half häufig auch bei deren Organisation. Schnell machte er sich in den Sammlerkreisen einen Namen.

Er wurde daraufhin nicht nur zum Präsidenten der Philatelisten-Vereinigung St. Gallen, sondern war auch zehn Jahre lang Präsident des Verbands Schweizer Philatelisten-Vereine und somit «der höchste Briefmärkler im Land», wie er sagt. Seine Sammlung von Abarten war eine der bedeutendsten der Schweiz. War. Denn Sulger hat unlängst seine wertvollsten Stücke weggegeben.

Golfschläger statt Pinzette

«Nach über 30 Jahren habe ich meine Ämter abgegeben und einen wesentlichen Teil meiner Sammlung verkauft», sagt Sulger. Der Entscheid sei lange in ihm gereift. «Das Sammlergeschäft und die Marken haben sich im vergangenen Jahrzehnt verändert», sagt er. «Sehen Sie selbst», fährt er fort, «wer verschickt heute überhaupt noch Briefe und kauft dafür Marken?» Die Post habe reagiert, lasse sie nun billiger im Ausland herstellen. Deshalb habe die Druckqualität stark nachgelassen.

Sulger stört das wenig. «Dank meinem besten Freund habe ich ein neues Hobby gefunden», sagt er. «Golfen.» Sport sei sowieso gesünder als Philatelie, sagt er und lacht. «Zudem komme ich so auch zum Reisen.» Bald besteigen Sulger und seine Frau das Flugzeug. «Wir reisen nach Thailand», sagt er. Es sei ein Golfparadies. Wegen einer Rücken-OP durfte er eine Weile nicht spielen. «Ja, ich konnte es nicht lassen – in der Zeit habe ich mich meinen verbleibenden Briefmarken gewidmet», sagt er. «Jetzt will ich aber nur noch eines: Sonne, Golf und Meer.»

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