BODENSEE: Candrian gibt den Stab weiter

Im regionalen Führungsstab Bodensee geht eine Ära zu Ende: Nach zehn Jahren als Stabschef übergibt Hans-Paul Candrian das Amt an seinen Stellvertreter Patrick Rieder. Auf ihn wartet schon eine Herausforderung.

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Hans-Paul Candrian (l.) und sein Nachfolger Patrick Rieder. (Bild: LINDA MÜNTENER)

Hans-Paul Candrian (l.) und sein Nachfolger Patrick Rieder. (Bild: LINDA MÜNTENER)

Mit 70 höre er auf. Diese Grenze habe er sich schon vor langer Zeit gesetzt, sagt Hans-Paul Candrian. Er hat sich daran gehalten. Per Ende Jahr übergibt der Stabschef des regionalen Führungsstabs Bodensee seinen Posten nach zehn Jahren in jüngere Hände. Patrick Rieder wird künftig die Geschicke der Milizorganisation leiten.

Der Führungsstab kommt zum Einsatz, wenn ein Schadensfall die Kapazitäten einer einzelnen Gemeinde überfordert. Er koordiniert unter der Leitung des Stabschefs die notwendigen Massnahmen zur Ereignisbewältigung zusammen mit den vor Ort eingesetzten Einsatzkräften wie Feuerwehr, Zivilschutz, Militär und weitere Blaulichtorganisationen. Unterstützt wird er von der Zivilschutzorganisation, die bei einem länger andauernden Einsatz die Einsatzkräfte teils auch ganz ablöst. So können diese für neue Notfälle eingesetzt werden. In den vergangenen zehn Jahren habe sich viel getan, sagt Candrian. Der Kommandoposten wurde vom TZM Goldach in den Führungskommandoposten Mariaberg in Rorschach verlegt. «Ein grosser Gewinn.» Waren früher vier Stunden Aufbau nötig, bis der Stab funktionsfähig war, sind die Arbeitsplätze heute fest installiert. «Die Verbindungen sind optimal.» Hier übt der Stab regelmässig Szenarien wie Naturkatastrophen oder Bombenfunde – alle zwei Jahre auch unter der Aufsicht des Kantons. «Das bringt Sicherheit und Selbstvertrauen», sagt Candrian. So habe er sich während seiner Amtszeit darum bemüht, dass sämtliche Unterlagen aktualisiert und vereinheitlicht wurden. «Das sind keine Papierübungen», betont er. Von einer vorausschauenden Planung profitiere man im Ernstfall. Dazu gehört auch ein Konzept für eine grossräumige Evakuation der Region. Der Kanton St. Gallen hat dieses vor kurzem in Auftrag gegeben. In Zusammenarbeit mit Gemeindevertretern hat der Stabschef Unterbringungsmöglichkeiten und Sammelpunkte für jede Gemeinde aufgelistet. Die Detailausarbeitung übergibt er nun seinem Nachfolger.

Suche nach neuen Mitgliedern ist schwierig

Patrick Rieder ist in Tübach aufgewachsen und arbeitet in der Informatikabteilung eines international tätigen Unternehmens. Der 42-Jährige hat als höherer Unteroffizier im Militär mehrere Auslandseinsätze in Südosteuropa geleistet, unter anderem in Kosovo und Bosnien. Seit 23 Jahren ist er in der Feuerwehr, zuletzt als Feuerwehroffizier tätig. Im regionalen Führungsstab hat er bisher als Candrians Stellvertreter gewirkt. Damit bringt er viel Erfahrung für den Posten mit. «Diese möchte ich zu Gunsten der Allgemeinheit einbringen», sagt er. Rieder wird alle Aufgaben seines Vorgängers übernehmen. Ein Problem, mit dem der neue Stabschef konfrontiert wird, ist die personelle Situation: Es fehlen Stellvertreter der Stabsmitglieder. Die Suche nach Mitgliedern gestalte sich schwierig. Die Bereitschaft für Freiwilligendienst nehme in der Gesellschaft ab. Zudem würden nicht alle Arbeitgeber die Abwesenheiten tolerieren. «Gerade bei einem Einsatz, der über mehrere Tage dauert, ist eine Ablösung aber unabdingbar», sagt Candrian. Die Belastung ist gross. «Davor macht ein Unglück nicht Halt.»

 

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch