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Bis der letzte Charme schwindet

In den vergangenen Jahren hat sich kaum ein Quartier so verändert wie jenes hinter dem Hauptbahnhof. Nun werden verstärkt Misstöne über die dortige Stadtentwicklung laut. Städtebauexperte Peter Röllin geht ihnen auf den Grund.
Christina Weder
Eine ungewohnte Sicht aufs spanische Klubhaus und die Fachhochschule: Hinter dem neuen Schulgebäude KV Ost (rechts) wird parkiert. (Bilder: Ralph Ribi)

Eine ungewohnte Sicht aufs spanische Klubhaus und die Fachhochschule: Hinter dem neuen Schulgebäude KV Ost (rechts) wird parkiert. (Bilder: Ralph Ribi)

Um es vorwegzunehmen: Der Kultur- und Kunstwissenschafter Peter Röllin hat einen Wandel hinter dem Hauptbahnhof immer befürwortet. Und er hat gehofft, dass sich dieser belebend auf das Quartier auswirkt.

Er trifft an diesem Nachmittag mit dem Zug in St. Gallen ein, um einen Augenschein im Quartier zu nehmen, aus dem verstärkt Misstöne zu vernehmen sind. Der Quartierverein Rosenberg hat sein Unbehagen über die dortige Stadtentwicklung geäussert (Tagblatt vom 5. April). Auch die Fachhochschule (FHS) sieht Verbesserungspotenzial.

«Eine beispiellose Kälte»

Der gebürtige St. Galler Peter Röllin lebt seit über 40 Jahren in Rapperswil, verfolgt aber die Entwicklung in seiner Heimatstadt aus persönlichem und beruflichem Interesse mit. Den Bau der FHS in direkter Bahnhofsnähe hat er unterstützt – nicht zuletzt vor dem eigenen Erfahrungshintergrund. Er war 22 Jahre lang Dozent für Kultur-, Architektur-, Städtebau- und Technikgeschichte an der Hochschule für Technik in Rapperswil, die ebenfalls beim Bahnhof liegt.

Als Röllin aus der Unterführung zum Vorplatz der FHS hochsteigt, spürt auch er das Unbehagen, das der Quartierverein geäussert hat. Die Fachpresse sei zwar voll des Lobes für den Bau aus dem Zürcher Architekturbüro Giuliani Hönger. «Doch im Gegensatz zur feinen Bibliothek im Innern herrscht rundherum eine beispiellose Kälte», findet er. Der Vorplatz gleiche einer seelenlosen Anlieferungsrampe. «Es fehlen noch die Putzroboter.» Nur ein Kopfschütteln hat er dafür übrig, dass die Aussenbestuhlung der Cafeteria Gleis 8 noch immer auf der schiefen Asphaltfläche steht. Auch die Rückseite der FHS an der Rosenbergstrasse kommt in seinem Urteil nicht gut weg: «Hier geht niemand gern entlang.»

Für Röllin ist klar, was dem Quartier zunehmend abhanden kommt: «Die frühere Durchmischung und vielfältige Nutzung.» Büro- und Schulbauten verdrängen den Wohnraum. «Nach Schulschluss hält es niemanden im Quartier – abgesehen von den Besuchern der bereichernden Lokremise.»

Schönstes Haus muss weichen

Ein Stückchen Charme hat sich das Quartier zwischen der Tulpen- und der Klubhausstrasse bewahrt. Hier dringt Röllin ins Herz des Quartiers vor, entdeckt ein Stück altes Kopfsteinpflaster und kommt in einem Hinterhof ins Schwärmen: Die älteren Bauten seien zwar nicht alle schützenswert, «aber sie haben Charme und bilden einen Gegenpol zum streng modularen Raster der FHS». Er hält das Nachbargebäude des spanischen Klubhauses an der Lagerstrasse 10 für schützenswert mit seiner Metallwerkstatt im Parterre. «Das war früher die Regel: Unten hat man gearbeitet, oben gewohnt.»

Doch die Tage dieses Gebäudes sind ebenso gezählt wie jene des spanischen Klubhauses. Beide sollen einem Bürogebäude weichen. Röllins Urteil: «Quartierstrukturen und Nischen für eine lebendige Stadt werden hier regelrecht entsorgt.» Die Folge sei ein seelenloses Büroquartier. Im Rückblick, so findet er, hätte man sich für die alten Backstein-Lagerhäuser wehren müssen, an deren Stelle das Schulgebäude KV Ost gebaut wurde. «Sie hätten Raum für die nun fehlende Mischnutzung geboten.»

Mehr Engagement erwartet

Für Peter Röllin ist klar: Die Stadt hätte sich aktiver für eine «hochwertige und quartiernahe Bebauung» engagieren müssen. Aus seiner Sicht hätte sie von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch machen können – etwa im Fall des spanischen Klubhauses –, und sie hätte an dieser zentralen Lage Architekturwettbewerbe fordern müssen, so wie dies der Kanton bei der FHS getan habe.

Auch an der Bahnhofvorfahrt Nord übt er Kritik: «Es erweist sich nun als Fehler, dass sie in den Untergrund geleitet wird.» Aus Röllins Sicht hätte sich ein oberirdischer Bring- und Abholdienst mit Bar und Kiosk an der Lagerstrasse angeboten. Das hätte das Quartier neu belebt: «Das Warten, Plaudern und Abschiednehmen.» Und so endet der Quartierspaziergang mit Peter Röllin dort, wo er begonnen hat, auf dem Asphalt der FHS.

Das spanische Klubhaus und sein Nachbargebäude sollen weichen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Das spanische Klubhaus und sein Nachbargebäude sollen weichen. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Auf der «Anlieferungsrampe»: Der asphaltierte Vorplatz der FHS. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Auf der «Anlieferungsrampe»: Der asphaltierte Vorplatz der FHS. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Das Schulgebäude KV Ost erhebt sich anstelle der alten Lagerhäuser. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Das Schulgebäude KV Ost erhebt sich anstelle der alten Lagerhäuser. (Bild: Ralph Ribi (Ralph Ribi))

Peter Röllin Kultur- und Kunstwissenschafter, Rapperswil (Bild: pd)

Peter Röllin Kultur- und Kunstwissenschafter, Rapperswil (Bild: pd)

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