«Bodensee-Nixen» – Kunst oder Kitsch?

An der Seepromenade in Goldach singen zwei «Bodensee-Nixen». Leser Max Spälti wollte mehr über die Skulptur herausfinden und kontaktierte das Tagblatt. Berichte aus dem Archiv liefern jedoch nur bedingt Information zur Plastik.

Christoph Renn
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Künstler Karl Höfelmayr (rechts) beim Bau der «Bodensee-Nixen».

Künstler Karl Höfelmayr (rechts) beim Bau der «Bodensee-Nixen».

GOLDACH. Jedes Mal, wenn er entlang der Promenade in Goldach in Richtung Rorschach spaziert, erfreut er sich über den Anblick der singenden Nixen. Und er fragte sich, wer diese Figuren zu welchem Anlass erschaffen hat. Es ist Tagblatt-Leser Max Spälti aus Mörschwil. Deshalb begann er vor einiger Zeit, Informationen über die «Bodensee-Nixen» zu sammeln.

Gloor schenkt Nixen Goldach

Max Spälti erfuhr, dass die Skulptur von Maler und Bildhauer Karl Hoefelmayr aus Niederteufen gemacht wurde. Der in Kempten im Allgäu geborene Hoefelmayr war lange Zeit Inhaber und Leiter der Edelweiss-Werke im Allgäu. In die Schweiz zog es den Künstler, weil seine Frau Schweizerin war. Weiter hat Max Spälti in etlichen Gesprächen herausgefunden, dass die Nixenplastik 1985 im Oktober enthüllt wurde. Und dass sie vom Goldacher Geschäftsmann Werner Gloor der Gemeinde Goldach geschenkt wurde. Eine Frage konnte Leser Max Spälti jedoch mit seinen Recherchen nicht beantworten: Was war der Anlass für die Aufstellung der Skulptur? Jemand habe ihm gesagt, dass der Ring, auf dem die beiden Nixen sitzen, etwas mit einer Wasserleitung zu tun habe. Daraufhin kontaktierte er das St. Galler Tagblatt mit der Frage, ob Berichte aus dem Archiv diese Frage beantworten könnten? Dies tun sie – teilweise.

«Gören» steigen aus dem Wasser

In der Vorschau auf die Enthüllung der Nixenplastik steht nicht viel mehr. Nur: «Die Einweihung der Skulptur <Bodensee-Nixen> findet am Sonntag, 20. Oktober 1985, um 11 Uhr statt.» Und: «Ein Schülerchor unter der Leitung von Lehrer Max Engel wird die Feier mit Liedvorträgen umrahmen.» Am 21. Oktober stand dann in der Zeitung, dass rund 300 Personen zur Einweihung erschienen sind. «Der Goldacher Gemeindeammann Hans Huber dankte dem Stifter Gloor und Künstler Hoefelmayr.» Dann folgt ein kurzer Abschnitt, wie der Künstler auf die Idee der Nixen gekommen ist: «Er sah bei einem Augenschein der Promenade <zufällig> zwei Mädchen aus dem Wasser steigen, <Gören>», wie er erzählt, die fröhlich ihr Mundwerk laufen liessen. Neben ihnen lagen von der Uferverbauung her mächtige Zementrohre. Der Künstler habe einfach beides zusammengebracht. «Gelobt seist du für das Wasser», sang der Kinderchor. So viel steht in den Berichten zur Idee der «Bodensee-Nixen» in Goldach aus dem Jahr 1985. Was der Anlass zum Kunstprojekt war, bleibt weiter offen. Die Vermutung von Max Spälti, dass es etwas mit einer Wasserleitung zu tun habe, kann nicht bestätigt werden.

«Füdlis» nach Rorschach

Weitere Recherchen und Gespräche mit unverbindlichen Quellen haben gezeigt, dass die «Bodensee-Nixen» von Hoefelmayr nicht nur positiv aufgenommen wurden – dass sie gar als Kitsch abgestempelt wurden. Und dass die Plastik nur dort aufgestellt wurde, weil der Künstler den damaligen Gemeindeammann kannte. Es sei mehr über die nach Rorschach gerichteten «Füdlis» berichtet worden, als über das Kunstwerk selbst. Ob Kitsch oder Kunst, regt die Skulptur noch heute, 30 Jahre nach der Errichtung, zum Nachdenken und zur Diskussion an.

Seit 30 Jahren singen zwei Nixen ununterbrochen in Goldach. (Bilder: pd)

Seit 30 Jahren singen zwei Nixen ununterbrochen in Goldach. (Bilder: pd)