«Blume», St. Gallen: Der Geheimtip

Es ist die klassische Ungerechtigkeit dieser Welt: Vorne an der Rorschacherstrasse, an bester Passantenlage, steht die eine oder andere, pardon, Bruchbude von Beiz. Dahinter aber, in der zweiten Reihe, blüht im Verborgenen die «Blume». Ein Quartierrestaurant wie alle hier im St.

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Es ist die klassische Ungerechtigkeit dieser Welt: Vorne an der Rorschacherstrasse, an bester Passantenlage, steht die eine oder andere, pardon, Bruchbude von Beiz. Dahinter aber, in der zweiten Reihe, blüht im Verborgenen die «Blume». Ein Quartierrestaurant wie alle hier im St. Galler Krontal, aber schon beim Näherkommen ahnt man, dass da mehr ist. Eine warm erleuchtete Fensterreihe als Einladung, den Eingang säumen ein Lorbeersträuchlein und anderer floraler Schmuck, dazu ein «Willkomm»-Schild (keines aus dem Gratis-Angebot des Bierlieferanten).

Drinnen schön gedeckte Tische, eine nicht gestylte, aber gemütliche Stube, eine Wirtsstube im schönen alten Sinn. In Tresen-Nähe eine Herrenrunde beim Jass, eine Frauengruppe wechselt gerade vom Sitzungs-Apéro an den gedeckten Ecktisch. Eine unaufgeregte Stimmenkulisse, keine Musik. Die richtige Ambiance für Feierabend, zum Entspannen und Geniessen. Schon beim Eintreten dämmert einem, dass dieses Lokal zu Recht als Geheimtip gehandelt wird.

Elegant variierte Klassiker

Das hat mit dem gewissen Etwas der sorgfältigen Dekoration (bis hinaus ins WC) zu tun, mit der Küche natürlich – und damit, dass die Teller mit weissen Handschuhen aufgetragen werden. Das hat nichts Manieriertes, sondern ist eine augenzwinkernde Spielerei. Hinter all dem stehen seit bald zehn Jahren Ali und Gülüstan Koltan. Die Ungezwungenheit eines Quartierrestaurants (mit vielen Stammgästen) und der Anspruch einer gehobenen Küche, so lautet ihr Credo. Die Koltans und ihre junge Köchin Simone Bösch pflegen eine schweizerisch-internationale Küche, die Klassisches elegant, aber nicht zwanghaft variiert. Das Mittags-Menu 3 diesen Montag etwa waren mit Brie überbackene Schweinsfiletmedaillons, Tausend-Kräuterrösti und Broccoli (28.50). Der «Blume»-Salat vereint Blattsalate mit Trauben, Feigen, gebratenen Pilzen und Riesencrevetten (19.50). Das Saiblingfilet wird an Safranschaum mit Agnolotti al Pesto und Zucchetti serviert (35.50). Für Fleisch-Abstinente gibt es etwa Maultaschen mit weissem Trüffel und Käse an Baumnussbutter mit Tomatenwürfeln und Balsamicocrème (25.50).

Sehr moderate Weinpreise

Neben der Standardkarte gibt es ein zweiwöchentlich wechselndes 4-Gang-Menu (69.–), dazu Saisonaktionen; die Wildzeit neigt sich, ab heute bis Samstag ist Kalbsmetzgete. Wir wählten aus dem Wochenmenu das delikate Thurgauer Rieslingschaumsüppchen mit Apfelstücken (9.50) und liessen uns nach einem reichhaltigen grünen Salat (7.–) vom Tagesangebot begeistern: Angusbeef an Pfeffersauce mit Gemüsebouquet und Rösticroquetten (42.50). Ein Stück Rindfleisch zum Schwärmen! Die Weinkarte wird dominiert von Frankreich, Spanien und Italien – und von sehr moderaten Preisen.

Unser Eindruck: Ein sympathisches Gastgeberteam adelt das Quartierrestaurant zur gediegenen Genuss-Adresse.

Beda Hanimann

Blume, St. Gallen Brauerstr. 27, 9000 St. Gallen. Ali und Gülüstan Koltan, Simone Bösch (Küche). Tel. 071 245 19 10 www.restaurant-blume-sg.ch Öffnungszeiten: Mo–Fr 8.30–23 Uhr, Sa 9–23 Uhr; Küche jeweils 11–14 und ab 18 Uhr Karte: Mittagsmenus 17.– bis 35.50; A-la-carte-Hauptgerichte 18.50 bis 44.50