Blues in seiner eindringlichsten Form

Philipp Fankhauser ist einer der erfolgreichsten Schweizer Jazzmusiker. Am Freitag spielte er im Würth-Haus – mit Gastsängerin Margie Evans, die ihn vor 35 Jahren in ihren Bann zog. Die 75-Jährige aus Louisiana löste im vollen Saal Begeisterungsstürme aus.

Corina Tobler
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Margie Evans singt «Trouble» aus tiefster Seele, begleitet von Philipp Fankhauser an der Gitarre. (Bild: Corina Tobler)

Margie Evans singt «Trouble» aus tiefster Seele, begleitet von Philipp Fankhauser an der Gitarre. (Bild: Corina Tobler)

RORSCHACH. Blues ist melancholisch, Ausdruck von Herzschmerz und den Leiden des Alltags. Und doch ertönt an diesem Freitagabend im voll besetzten Carmen-Würth-Saal regelmässig lautes Gelächter, vor wie auf der Bühne. Der Grund: Die Schweizer Jazzgrösse Philipp Fankhauser ist zu Gast und hat nicht nur seine Gitarre, eine sechsköpfige Band und zwei Backgroundsänger dabei, sondern auch die Frau, die ihm als 17-Jährigem mit ihrer Stimme den Blues sang, wie er ihn noch nie gehört hatte.

Jugenderinnerungen

Die Rede ist von Margie Evans, heute 75, aus Shreveport, Louisiana. Sie geniesst es in vollen Zügen, hier zu sein, hat eine Bühnenpräsenz, wie sie selten zu finden ist – und bringt das Publikum und sich selbst alle paar Minuten zum Lachen mit Geschichten vom «kleinen Jungen» (Fankhauser), der heute ein respektvoller junger Mann und guter Freund sei. Doch weder Evans noch Fankhauser sind als Comedy-Acts hier.

Schon 1981, als sich ihre Wege erstmals kreuzten, war er ein Schweizer mit Liebe zum Blues – und sie eine geborene Blues- und Gospelsängerin. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Fankhauser, stets an der Gitarre, singt in breitem Englisch den Blues von Einsamkeit, der Suche nach der Liebe und von gebrochenen Herzen, um dann in der swingenden Nummer «Hometown» seine Schweizer Seele und Thun als Heimatstadt zu besingen. Und das Wort in breitem Berndeutsch ans Publikum zu richten, das doch bitte Offbeat mitklatschen soll, damit's besser swingt. Die Zuhörer folgen der Anweisung, wippen und klatschen Fankhauser und seine Band durch eindrückliche Soli und emotionale Berg-und-Tal-Fahrten in Texas, Dallas oder Louisiana.

Gesang aus tiefster Seele

Aus Louisiana kommt ebendiese Margie Evans. Und so sehr diese das Lachen geniesst, so blitzschnell kann sie umschalten und das tun, was ihr im Blut liegt. Ihrer tiefen, eindringlichen Stimme kann sich niemand entziehen, wenn sie in «God Bless the Child» oder «Trouble» aus tiefster Seele die Leiden besonders der afroamerikanischen Bevölkerung in den USA schildert oder in «Stop & Forgive» zu Vergebung und Bescheidenheit aufruft. Sowohl Fankhauser, wohlgemerkt seit 30 Jahren eine Grösse in der Schweizer Jazzszene, als auch die Zuhörer sind schlicht begeistert von diesem Gesang. So fordern sie am Konzertende lautstark Zugabe – was den zwei Freunden auf der Bühne erneut ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

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