BLUTSPENDEN: Frisches Blut und Wurst vom Grill

Zweimal im Jahr richtet sich das Blutspendezentrum St. Gallen im Adlersaal in Muolen ein. Beim kleinsten mobilen Einsatz im Einzugsgebiet lässt auch der Gemeindepräsident Blut.

Noemi Heule
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Früh übt sich: Einige Spender nehmen ihre Familien mit. Die Samariterinnen legen sich gleich selbst auf den Schragen. (Bilder: Michel Canonica)

Früh übt sich: Einige Spender nehmen ihre Familien mit. Die Samariterinnen legen sich gleich selbst auf den Schragen. (Bilder: Michel Canonica)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Festtische wurden mit weissen Laken kurzerhand in Pritschen umfunktioniert und in der Luft liegt eine Duftmischung zwischen Desinfektionsmittel und frisch gegrillter Bratwurst: Währen sich die Spendensäcke an diesem Abend im Adlersaal in Muolen blutrot füllen, herrscht eine Stimmung zwischen Dorffest und Krankenstation.

Zweimal jährlich rückt das Blutspendezentrum St. Gallen mit zwei Lieferwagen und 13 Helfern aus, damit die Muolerinnen und Muoler vor Ort spenden können; es ist der kleinste mobile Einsatz im Einzugsgebiet des Spendenzentrums.

80 Prozent brauchen ­fremdes Blut

«Ein erheblicher personeller und logistischer Aufwand» sei mit dezentralen Einsätzen verbunden, sagt Ralf Prescher, Produktionsleiter des Blutspendezentrums Ostschweiz. Dennoch seien sie wichtig, um das Thema auch der ländlichen Bevölkerung in Erinnerung zu rufen. «Allein durch Spenden in unserem Zentrum in St. Gallen könnten wir die Versorgung der Ostschweiz mit Blutprodukten gar nicht gewährleisten.» Und die Spenden werden dringend gebraucht: Vier von fünf Erwachsenen sind einmal im Leben auf fremdes Blut angewiesen; nur fünf Prozent der Bevölkerung spendet jedoch regelmässig. Im Zuge der Überalterung wird zudem in Zukunft immer mehr Blut benötigt. Dieses muss neben Hauptblutgruppe und Rhesusfaktor auch über die richtige Blutuntergruppe verfügen, um im Ernstfall Leben zu retten. «Entsprechend gross und vielfältig muss auch der Spenderstamm sein», sagt Prescher.

Dass die Spende im Dorf stattfinden kann, ist für die Muoler wichtig. «Hier fahre ich wenige 100 Meter mit dem Velo, der Aufwand ist gering», sagt Bruno Sager. Der 69-Jährige hat an diesem Abend ein Spende-Jubiläum. Bereits 50-mal liess er seine Venen anzapfen. Zur Belohnung erhält er ein Präsent. Sager spendet seit der Rekrutenschule, wann immer möglich, zweimal jährlich. Zu den regelmässigen Spendern gehört Häggenschwils Gemeindepräsident Hans-Peter Eisenring. Er ist, wie viele andere, aus dem Nachbardorf angereist. Auch der höchste Muoler schaut vorbei. Blutspenden stehe zwar nicht in seinem Pflichtenheft, sagt Gemeindepräsident Bernhard Keller, er gehe aber mit gutem Beispiel voran. «Hier sieht man regelmässig dieselben Gesichter», sagt er.

Eine 21-Jährige dagegen ist zum ersten Mal dabei. Sie kommt nicht weit: Wegen tiefen Blutdrucks wird sie wieder nach Hause geschickt. Die Gründe für eine Rückweisung sind vielfältig: etwa kleine Wunden, kürzliche Ferien in den Tropen oder ein Partnerwechsel. Die Vorschriften sind streng, um Komplikationen bei Spendern und Empfängern zu vermeiden.

«Abgewiesen zu werden ist natürlich demotivierend», sagt Barbara Kempf, Präsidentin der Muoler Samariter. Der Verein ist für die Organisation vor Ort zuständig, stellt Verpflegung bereit, richtet ein und räumt ab. Und er mobilisiert die Spender. «Manchmal müssen wir sie wieder aufrütteln, gerade wenn sie mal abgewiesen wurden», sagt sie.

Abtransport nach Bern und St. Gallen

Einige Samariterinnen nutzen den Anlass, um sich in einer Pause selbst auf den Schragen zu legen. Nach der Blutspende geht’s zurück an die Arbeit, während sich die anderen Spender mit einer frisch gegrillten Wurst verpflegen. Das Blut im durchsichtigen Plastikbeutel wird derweil sofort gekühlt und in mannshohen Isolierschränken aufbewahrt, bevor es schliesslich zur Weiterverarbeitung nach St. Gallen abtransportiert wird. Reagenzröhrchen mit Blutproben werden noch in derselben Nach nach Bern gebracht. Erst der Labortest gibt die 52 an diesem Abend gespendeten Blutkonserven frei für die Transfusion.