BRENNWEITE: Eintauchen oder abfliegen

Egal, ob 1000 Meter hoch oder 40 Meter tief, die Kamera hat der Goldacher Tino Dietsche immer griffbereit. Seine Leidenschaft bringt er ins Unterwasserfestival ein.

Rudolf Hirtl
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Für ein spektakuläres Foto lässt sich der Goldacher Tino Dietsche auch von einem zugefrorenen See nicht abschrecken. (Bild: zVg)

Für ein spektakuläres Foto lässt sich der Goldacher Tino Dietsche auch von einem zugefrorenen See nicht abschrecken. (Bild: zVg)

Rudolf Hirtl

rudolf.hirtl@tagblatt.ch

Der kalte Wind peitscht den Regen über das Rollfeld. Eingepackt in eine warme Flanelljacke und versehen mit einer gelben Warnweste stemmt sich der Goldacher Tino Dietsche gegen die Naturgewalt und weist den Jet der Viennaline an seinen Standplatz. Wer nun glaubt, der 36-Jährige eile nach einem harten Arbeitstag am Airport St. Gallen-Altenrhein nach Hause in die warme Stube, der irrt. Zumindest jeweils Donnerstagabend, denn da lässt er die Luft aus seinem Jackett und lässt sich in die Tiefen des Bodensees gleiten.

Wieso um Himmelswillen taucht man bei gefühlten 5 Grad Luft- und 7 Grad Wassertemperatur freiwillig in dieses kalte, dunkle Nichts? «Weil es schlicht und einfach nur schön ist. Selbst dann, wenn die Sichtweiten mal nicht so toll sind. Schwerelosigkeit, kein Lärm und nichts. Für mich einfach Entspannung pur und ein top Ausgleich zum Alltag», sagt Dietsche und fügt mit einem breiten Lachen im Gesicht an, dass es doch viel zu schade wäre, dieses Gefühl nur ein- zweimal im Jahr im Meer zu haben, wenn man den See schon direkt vor der Nase habe.

Direkt vor der Nase hat der OT-Fotograf oft auch Welse, Hechte, Krebse und andere Seebewohner. Und diese hält er in imposanten Aufnahmen mit seiner Kamera fest, wie sich «Tagblatt»-Leser regelmässig überzeugen können. Und weil er seinen aktuell 1013 Tauchgängen weitere 1000 hinzufügen möchte, dürften weitere Bilder folgen.

Unterwasserfestival stand auf der Kippe

Seit 2013 bringt er seine Leidenschaft für das Tauchen und die Fotografie als OK-Mitglied ins Team von unterwasserfestival.ch ein. Ehrenamtlich, versteht sich. Den Anlass von heute Abend hätte es allerdings beinahe nicht gegeben. «Da es immer schwieriger wird, die finanziellen Mittel und Helfer für das Festival aufzutreiben, haben wir über eine Absage nachgedacht», räumt Tino Dietsche ein. Weil das Team um OK-Präsident und Initiant Orlando Grand es sich aber doch noch anders überlegt hat, geht es heute erst mal mit dem Workshop los, der vom bekannten UW-Fotografen Tobias Friedrich geleitet wird. Um 20 Uhr folgt der Vortrag von Dolphin Watch Alliance mit dem Titel «Lasst uns über Delfine sprechen» und anschliessend, nach einem Happen und einem Drink von der Bar, entführt Tobias Friedrich die Besucher auf seine Abenteuer, die ihn von den Tropen bis in die Arktis und vom Pygmäenseepferdchen bis zum Buckelwal geführt haben.

Unterwasserfestival

Heute Abend, Fürstenlandsaal Gossau, Türöffnung 19 Uhr, Anmeldung für Workshop möglich auf www.unterwasserfestival.ch