BODENPOLITIK: Stadt und Coop wollen Land

Das Stadtparlament von Gossau entscheidet am 6. Dezember über den Kauf von 5614 Quadratmetern Land am westlichen Stadteingang. Pikantes Detail: Coop will dort ein Verkaufsgeschäft bauen.

Daniel Wirth
Merken
Drucken
Teilen
Dieses zweigeschossige Geschäft möchte Coop an der Wilerstrasse bauen und dafür 13 Millionen Franken investieren. (Bild: Visualisierung: Coop)

Dieses zweigeschossige Geschäft möchte Coop an der Wilerstrasse bauen und dafür 13 Millionen Franken investieren. (Bild: Visualisierung: Coop)

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Das Land liegt in der Gewerbe- und Industriezone und gehört der Hastag St. Gallen Beton AG. Diese hat mit der Coop Genossenschaft Basel Ende September einen Kaufvertrag abgeschlossen. Der von Hastag und Coop vereinbarte Verkaufspreis beträgt 4,77 Millionen Franken; das entspricht einem Quadratmeterpreis von 850 Franken. Ivo Dietsche, Leiter der Coop-Verkaufsregion Ostschweiz-Ticino, sagt, auf dem Areal Eichen an der Wilerstrasse soll für gegen 13 Millionen Franken eine neue zweigeschossige Coop-Filiale entstehen. Das Projekt sei weit fortgeschritten. Doch jetzt wolle der Gossauer Stadtrat Coop einen Strich durch die Rechnung machen. Ivo Dietsche hat dafür kein Verständnis, zumal die Stadt keine konkreten Pläne habe für das Areal am westlichen Stadteingang von Gossau.

HIG stellt sich hinter Coop

Unterstützung bekommt der Leiter von Coop Ostschweiz von der Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG). Diese stellt sich klar hinter die Investitionspläne von Coop, wie sie gestern einem Communiqué mitteilte. Der Antrag und die Empfehlung des Stadtrates und der Geschäftsprüfungskommission ans Stadtparlament, ein seit vier Jahren geltendes Vorkaufsrecht auszuüben und das Land im Gebiet Eichen dem grössten Arbeitgeber der Region wegzuschnappen, ist für den HIG-Vorstand eine Enttäuschung, wie er schreibt. Mit der Realisierung des Bauprojektes «Eichen» würde Coop in Gossau 30 neue Arbeitsplätze schaffen, rechnet die HIG vor. Zudem würde Coop für den geplanten Neubau Aufträge in Millionenhöhe an lokales und regionales Gewerbe vergeben.

In seiner Vorlage an das Parlament legt der Stadtrat ausführlich dar, weshalb er das Land an der Wilerstrasse erwerben will - zu einem hohen Preis, wie er einräumt. 850 Franken für einen Quadratmeter Land in der Gewerbe- und Industriezone sind ein stolzer Preis. Der Preis sei unbestrittenermassen hoch, sagt Stadtpräsident Alex Brühwiler. Allerdings liege das Areal Eichen auch an einem attraktiven Standort. Die Ausübung des Vorkaufsrechts durch die Stadt Gossau sei ein rein zukunftsgerichteter strategischer Entscheid, sagt Brühwiler. Er gibt Coop-Leiter Ivo Dietsche recht und sagt, die Stadt habe keine Pläne, das Areal Eichen zu überbauen. Der Kauf stehe in engem Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungskonzept, das am 8. November vom Stadtparlament genehmigt wurde. Dieses sieht gemäss Vorlage für das Gewerbe- und Industriegebiet Eichen vor, dass längerfristig zusätzliche, arbeitsplatzintensive Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen angesiedelt werden. Im weiteren lege das Stadtentwicklungskonzept fest, dass sich Detailhandelsflächen in der Altstadt konzentrieren sollen und dass eine Konkurrenzierung durch weitere Standorte zu vermeiden sei.

Die Handels- und Industrievereinigung Gossau schreibt in ihrer Pro-Coop-Mitteilung, der Detailhändler bekenne sich klar zum jetzigen Standort im Stadtzentrum. Der bestehende Supermarkt habe sich gemäss Coop in den vergangenen Jahren als starker Lokalversorger für die Gossauer Bevölkerung bewiesen. Auch Ivo Dietsche sagt, Coop wolle am bisherigen Standort im Stadtzentrum festhalten und im Gebiet Eichen ein zweites Verkaufsgeschäft in Gossau bauen.

Auch der Verkehr ist ein wichtiges Thema

Der Stadtrat lässt die mögliche Entwicklung des Gebietes Eichen-Sommerau gegenwärtig in einer Studie erarbeiten; das Ergebnis liegt noch nicht vor. Grundlegende Erkenntnisse sind für den Stadtrat aber schon heute klar, wie er in der Vorlage ans Parlament schreibt: Der Eichen-Kreisel im Westen der Stadt sei in der Abendspitzenstunde schon heute überlastet. Und in den nächsten Jahren müsse zunehmend mit längeren Rückstaus gerechnet werden, was die Erreichbarkeit Gossaus verschlechtere.

Diese Bedenken teilen die HIG und Coop nicht. Mit einer zweiten Verkaufsstelle an der Peripherie von Gossau wolle Coop Pendler als Kunden gewinnen, die ohnehin dort vorbei zur Autobahn A1 fahren würden. Deshalb entstünde kein Mehrverkehr.

Lehnt das Parlament am Dienstag den Antrag des Stadtrates ab, kann Coop das Land der Hastag AG abkaufen und bauen.