«Bis die Hände anfangen zu zittern»

Seit 25 Jahren lassen Herren bei ihm Haare: Coiffeur Köbi ist einer der letzten klassischen Herrencoiffeure der Stadt. Er blickt auf ein «schnell vergangenes» Vierteljahrhundert zurück.

Dominik Bärlocher
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Persönlichkeit: Köbi Köppli im Coiffeursalon an der Rosenbergstrasse. (Bild: Dominik Bärlocher)

Persönlichkeit: Köbi Köppli im Coiffeursalon an der Rosenbergstrasse. (Bild: Dominik Bärlocher)

Am ersten Juni 1985 stand er zum ersten Mal in seinem Salon, heute ist er immer noch dort und schneidet den Herren in der Stadt St. Gallen die Haare: Köbi Köppli ist der Chef und einzige Angestellte des «Coiffeur Köbi». Der mittlerweile 57jährige Köbi wollte vor einem Vierteljahrhundert einen Laden in der Stadt St. Gallen eröffnen, daher hat er ein Inserat aufgegeben. «Ich habe in St. Gallen meine Lehre gemacht und hier erste Arbeitserfahrungen gesammelt. Mir war klar, dass ich hier arbeiten will», sagt er.

So kam er an die Rosenbergstrasse 60. Mittlerweile nennen seine Kunden ihn und seinen Laden eine «liebenswürdige Institution».

«Meine Kunden kommen aus allen Schichten, vom Büezer bis zum HSG-Professor habe ich schon allen die Haare geschnitten», sagt Köbi. Der bekennende ZZ-Top-Fan selbst hat lange Haare und einen gut gepflegten Bart: «Den habe ich mir zum 40. Jubiläum des Woodstock-Festivals wieder wachsen lassen», sagt er.

An seinem Gurt hängen Schere und Bürste, und auf die Frage, wie er die letzten 25 Jahre empfunden habe, antwortet Köbi: «Die Zeit ging schnell vorbei.»

Kultige Säule vor dem Laden

Vor seinem kleinen Geschäft hat Köbi eine traditionelle Barbier-Säule aufgestellt, eingerahmt von einer Rasierklinge: «Die Säule sieht man immer in alten Filmen und Western», sagt Köbi.

Die Säulen haben in der Welt der Barbiere eine lange Tradition, daher hat sich Köbi eine Säule anfertigen lassen.

Das Innere des Salons mit zwei Sitzen ist ganz nach Köbis Geschmack eingerichtet: Beatles-Memorabilia, Route-66-Schilder und ein Motorradtank mit einem Drachenmotiv in Airbrush darauf. «Das ist mein Geschäft, daher habe ich meine Persönlichkeit einfliessen lassen», sagt Köbi. Aus den Boxen klingt klassische Rockmusik. Musik aus seiner Jugendzeit, wie Köbi sagt.

«Je nach Kunde drehe ich die Musik auch etwas runter», lacht er.

Kein Ende in Sicht

«Ohne meine Stammkunden wäre ich bereits nicht mehr hier. Sie haben meinen Dank verdient», sagt Köbi. Nur einmal wackelte die Zukunft des kleinen Geschäfts: «Als das Haus 1994 verkauft wurde, musste ich beinahe ausziehen», sagt Köbi. Doch sei er ja noch da, fügt er hinzu.

Er schneidet weiterhin Herren – er ist einer der wenigen reinen Herrencoiffeure in Stadt – ohne Voranmeldung die Haare. «Ich höre erst auf, wenn es mir langweilig wird oder meine Hände anfangen zu zittern», sagt Köbi lachend.