Blick hinter Schlossgemäuer

GOSSAU. Ein Rundgang durchs Schloss Oberberg: Das wird Interessierten unter fachkundiger Führung neu ermöglicht. Erster Schlossführer ist Norbert Hälg im November. Weitere Führungen folgen.

Rita Bolt
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Der Gerichtssaal, der heute auch für Bankette genutzt wird. (Bild: Reto Martin)

Der Gerichtssaal, der heute auch für Bankette genutzt wird. (Bild: Reto Martin)

Schloss Oberberg – das Wahrzeichen von Gossau. Es wurde in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts durch die Meier von Oberdorf erbaut und gelangte 1490 in den Besitz des Klosters St. Gallen. Es war der Sitz der äbtischen Obervögte. Eine bewegte Geschichte folgte. 1924 wurde die Genossenschaft Schloss Oberberg gegründet, diese kaufte das Schloss für 20 000 Franken einem privaten Besitzer ab. 1999 wurde die Genossenschaft in einen Förderverein umgewandelt. Eines seiner Ziele ist es, dass die Schlossliegenschaft für die Öffentlichkeit zugänglich bleibt.

Der Förderverein macht nun Nägel mit Köpfen: Eine erste offizielle Führung durch die Schlossgemäuer findet am Sonntag, 7. November, 11 Uhr, statt. Schlossführer ist Norbert Hälg, Vizepräsident des Fördervereins Schloss Oberberg. Er weiss, wie auf dem Schloss gelebt wurde, weiss aber auch, wie Burgen und Schlösser entstanden sind und welche Funktion und Bedeutung das Schloss Oberberg im Fürstenland hatte und hat. «Wir wollen nicht nur nehmen, sondern auch geben», sagt Hälg. Damit spreche er die Gelder an, die der Förderverein von der Stadt Gossau bekommen habe.

Die zweite Schlossführung ist auf den 16. Januar anberaumt und wird von Karl Schmuki durchgeführt.

Unterhaltskonzept erarbeiten

Der Förderverein ist nicht nur Eigentümer der Schlossliegenschaft Oberberg, sondern auch der Ruine Helfenberg. Allerdings verfügt er nicht über grosse Schätze. Trotzdem müssen immer wieder Instandstellungsarbeiten an der Ruine und vor allem am und im Schloss vorgenommen werden.

Die Kühlräume seien in einem schlechten Zustand gewesen und hätten erneuert werden müssen, sagte Albert Lehmann, Präsident des Fördervereins, an der Hauptversammlung vom Donnerstag im Fürstenlandsaal. In Arbeit sei ein Unterhaltskonzept für das Schloss. «Ziel ist es, den Zustand des Gebäudes und der technischen Einrichtungen zu erfassen, um den Finanzbedarf für Unterhalt und Erneuerung in den kommenden Jahren zu erfahren», sagte Lehmann weiter.

Dieser Finanzbedarf sei – wie es bei sehr alten Häusern normal sei – sehr gross, und die Erschliessung zusätzlicher Einnahmequellen für die zukünftige Entwicklung ein Muss. Ein Weg dazu sei die Erweiterung des Mitgliederkreises. Der Förderverein zählt etwa 300 Mitglieder. In der Rechnung schlagen die Mitgliederbeiträge mit 33 950 Franken zu Buche. Im Budget 2010/2011 sind solche von 32 000 Franken veranschlagt. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 173 600 Franken.

Nachfolge für Pächterpaar

Der Förderverein beschäftigt sich aber nicht nur mit dem Unterhalt des Schlosses. Gelöst werden muss die Pächter-Frage. Monica und Peter Ruckstuhl haben den Pachtvertrag nach 15 Jahren gekündigt. Sie werden das Schloss Ende März 2011 verlassen. Gesucht werde nicht einfach irgendein Pächter oder -eine Pächterin, sagte Albert Lehmann. «Sondern wird wünschen uns eine langfristige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit den neuen Betreibern.

» Das Schloss biete mit seinen historischen Räumen und dem Umgelände eine Vielzahl möglicher Nutzungen. «Entsprechend offen sind wir auch beim Konzept.» Das Bewerbungs- und Auswahlverfahren laufe. Der Vorstand hoffe auf einen nahtlosen Übergang.