Braucht es grössere Bauzonen?

60 Prozent mehr Bevölkerungswachstum bis 2040: Das Bundesamt für Statistik hat neue Zahlen für den Kanton St. Gallen veröffentlicht.

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ST. GALLEN. Nun trifft ein, womit der St. Galler Bauchef Willi Haag gerechnet hatte: Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat neue Bevölkerungsszenarien für die Kantone veröffentlicht – und korrigiert die Wachstumszahlen für den Kanton St. Gallen nach oben. Noch im Dezember 2015 war die Regierung nach längerem Tauziehen mit dem Kantonsrat davon ausgegangen, dass der Kanton bis 2030 um 40 000 Personen wachsen könnte. Laut gestriger Mitteilung der Staatskanzlei rechnet das BFS nun aber mit einer Zunahme der Bevölkerung um rund 55 000 Personen im gleichen Zeitraum.

Bis 2040 soll laut BFS die Bevölkerung um rund 80 000 auf 582 000 Personen (mittleres Szenario) anwachsen. Die St. Galler Regierung war aber für den gleichen Zeitraum von einem Wachstum von 50 000 Personen ausgegangen. Die im Parlament eingebrachten Szenarien waren zwar höher als die der Regierung – dafür wollte eine Ratsmehrheit entsprechend grosszügigere Bauzonen zur Verfügung stellen. Aber auch diese Annahmen werden nun von den neuen BFS-Zahlen übertroffen.

Mittleres Wachstum

Der Kanton St. Gallen hält weiterhin am mittleren Szenario fest. Bauzonen und Siedlungsgebiet würden anhand der neuen Zahlen berechnet. Das Richtplankapitel «Siedlung» befindet sich bis Ende Juni in der Vernehmlassung. Hier wird das künftige Siedlungsgebiet festgelegt. Es wird aufgezeigt, wie gross es ist und wie es im Kanton verteilt werden soll. Das neue Raumplanungsgesetz verlangt ausserdem, dass die Bauzonen im Kanton so festzulegen sind, dass sie dem voraussichtlichen Bedarf für 15 Jahre entsprechen. Dazu muss der Richtplan aufzeigen, unter welchen Bedingungen Bauland neu eingezont werden kann und wie Gemeinden, die auszonen müssen, vorgehen sollen. Bis der Bund die Richtplananpassungen im Bereich Siedlung genehmigt hat, gelten Übergangsbestimmungen.

Drei Szenarien als Modell

Als Grundlage zur Bestimmung der ständigen Wohnbevölkerung dienten 2014 drei Grundszenarien des Bundesamtes für Statistik: ein tiefes, mittleres und höheres Szenario. Die St. Galler Regierung entschied sich für das mittlere Szenario. Grundlage dafür bildete die Bevölkerungszahl von 488 000 im Jahr 2013. (cz)