Blinklichtanlage wäre zu teuer

Der Quartierverein Tschudiwies-Centrum will weiterhin für eine Öffnung der geschlossenen Bahnübergänge im Güterbahnhofareal kämpfen. Die Appenzeller Bahnen verweisen auf die hohen Kosten für eine Blinklichtanlage.

David Gadze
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Die Andreas-Kreuze aus Holz wurden inzwischen wieder entfernt. (Bild: David Gadze)

Die Andreas-Kreuze aus Holz wurden inzwischen wieder entfernt. (Bild: David Gadze)

Sie waren ein Zeichen des Widerstandes. Eine unmissverständliche Forderung. Und letztlich auch ein Ausdruck des Gefühls, ignoriert zu werden: Die Andreas-Kreuze aus Holz, welche der Quartierverein Tschudiwies-Centrum Anfang Dezember an den vor etwas mehr als einem Jahr geschlossenen Bahnübergängen im Güterbahnhofareal angebracht hatte. «Damit wollten wir die Wichtigkeit dieser Verbindung für die Bevölkerung in die Innenstadt betonen», sagt Quartiervereinspräsident Alfred Mallepell. Und der Forderung nach Sicherung der Bahnübergänge mit Andreas-Kreuzen und Blinklichtanlagen sichtbaren Nachdruck verleihen. «Praktisch jeder Übergang in Teufen ist so gesichert, warum nicht auch diese drei bei uns?», fragt Mallepell.

Nicht mit Teufen vergleichbar

Die Situation im Güterbahnhofareal sei mit jener in Teufen nicht zu vergleichen, entgegnet Alexander Liniger, Mediensprecher der Appenzeller Bahnen. «In Teufen wird praktisch jeder Bahnübergang nicht nur von Fussgängern, sondern auch von Autofahrern benützt.»

Die Appenzeller Bahnen haben – wie alle anderen Bahnen in der Schweiz – vom Bundesamt für Verkehr (BAV) den Auftrag erhalten, sämtliche ungesicherten Bahnübergänge bis Ende 2014 zu sanieren. Dabei kommen drei Massnahmen in Frage: eine Blinklichtanlage, eine Schranke oder eine Schliessung.

Sicherheit und Kosten

Welche Massnahme im Einzelfall umgesetzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa von der Häufigkeit der Nutzung eines Übergangs oder von der Sichtweite. Beim Entscheid, die Übergänge im alten Güterbahnhof zu schliessen, hätten mehrere Gründe eine Rolle gespielt, sagt Liniger. Das wichtigste Kriterium sei die Sicherheit. «Am sichersten ist ein Bahnübergang, den es nicht gibt. Deshalb versuchen wir, möglichst alle ungesicherten Übergang zu schliessen.» Ein entscheidendes Kriterium sei dabei die Frage, welche Alternative sich den Benützern biete und ob diese zumutbar sei.

Ein weiterer wichtiger Grund sind die Kosten. Allein eine Blinklichtanlage mit Andreas-Kreuz kostet gemäss AB-Sprecher rund 200 000 Franken, eine Anlage mit Schranke gar fast das Doppelte. «Wir müssen also abwägen, ob eine so teure Installation verhältnismässig ist für einen nicht befahrbaren Übergang.»

Beim Güterbahnhof komme die geplante Verlegung der Gleise auf die Nordseite hinzu. Die Appenzeller Bahnen hoffen, in fünf Jahren grünes Licht für das Projekt zu erhalten, das derzeit zusammen mit einer Kostenschätzung von Ingenieuren ausgearbeitet wird. In diesem Fall würden die heutigen Gleise abgebaut, womit sich neue Möglichkeiten für den Langsamverkehr ergäben.

«Aus unserer Sicht wäre es nicht verhältnismässig, viel Geld in eine provisorische Lösung zu investieren», sagt Liniger. Aus all diesen Gründen hätten die Appenzeller Bahnen in Absprache mit der Stadt entschieden, die Übergänge im Güterbahnhof zu schliessen. «Wir sind der Ansicht, dass der Umweg über die Oberstrasse eine akzeptable Alternative ist.»

Einsprache hängig

Das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen. Derzeit ist eine Einsprache des Quartiervereins gegen die Schliessung der Bahnübergänge beim Bundesamt für Verkehr hängig, ebenso eine Eingabe des Quartiervereins an den Stadtrat. Und Stadtparlamentarierin Barbara Frei (FDP) hat eine Einfache Anfrage zum Thema eingereicht.

Inzwischen sind die meisten der selbstgebastelten Andreas-Kreuze des Quartiervereins von den Appenzeller Bahnen entfernt worden. Der Widerstand aber bleibt. Alfred Mallepell kündigt an, weiterhin für die Öffnung der Bahnübergänge zu kämpfen. Und er hofft auf Unterstützung der Stadt. «Sie kann nicht im Mobilitätskonzept von der Förderung des Langsamverkehrs sprechen, aber die Schliessung einer so wichtigen Verbindung aus dem Quartier zum Stadtzentrum und zum Veloweg zulassen.»

Einer der gesperrten Fussgängerübergänge an den Gleisen der Appenzeller Bahnen im Güterbahnhof. (Archivbild: Reto Voneschen)

Einer der gesperrten Fussgängerübergänge an den Gleisen der Appenzeller Bahnen im Güterbahnhof. (Archivbild: Reto Voneschen)

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