Blutiger Überfall: Kreisgericht Rorschach spricht Geschäftsführer frei

RORSCHACH. Das Kreisgericht Rorschach hat am Dienstag einen 45-jährigen Schweizer vom Vorwurf der Gehilfenschaft zu versuchter Nötigung freigesprochen. Der Geschäftsführer einer Baufirma hatte zwei Männer angeheuert, um Schulden einzutreiben. Diese überfielen den Schuldner und schlugen ihn spitalreif.

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Der Geschäftsführer einer Ostschweizer Baufirma hatte über Jahre vergeblich Zahlungen von Ausständen in der Höhe von rund 250'000 Franken für erledigte Aufträge von einer Immobilienfirma verlangt. In September 2012 beauftragte der Beschuldigte einen Angestellten und dessen Kollegen - ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma - damit, ausstehende Forderungen von 120'000 Franken einzutreiben.

In den folgenden Wochen observierten die beiden Männer die Zielperson. Um die Überwachung zu erleichtern, wollten sie ein Ortungsgerät kaufen. Mit den 1000 Franken, welche sie vom Auftraggeber dafür erhielten, kauften die Männer stattdessen Sturmhauben, Kabelbinder, zwei Klappmesser, eine Machete und ein Fernglas.

Überfallen und erpresst

Mitte Oktober überfielen sie den Geschäftsführer der säumigen Immobilienfirma. Sie vereinbarten, von ihm 200'000 Franken zu erpressen, um je 40'000 Franken für sich behalten zu können. Als der Mann die beiden Maskierten vor sich sah und die Tür zuschlagen wollte, bedrohten sie ihn mit einem Messer und versetzten ihm mehrere Schläge ins Gesicht. Das Opfer erlitt einen Nasenbeinbruch und einen dreifachen Bruch der Augenhöhle.

Die beiden Täter wurden wegen versuchter räuberischer Erpressung zu Freiheitsstrafen verurteilt. Der mutmassliche Auftraggeber erhielt einen Strafbefehl wegen Gehilfenschaft zu versuchter Nötigung und wurde mit einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu je 70 Franken verurteilt.

Staatsanwalt fordert Freispruch

Der 45-Jährige wehrte sich gegen den Strafbefehl und stand deswegen am Dienstag vor Kreisgericht Rorschach. Die ausstehenden Beträge seien substanziell für seine Firma, sagte der Beschuldigte. "Sie sollten bei der Firma die Klinken putzen, aber immer innerhalb der Regeln des Gesetzes bleiben", sagte er.

Sein Verteidiger plädierte auf Freispruch. Die Täter seien ohne Instruktionen des Beschuldigten beim Opfer vorbei gegangen. Er hätte kein Abtretungsschreiben für die Forderung unterschrieben, wenn er gewusst hätte, dass die Männer Gewalt anwenden würden. Der Beschuldigte sei ohne Vorstrafen.

Auch der Staatsanwalt plädierte auf Freispruch. Es gebe keine ausreichenden Beweise für einen Schuldspruch. Der Beschuldigte sei weder bei der Planung des Überfalls noch bei der Tat beteiligt gewesen. Seine Aussagen seien im Gegensatz zu jenen, der beiden Täter glaubwürdig. "Nicht jedes private Inkasso ist strafbar", sagte der Staatsanwalt.

Privatkläger fordert Genugtuung

Der Vertreter des Opfers verlangte einen Schuldspruch wegen Anstiftung zur versuchten räuberischen Erpressung. Für das Opfer verlangte er eine Genugtuung von mindestens 2000 Franken. Der Beschuldigte habe dem Inkasso-Kommando einen Persilschein ausgestellt und sei mit dem illegalen Vorgehen einverstanden gewesen. Einer der Täter sei mehrfach vorbestraft und als gewalttätig bekannt gewesen.

Das Gericht sprach den Beschuldigten frei und verwies die Genugtuungsforderung auf den Zivilweg. Eine Verbindung des Beschuldigten zur Tat sei nicht nachgewiesen. Die Aussagen der Täter seien nicht glaubwürdig. Der Beschuldigte trage allenfalls ein moralisches Verschulden, sagte der Einzelrichter. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (sda)