Blumen gegen die Angst

Auf dem Bärenplatz brennen derzeit Kerzen «für alle Opfer des Terrors und ihre Angehörigen». Mit der Aktion möchte der ökumenische Verein Wirkraum Kirche in einer schwierigen Zeit eine positive Botschaft verbreiten.

Roger Berhalter
Drucken
«Wir werden die Opfer in unsere Gebete aufnehmen»: Die jüngsten Terroranschläge hinterlassen auch auf dem Bärenplatz in St. Gallen Spuren. (Bilder: Benjamin Manser)

«Wir werden die Opfer in unsere Gebete aufnehmen»: Die jüngsten Terroranschläge hinterlassen auch auf dem Bärenplatz in St. Gallen Spuren. (Bilder: Benjamin Manser)

Kerzen brennen auf dem Bärenplatz, Blumen liegen auf dem Asphalt und eine Widmung: «Für alle Opfer des Terrors und ihre Angehörigen». Seit Dienstagabend ist der öffentliche Platz im Stadtzentrum ein Mahnmal für die jüngsten Terroranschläge in Brüssel. Für die Aktion verantwortlich zeichnet der ökumenische Verein Wirkraum Kirche. «Die christlichen Kirchen der Stadt laden die Bevölkerung ein, sich in den Zeichen von Karfreitag und Ostern bewusst mit den Opfern des Terrors in Brüssel und an andern Orten der Welt zu verbinden», heisst es in einer Mitteilung.

Möglichkeit zum Innehalten

Internationale Terroranschläge hinterlassen immer wieder auch in St. Gallen Spuren. Nach dem Attentat auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» in Paris Anfang 2015 versammelten sich 100 Personen für eine Kundgebung auf dem Marktplatz. Nach den Bombenattentaten in Paris im November zündeten St. Gallerinnen und St. Galler auf dem Gallusplatz Kerzen an. «Wir müssen wohl oder übel lernen, mit Terrorismus zu leben», sagt Hansruedi Felix, evangelisch-reformierter Pfarrer und einer der beiden Initianten der Aktion auf dem Bärenplatz. «Wir wollen den Leuten eine stille Möglichkeit bieten, um innezuhalten.»

Mitinitiant Roman Rieger, Leiter der Pastoralen Arbeitsstelle der Katholischen Kirche St. Gallen, ergänzt: «Es ist ein spontaner Versuch, einen Ort in der Stadt zu etablieren, wo man seiner Betroffenheit Ausdruck verleihen kann.» Bewusst habe man für die Aktion keine Kirche, sondern einen öffentlichen Platz ausgewählt. «Der Ort soll für alle Religionen offen sein. Auch ein Moslem soll seine Betroffenheit ausdrücken können.»

Die Polizei schreitet nicht ein

Eine Bewilligung habe man vorher nicht eingeholt – das wäre allerdings nötig gewesen, sagt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei. Die Blumen und Kerzen auf dem Bärenplatz entsprächen einem «gesteigerten Gemeingebrauch», und ein solcher sei bewilligungspflichtig. Im konkreten Fall werde die Stadtpolizei aber nicht eingreifen, ausser es gäbe eine begründete Beschwerde oder die Sicherheit wäre gefährdet.

Eine hoffnungsvolle Botschaft

Was hilft es, in St. Gallen Blumen niederzulegen, wenn in Brüssel Bomben explodieren? Laut Hansruedi Felix kann ein solcher öffentlicher Ort der Betroffenheit eine wichtige Funktion erfüllen. «Es ist eine Einladung, die Nachrichten über Terroranschläge nicht einfach ohnmächtig über sich ergehen zu lassen.» Wer eine Kerze anzünde oder eine Blume niederlege, setze aktiv ein Zeichen. «Wer das macht, lässt sich weniger leicht durch Ohnmacht und Angst lähmen.» Diese positive Botschaft wollen die Vertreter der christlichen Kirchen verbreiten – gerade jetzt, wenn die Medien wieder voller Terrornachrichten sind. «Man soll sich deswegen nicht ins Bockshorn jagen lassen, sondern das Leben leben und geniessen», sagt Felix. Auch Ostern erzähle vor allem von Hoffnung und davon, Leid und Unrecht zu überwinden.

Kreuzweg über den Bärenplatz

Weitere Aktionen hat Wirkraum Kirche nicht geplant. Allenfalls führt der traditionelle «Kreuzweg der Gegenwart» (Karfreitag, 12 Uhr, ab Harfenbergstrasse 5) dieses Jahr auch am Bärenplatz vorbei. In den Ostergottesdiensten werden die jüngsten Terroranschläge ebenfalls Thema sein. Roman Rieger: «Wir werden die Opfer in unsere Gebete aufnehmen.»

Aktuelle Nachrichten