BODENSEE-WASSERSTAND: Dunkle Mächte steuern unseren See

Die Welt scheint aus den Fugen zu geraten. Bei uns hingegen lässt sich unverändert gut leben. Deshalb können wir uns beim Bilanzieren des ablaufenden Jahres auch so Bewegendem wie dem Wasserstand im Bodensee zuwenden.

Fritz Bichsel
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Im Juni tritt der Bodensee über die Ufer. Viele lassen sich das nicht entgehen und waten auf der Rorschacher Seeuferpromenade durchs Wasser. (Bild: Rudolf Hirtl (19. Juni 2016))

Im Juni tritt der Bodensee über die Ufer. Viele lassen sich das nicht entgehen und waten auf der Rorschacher Seeuferpromenade durchs Wasser. (Bild: Rudolf Hirtl (19. Juni 2016))

Fritz Bichsel

redaktionot@tagblatt.ch

Dieser lief im Frühsommer aus dem Ruder, um einen Fünftelmeter über die Hochwassermarke, um fast einen Meter über das langjährige Mittel. Dies sozusagen aus dem Nichts; nur einen Monat zuvor hatte sich unser See ganz durchschnittlich präsentiert. Und nach einem weiteren Monat stand das Wasser wieder auf der normalen Höhe, in deren Nähe es über den ganzen Rest des Jahres blieb.

Darin spiegeln sich nasser Frühling, kühl-feuchter Vorsommer, warm-trockener Sommer sowie zuerst etwas zu feuchter und dann zu trockener Herbst und Winter. Was aber bewirkte die abrupten Wechsel? Wetter und Klima taugen nicht mehr als Erklärung, seit Leute mit Durchblick aufdecken, dass hinter jedem Übel eine Verschwörung steckt. Nicht, was Wetterkapriolen auslöst, ist also die Frage, sondern wer. Und siehe da: Diese schickt uns das Ausland, wie alles Schlechte. Regen aus Wolken über unserem Land würde zwar ausreichen, dass dem Schweizer Anteil des Bodensees genügend Wasser zufliesst. Aber die Wolken kommen von weiter her. Also hat alles Wasser in unserem See mindestens Migrationshintergrund. Und es wird aus immer grösseren Teilen der Welt beeinflusst. Durch Wolken aus dem kalten hohen Norden nun auch im Sommerhalbjahr, durch heisse Winde aus der Wüste Sahara. Wer beherrscht die Arktis? Die Russen und die Amis. Wer breitet sich in Afrika aus? Die Chinesen. Da haben wir die Übeltäter. Was die Grossen treiben, ist schlecht für uns. Also müssen wir uns vor ihrem Einfluss abschotten. Beim Bodensee geht das aber nicht nach Schweizer Art. Die Gemeinden haben auf dem Wasser nichts zu sagen. Unser Teil des Sees ist Hoheitsgebiet der Kantone, und wie weit dieses reicht, definiert jedes Anrainerland anders. Nach der in ihrer Verfassung festgeschriebenen Meinung reicht Österreich und damit «feindliches» EU-Land nicht nur bis an den Alten Rhein, sondern auch nahe an Rorschach oder Steinach. Das lässt die Schweiz nicht gelten. Damit im und auf dem Bodensee auch ohne klare Grenzen Regeln eingehalten werden, wirkt sie aber in dafür eingesetzten Gremien mit. Angesichts dieser internationalen Organisationen soll uns nicht wundern, dass es im See schiefläuft, vom schwankenden Wasserstand bis zum schrumpfenden Fischbestand.

Etwas Tröstliches hat diese Situation: Gegen die Eingriffe von Grossmächten und EU können wir nichts tun. Wäre die Veränderung des Wetters hingegen eine Folge des Klimawandels, müssten auch wir handeln, sogar persönlich.