Brauer – Beruf mit Zukunft

Oberstufenschüler haben in diesen Tagen in und um St. Gallen verschiedene Betriebe besucht, um weniger bekannte Berufe kennenzulernen. Lebensmitteltechnologe war einer davon.

Ruth Frischknecht
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Wie sieht Bier aus, während es gärt? Die Oberstufenschüler werfen einen Blick ins Innere der Gärtanks. (Bild: Ruth Frischknecht)

Wie sieht Bier aus, während es gärt? Die Oberstufenschüler werfen einen Blick ins Innere der Gärtanks. (Bild: Ruth Frischknecht)

Ein Roboter greift metallene Bierfässer, dreht sie, hebt sie an und stellt sie auf ein Förderband. Er arbeitet genau, kann sogar eine Schnur, von der die Fässer zusammengehalten werden, entfernen und an einen Haken hängen. «In der Lehre als Lebensmitteltechnologe mit Schwerpunkt Bier, also Brauer, seid ihr für solche Anlagen verantwortlich. Ihr werdet sie programmieren, sie überwachen, instand halten und reinigen», sagt Iris Semmeling.

Berufe kennenlernen

Die stellvertretende Schützengarten-Braumeisterin führt am Dienstagnachmittag elf Jugendliche durch die Produktionsräume. Die Oberstufenschüler nehmen an einer Betriebsbesichtigung des Vereins Triebwerk teil. Ziel der Veranstaltungen ist es, Jugendlichen Berufe und Lehrbetriebe näher zu bringen, damit sie sich fundiert für eine Lehre entscheiden können. Auf der Liste stehen auch Berufe, die nicht zuoberst auf der Beliebtheitsskala stehen. Lebensmitteltechnologe ist einer davon. Die Lehre sieht eine Spezialisierung vor: auf Backwaren, Convenience-Produkte, Fleischerzeugnisse, Getränke, Schokolade, Trockenwaren und Zuckerwaren – oder wie bei der Brauerei Schützengarten: auf Bier.

Interesse an Naturwissenschaft

Die Gruppe bewegt sich weiter ins Sudhaus. «Hier nimmt das Bier seinen Ursprung, hier wird gebraut», sagt die Braumeisterin. Ein schwerer Geruch erfüllt den Raum. Um die sogenannte Würze zu gewinnen, wird das Gerstenmalz mit warmem Wasser vermischt. Enzyme verwandeln die im Gerstenmalz enthaltene Stärke in Malzzucker. «Deshalb der malzige Geruch», sagt Semmeling. Später wird der Flüssigkeit Hopfen zugefügt, der für die bittere Note im Bier sorgt. «Brauer und Lebensmitteltechnologen allgemein müssen Interesse an Physik, Chemie und Biologie mitbringen. Nur so verstehen sie, welche Prozesse in den Kesseln ablaufen, und nur so können sie ein gutes Bier herstellen.»

Auf Sauberkeit achten

Nach sieben bis acht Stunden ist der Brauprozess abgeschlossen, das Bier verlässt das Sudhaus und kommt in den Gärkeller. Dort wird der Bierwürze Hefe zugefügt. Die Flüssigkeit beginnt zu gären – etwa eine Woche lang. Im Gärkeller ist es wie in allen Produktionsräumen der Brauerei, sehr sauber. Ein Wasserschlauch liegt am Boden. «Von innen reinigen sich die riesigen Tanks selbst», sagt Semmeling. Für die Reinigung von aussen sind jedoch die Brauer zuständig. «Hygienisch zu arbeiten und auf Sauberkeit zu achten, ist eine wichtige Aufgabe des Lebensmitteltechnologen.»

Alleine arbeiten können

Nach der Zeit im Gärkeller kommt das Jungbier in den Lagerkeller. Dort reift es weiter und dort entsteht auch die Kohlensäure. Ein Brauer hantiert an einer Armatur, bis ein Schwall Wasser zu Boden strömt. Der Lebensmitteltechnologe ist alleine unterwegs. «Brauer arbeiten selbständig. Obwohl es Teamwork ist, Bier zu produzieren, arbeiten wir meist allein.» In der Brauerei Schützengarten sind fünf Braumeister und zwei Lehrlinge für die Bierproduktion verantwortlich. 17 Millionen Liter Bier pro Jahr brauen sie, das sind mehr als 46 000 Liter pro Tag. Sobald das Bier reif genug ist, wird es gefiltert und in Flaschen oder Fässer abgefüllt.

Gefragte Fachleute

Vieles läuft heutzutage computergesteuert. In den meisten Hallen steht eine Computeranlage, auf der Schaltpläne und Prozesse aufgezeichnet sind. «Brauer ist ein moderner Beruf, ein industrieller Beruf – und ein Beruf mit Zukunft. Denn Fachleute in dieser Branche sind gesucht», sagt Martin Ketterer, Leiter Technik und Logistik bei der Brauerei Schützengarten. Und was gefällt einem Brauer an seinem Job? «Dass ich etwas herstellen kann und ich selbständig arbeiten kann», antwortet einer der beiden Brauer-Lehrlinge bei Schützengarten.