«Breitband» auch fürs Wasser

GOSSAU. Weil die Seminarstrasse saniert und Vorarbeiten für das Glasfasernetz vorgenommen werden, erhält der Bädlibach schon dieses Jahr einen grösseren Durchlass. Damit sollen Unwetterschäden in Millionenhöhe abgewendet werden.

Johannes Wey
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Welches Schadenspotenzial der Bädlibach heute noch birgt, ist ihm bei trockenem Wetter nicht anzusehen. (Bild: Johannes Wey)

Welches Schadenspotenzial der Bädlibach heute noch birgt, ist ihm bei trockenem Wetter nicht anzusehen. (Bild: Johannes Wey)

Dass der Bädlibach gefährlich sein soll, kann sich der Laie nur schwer vorstellen. Bei trockenem Wetter gibt er eher ein Gurgeln denn ein Rauschen von sich. Und dennoch misst ihm die kantonale Naturgefahrenkarte ein Schadenspotenzial von einer bis 1,5 Millionen Franken zu, sollte es zu einem Unwetter der Stärke kommen, wie sie durchschnittlich alle 300 Jahre auftreten. «Das Bächlein wirkt harmlos. Aber bei der 20- bis 30fachen Wassermenge sieht das anders aus», sagt Hans-Peter Roters, der Leiter des Gossauer Tiefbauamts.

Durchlass-Kapazität verdoppeln

Sollte der Bach über die Ufer treten, könnte er aufgrund der Gossauer Topographie nicht nur die Schulen und Sportanlagen im Gebiet Buechenwald, sondern auch den Bahnhof und Teile des Stadtzentrums bis zur Ringstrasse überfluten. «Im bewohnten Gebiet summiert sich das Schadenspotenzial schnell», sagt Roters. Ein gefährlicher Engpass ist der Durchlass unter der Seminarstrasse beim OZ Buechenwald, der nun ausgebaut wird. Der heutige Durchlass hat einen Durchmesser von einem Meter und eine Kapazität von drei Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Nach dem Umbau wird er 3,5 auf 2,3 Meter und eine Kapazität von 7m3/s messen.

Strassen- und FTTH-Arbeiten

Gleichzeitig werden die Seminarstrasse und die Werkleitungen erneuert. Auch die Voraussetzungen für den Ausbau des Glasfasernetzes werden dabei geschaffen. Das Stadtparlament hat den Kredit von 1,2 Millionen Franken, davon 360 000 für den Bachdurchlass, an seiner Sitzung vom 5. Mai genehmigt. Von Anfang bis Mitte Juli finden die Vorarbeiten für das Gesamtprojekt statt, im August gehen die Bauarbeiten richtig los. Die Deckbelagsarbeiten an der Seminarstrasse folgen 2016.

Massnahme vorgezogen

Die Naturgefahrenkarte wurde vom Kanton im vergangenen Jahr verabschiedet. Massnahmen für bedrohte Gebiete müssen die Gemeinden bis Ende 2016 aufzeigen. Weil die Sanierung der Seminarstrasse ohnehin drängt, wurde der Ausbau des Bachdurchlasses nun vorgezogen, sagt Roters. Im kommenden Jahr werden der Arnegger- und der Dorfbach das Tiefbauamt weiter beschäftigen. «Bei letzterem hatten wir seit dem Bau des Retentionsbeckens in Andwil immer Glück. Aber wenn der Dorfbach <kommt>, wäre eine riesige Fläche bewohnten Gebiets betroffen.» Der Sachschaden wäre schon nur wegen all der überfluteten Keller gross.

Ein Gossauer Phänomen

Das relativ hohe Schadenspotenzial schon bei kleinen Gewässern sei ein Gossauer Phänomen, sagt Roters. Die bereits erwähnte Topographie und die Fliessrichtung des Wassers auf Strassen sind zwei Gründe dafür. Für die Naturgefahrenkarte werden die Stärkeklassen der Unwetter nach Wahrscheinlichkeiten berechnet. Bachverbauungen sollten laut Roters generell einem Ereignis entsprechen, wie es alle 100 Jahre auftritt. Für den Hochwasserschutz in bewohntem Gebiet legt man zudem meist 300jährliche Ereignisse zu Grunde. «Aber schon kleinere Unwetter können hier in Gossau Schäden um eine Million Franken anrichten.» Denn die überflutete Fläche wäre auch bei Unwettern wie sie alle 30 Jahre auftreten in etwa gleich gross. Wie viele Zentimeter hoch das Wasser dann steht, ist laut Roters zweitrangig.

Der jetzige Ausbau des Bädlibach-Durchlasses soll deshalb dazu beitragen, dass das Stadtzentrum bei einem Unwetter vor Wasserschäden verschont bleibt.