BRÄNDE: «Nach einer Weile hat man Blutgruppe F»

Die Milizfeuerwehr St. Gallen ist dann zur Stelle, wenn die Ressourcen der Berufsfeuerwehr nicht mehr ausreichen. Nächstes Jahr werden die beiden Depots der Milizler totalsaniert. Morgen feiert die Milizfeuerwehr Ost ein letztes Fest am alten Ort.

Roger Berhalter
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Thomas Giger (links), Kommandant der Milizfeuerwehr Ost, und Jascha Müller, Kommandant der Milizfeuerwehr St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Thomas Giger (links), Kommandant der Milizfeuerwehr Ost, und Jascha Müller, Kommandant der Milizfeuerwehr St. Gallen. (Bild: Benjamin Manser)

Roger Berhalter

roger.berhalter@tagblatt.ch

Sieben bis zwölf Minuten. So schnell ist der erste Milizfeuerwehrmann im Schnitt zur Stelle. Dies hat Jascha Müller ausgewertet, Kommandant der St. Galler Milizfeuerwehr und seit bald 30 Jahren Feuerwehrmann. «Der erste trifft manchmal schon nach sechs Minuten im Depot ein», sagt Müller. Sobald fünf Feuerwehrleute vor Ort sind, fährt das Löschfahrzeug los. Entweder vom Depot Ost an der Espenmoosstrasse oder vom Depot West an der Haggenstrasse aus. Je nach dem, wo es brennt.

Zuerst die Profis, danach die Milizler

Rund 161 Männer und Frauen leisten in St. Gallen freiwillig Feuerwehrdienst, dazu kommen 25 Feuerwehrleute aus Untereggen, die organisatorisch ebenfalls zur Milizfeuerwehr St. Gallen gehören. 15- bis 20-mal pro Jahr sind die Milizfeuerwehrler im Einsatz. Zuletzt musste sie nach dem vielen Regen Anfang September ausrücken, um Keller auszupumpen. «Das war ein anstrengender Tag», erinnert sich Thomas Giger, Kommandant der Milizfeuerwehr Ost.

In der Stadt St. Gallen gibt es auch eine Berufsfeuerwehr, die im Ernstfall mit zehn Mann ausrückt und meist als erste vor Ort ist. Doch wenn beispielsweise ein Dachstuhl brennt, braucht es die Unterstützung der Milizfeuerwehr. Laut Jascha Müller ergänzen sich die Profis und die Milizler gut. Die Berufsfeuerwehr allein wäre mit ihren Ressourcen oft am Anschlag. Umgekehrt könnte die Milizfeuerwehr nicht alle Einsätze übernehmen. «Da hätten die Arbeitgeber keine Freude», sagt Müller. Immerhin leiste die Berufsfeuerwehr jährlich fast 1000 Einsätze, vom Entfernen eines Wespennests bis zum Löschen eines Wohnungsbrands. Laut Thomas Giger hat das Milizsystem noch einen Vorteil: Vom Zimmermann über den Dachdecker bis zum Ingenieur und Juristen seien viele Berufe in der Kompanie vertreten. «Der Einsatzleiter hat im Ernstfall sofort einen passenden Berater zur Seite.»

4,8 Millionen Franken für neue Depots

Die Milizfeuerwehr ist auf Freiwillige angewiesen. Von Nachwuchsproblemen möchten Jascha Müller und Thomas Giger nicht sprechen. «Es ist von Jahr zu Jahr verschieden», sagt Giger. «Im Vergleich zu anderen Feuerwehren haben wir einen guten Bestand, auch im Kader», sagt Müller. Die meisten hätten nach einer Weile «Blutgruppe F», würden also zu überzeugten Feuerwehrleuten, ergänzt Müller. Um neue Mitglieder zu gewinnen, organisiere man regelmässig Rekrutierungstage. Auch das morgige Depotfest (siehe Kasten) sei nicht zuletzt eine Gelegenheit, Leute aus dem Quartier für die Feuerwehr zu begeistern.

Wer sich für die Milizfeuerwehr entscheidet, kann sich auf neue Depots freuen. Das Stadtparlament hat Ende August eine umfassende Sanierung bewilligt. Das Depot West an der Haggen­strasse wird 2018 für knapp 1,9 Millionen Franken vergrössert und modernisiert, das Depot Ost an der Espenmoosstrasse für knapp 2,9 Millionen Franken totalsaniert. Im Dezember werden beide Milizfeuerwehren in ein Provisorium im Lerchenfeld ziehen. Das Löschfahrzeug der Milizfeuerwehr Ost bleibt aber im jetzigen Depot. Jascha Müller betont: «Wir sind auch während der Sanierung im Osten gleich schnell vor Ort wie bisher.»