Bitterböse Seitenhiebe

GOSSAU. Gossaus ereignisreiches Jahr lassen die drei einheimischen Schnitzelbänggler mit viel Witz und träfen Sprüchen Revue passieren. Für die «Wäspi» ist es die letzte Fasnacht.

Marion Loher
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Für die Gossauer Schnitzelbänggler war es sicherlich auch schon schwieriger, genügend lokalen Stoff für die fasnächtlichen Seitenhiebe zu finden. Doch vergangenes Jahr war ein gutes Jahr – für die Schnitzelbänggler. Ihnen wurde mit dem Solardebakel, den Sparmassnahmen oder der geplatzten Fusion mit Flawil und Degersheim reichlich Material geliefert. Ein Steilpass, den die drei einheimischen und die auswärtigen Gruppen gewohnt frech und pointiert zu verwerten wussten. Und so gab es am Mittwochabend, auf der ersten von drei Beizentouren, im Restaurant Egli viel zu lachen für das Publikum.

Stadtrat, Mörgeli und Vujo

Eine der drei Gossauer Schnitzelbänggler sind «Die drey Richter». Sie feierten vergangenes Jahr Premiere. Ihre scharfzüngigen Lästereien, vorgetragen im Basler Dialekt, bescherten ihnen auch heuer wieder viel Applaus. Der Stadtrat hoffe, witzelten die drei, dass man im St. Galler Bohrloch «nit finde, und würd denn d'Solarverträg im Loch grad lo verschwinde». Sie nahmen aber nicht nur die lokale Prominenz aufs Korn, sondern auch «Mörgeli und seine Sörgeli» sowie Bachelor Vujo und dessen Sprache. «Das deent jo wirklig krass, dä soll vo vorne-n-afo mit der erschte Klass».

Die wahren Gründe

Einen Spartip für den Gossauer Stadtrat gab es vom St. Galler Schnitzelbänggler «Gallomisto»: «Alles halbieren, vom Solarpreis bis zum Stadtrat.» Ihren Senf zu den Sparbemühungen der Stadt gaben auch die einheimischen «Zwei Räppler» dazu. Und das in ihrem berühmt-berüchtigten Mix aus Sprechgesang und Bilderrätseln. Sie würden den «wahren Grund» für die anfänglich geplante Reduzierung des Winterdienstes kennen, behaupteten die beiden. «De Alex hät in Skinachwuchs investiert, mit da Schneerümig am siebni het dä Ralph Weber en Abfahrtsspur kriegt.»

Adieu «Wäspi»

Etwas Wehmut wehte beim Auftritt der «Wäspi» mit. Nach zwölf Jahren fahren die vier Schnitzelbängglerinnen an dieser Fasnacht zum letztenmal ihren Stachel aus und stechen zu. Und das taten sie am Mittwochabend in gewohnt bissig-böser «Wäspi»-Manier. Niemand war vor ihnen sicher. Weder die lokale noch die nationale oder internationale Politik oder Prominenz. So kamen unter anderem die NSA, Karl Dall und der Gossauer Stadtrat nicht ungeschoren davon. Letzterer für das Sparen beim Winterdienst. Die «Wäspi» empfahlen: «Nehmt bei Glatteis den eigenen Salzstreuer mit.» Ihr gelb-schwarzes pointiertes Gift wird der Gossauer Fasnacht fehlen.

Heute, 20 Uhr, sind die Schnitzelbänggler im «Kollers», im «Toggi» und im Zoo-Restaurant zu sehen, am Montag in der «Sonne», 19 Uhr, und im Pauluszentrum, 20 Uhr.

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