Bodensee geht das Wasser nicht aus

Entgegen der von Kantonsräten in einer Interpellation geäusserten Befürchtung ist die Trinkwasserversorgung aus dem See trotz tiefem Wasserstand nicht gefährdet. Mehrere Fachstellen bestätigen eine langfristige Versorgungssicherheit.

Rudolf Hirtl
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Der Goldacher Kantonsrat Felix Gemperle (SP) und 20 mitunterzeichnende Kantonsräte sorgen sich um die Wasserbalance des Bodensees (siehe Kasten). Nach ihrer Einschätzung dürfte dem See immer häufiger nicht mehr gleich viel Wasser zufliessen, wie aus ihm abfliesst und ihm entnommen wird. Max von Tilzer, Professor für Aquatische Ökologie an der Universität Konstanz, bestätigt zwar, dass die Wasserstände im Bodensee in den vergangenen Jahren abnormal tief waren. Trotzdem sieht er keine realistische Gefährdung für die Wasserversorgung.

Verdunstung ist grösser

«Der Bodensee stellt mit einem Volumen von fast 50 Kubikkilometern ein enormes Wasserreservoir dar», beruhigt er. Es bestünden zudem strengste Auflagen bezüglich der Wasserentnahme. «In der Regel wird nur ein Bruchteil des Zuflusses entnommen. Wir können also mit Optimismus in die Zukunft blicken, was die Wasserversorgung aus dem Bodensee betrifft», sagt Max von Tilzer.

Seine Einschätzung wird von Maria Quignon vom Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung bestätigt. «Den Auswirkungen des Klimawandels ist schwer etwas entgegenzusetzen, es wird aber in den nächsten 100 bis 150 Jahren keinesfalls zu mengenmässigen Schwierigkeiten bei der Trinkwasserentnahme aus dem Bodensee kommen», so Maria Quignon. Im Jahresmittel flössen dem Bodensee 360 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zu. Die mittlere Entnahme aller 16 Wasserwerke betrage 5,5, die mittlere Verdunstung 9 Kubikmeter pro Sekunde. Die Wasserversorgung benötige also nur ein bis zwei Prozent der Durchflussmenge. Diese Mengen haben laut Quignon keinen Einfluss auf den Wasserstand.

Strategiepapier in Arbeit

Auch laut Bundesamt für Umwelt ist es nicht möglich, dass dem Bodensee künftig nicht mehr gleich viel Wasser zufliesst, wie abfliesst oder ihm entnommen wird. «Die jetzigen Entnahmen sind im Vergleich zur verfügbaren Wassermenge unbedeutend», sagt Hugo Aschwanden, Leiter Sektion Gewässerbewirtschaftung. Dennoch brauche es eine Zukunftsplanung. «Aber nicht nur für den Bodensee, sondern für die ganze Schweiz», sagt Aschwanden und verweist auf eine Klimaanpassungsstrategie, die im Auftrag des Bundesrates erstellt wird.

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