Bis der Space Roller rollt

Der Aufbau des Frühlingsjahrmarktes hat begonnen. Bis die Zuckerwatten über den Ladentisch gehen und die Gondeln durch die Luft schwingen, haben die Bahnenbetreiber noch einiges zu tun – und mit manch einer Panne zu kämpfen. Ein Augenschein auf dem Spelteriniplatz.

Drucken
Teilen
Schleppen, schrauben, schieben: Jean-Marc Jolliet (Bild Mitte links) und seine Berufskollegen haben beim Aufbau des Jahrmarktes alle Hände voll zu tun. (Bilder: Ralph Ribi)

Schleppen, schrauben, schieben: Jean-Marc Jolliet (Bild Mitte links) und seine Berufskollegen haben beim Aufbau des Jahrmarktes alle Hände voll zu tun. (Bilder: Ralph Ribi)

Auf dem Spelteriniplatz rattern die Lastwagenmotoren und klimpern die Hämmer. Marktpolizist Alfred Leuzinger zählt seine Schritte ab und markiert mit Kreide die Standorte für Geisterbahn, Gruselschiff und Karussell. So, dass sie alle am Frühlingsjahrmarkt, der nächsten Mittwoch beginnt, ihren Platz finden.

Das lange Warten auf den Strom

Gerade biegt der Transporter mit den Riesenradgondeln auf den Platz ein. Daneben stapeln sich auf vier Lastwagen die Einzelteile des Space Rollers: Holzplatten, Stahlträger, Lämpchen. Jean-Marc Jolliet, der die Bahn betreibt, gestikuliert nervös. «Wer hat den Batterielader abgehängt? Muss ich nun jeden Schraubenzieher einzeln zählen?», schnaubt er mit französischem Akzent in sein Handy. Der Apparat, von dem er spricht, koste immerhin 600 Franken. Doch Zeit, sich aufzuregen, hat der Mann aus La Chaux-de-Fonds mit Latzhose und Sonnenbrille eigentlich nicht. Er hängt sich eine Fernbedienung für den Lastwagenkran um und gibt Nelut und Gabriel, seinen zwei rumänischen Handwerkern, Regieanweisungen: «Einundzwanzig Loch für die Kette» zum Beispiel, und «Achtung, weg da!». Wenn Nelut nicht versteht, übersetzt Gabriel, quittiert jede Anweisung mit «Ja, Chef». «Schweizer Handwerker sind schwierig zu finden. Ihnen wäre diese Arbeit zu unbequem», sagt Jolliet. Es ist heiss, der Himmel wolkenlos. Jetzt müssen die Stützpfeiler der Bahn angeschraubt werden. Jeder einzelne wiegt eineinhalb Tonnen, sagt Jolliet. Dann klettert er die Leiter zum Stromkasten hoch. Zwei Elektromonteure der Stadtwerke haben nach dem Zählerstand gefragt. «Ich mogle nicht», ruft Jolliet von der Leiter. Die Monteure nehmen es gelassen: «Viele Bahnenbetreiber sind nervös. Jeder braucht sofort Strom», sagt der eine, bevor er die nächste kleine Panne entdeckt. Die Kabel des Space Rollers sind verkehrt angeschlossen. «In Zürich hat es geklappt», ruft Jolliet. Auch hier klappt es nach einigen Minuten. Die Elektromonteure ziehen weiter zu den Wohnwagen, «damit die Schausteller heute abend fernsehen können».

Drei Tage für den Aufbau

Im Candy Land Café, der Bude nebenan, läuft bereits Musik. Die Lebkuchenherzen hängen verkaufsbereit an der Wand. Ein übergrosses Bierglas wird auf das Dach gehievt, weckt Durst. Doch an Pause denken Jolliet und seine Handwerker noch nicht: «Unter die angeschraubten Stützpfeiler kommen Holzplatten. Danach bauen wir die Rückwand auf, die Lämpchen und klappen die Hauptarme der Bahn auf.» Drei Tage dauert es, bis der Space Roller steht. An 13 weiteren Messen wird die 85 Tonnen schwere Bahn mit den sechs Armen dieses Jahr ihre Zuschauer durch die Luft schwingen.

Ein Glück, dass Jean-Marc Jolliet ein erfahrener Bahnenbetreiber ist: «Oh là là, ich mach das schon so lange», sagt er. Sein erstes Geschäft war ein Kinderkarussell 1991. St. Gallen besucht der 48-Jährige zum erstenmal. «Die Bratwurst kenne ich, die Stadt noch nicht.» Ein Mann in Harley-Davidson-Montur unterbricht ihn. «Ça va?», ruft dieser ihm zu, um gleich darauf in breitem Zürichdeutsch weiterzufahren. Er sei der Herr Wipf und in drei Wochen mit dem Circus Knie auf diesem Platz. Unterdessen haben Nelut und Gabriel alle vier Stützpfeiler montiert. Teile des Riesenrads ragen in die Höhe, die Autoscooter warten gestapelt darauf, auf die Fahrbahn gelotst zu werden.

Moldawischer Reisecar blockiert Arbeit

Weniger reibungslos verläuft der Aufbau der Top Spin. Wo bald die violetten Sitzreihen drehen sollten, steht seit dem frühen Morgen ein moldawischer Reisecar. Wieder ist Marktpolizist Leuzinger an Ort und Stelle. «Abschleppen wird schwierig», sagt er und braust auf dem Roller davon. Und der Space Roller, der wird jetzt in die richtige Position gebracht. Jolliet kniet mit der Wasserwaage unter der Bahn. Das Candy Land Café schliesst seine Läden bereits zum erstenmal. Der Betreiber bringt Coca-Cola vorbei. Endlich gönnen sich Jolliet und sein Team eine Pause – wenn auch nur eine kurze. Janina Gehrig

Aktuelle Nachrichten