Blick über den Tellerrand

ST.GALLEN. Der Kanton St.Gallen und die tschechische Region Liberec arbeiten seit 25 Jahren zusammen – und sie wollen es auch künftig tun. Das Programm für die nächsten drei Jahre steht.

Regula Weik
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Publikum im Konzertlokal Kino Varsava in Liberec – das erst halbwegs renovierte Pendant zum St.Galler Palace. (Bild: Varsava)

Publikum im Konzertlokal Kino Varsava in Liberec – das erst halbwegs renovierte Pendant zum St.Galler Palace. (Bild: Varsava)

Der Wunschzettel der Liberecer für die künftige Zusammenarbeit war lang: Vergabeverfahren, Abfallwirtschaft, Bergrettung, Raumplanung, Vermarktung regionaler Produkte. Bauchef Willi Haag – er ist das St.Galler Regierungsmitglied mit der längsten Liberec-Erfahrung – nahm die Ideen im Frühling in Liberec entgegen. Und auch er hatte einen Wunsch: Inhalte und Ziele der einzelnen Projekte sollten früher konkret festgelegt werden – denn der Vorbereitungsaufwand für die involvierten Ämter und Institutionen sei zeitintensiv, so Haag.

Nun stand der Gegenbesuch an. Rasch waren sich St.Galler und Liberecer einig, dass sie die künftigen Programme von heute zwei auf neu drei Jahre ausdehnen wollen. «Das mindert den Zeitdruck für alle Beteiligten», sagt Haag. So dauert das nächste Umsetzungsprogramm – es ist bereits das achte – von 2016 bis 2018.

Auf die Frage, ob die Zusammenarbeit dadurch nicht an Intensität verliere, meint Haag: «Ein gewisses Risiko besteht.» Doch der Austausch im Rahmen der einzelnen Projekte werde deswegen nicht weniger intensiv sein, ist Haag überzeugt. Ebenso klar ist: Die beiden Regierungen treffen sich mit der neuen Regelung weniger häufig.

Gleiche Themen und Fragen

Während ihres Besuchs in St.Gallen liessen sich die Liberecer unter anderem über das Projekt «Smart City St.Gallen» orientieren, ein Entwicklungskonzept für Städte mit dem Ziel: hohe Lebensqualität bei gleichzeitig tiefem Ressourcenverbrauch. Der St.Galler Stadtrat Peter Jans twitterte nach dem Besuch: «Mit einer Delegation aus Liberec Themen um Energiekonzept und Smart City diskutiert. Ein Blick über den Tellerrand.»

Beim vorgängigen Arbeitstreffen hatten die beiden Regierungen gemeinsame Projekte in den Bereichen Raumplanung, Verkehr, Umwelt, Bildung, Gesundheit, Kultur und kommunale Selbstverwaltung beschlossen. Nach konkreten Fragestellungen gefragt, meint der Bauchef: «Sie sind zum Teil exakt dieselben – in St.Gallen wie in Liberec.» Etwa bei der Raumplanung. Auch in der Region Liberec würden der Umgang mit Boden, die Entwicklung und Verdichtung von Siedlungen, die Auswirkungen der demographischen Entwicklung auf die Siedlungsstrukturen diskutiert.

Für die im Kanton anstehende Debatte zu diesen Themen wird der Bauchef kaum neue Erkenntnisse gewinnen; dafür ist die Zeit zu knapp – die Richtplan-Abstimmung findet bereits Mitte November statt. Dennoch ist für Haag unbestritten, dass heute beide Partner vom Austausch profitierten.

Austausch auf Gemeindeebene

Beide Regierungen haben laut Haag eine Hausaufgabe mit auf den Weg bekommen: Sie sollen prüfen, ob künftig auch ein direkter Austausch auf Gemeindeebene stattfinden soll.