Birkhuhn und Feldhase schützen

Die Umweltverbände Pro Natura und WWF fordern, dass Feldhase und Birkhuhn in der Jagdvorschrift des Kantons St. Gallen nicht mehr als jagdbar aufgeführt sind. Sie stehen auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten.

Nina Rudnicki
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ST. GALLEN. Weil Feldhase und Birkhuhn auf der roten Liste der gefährdeten Tierarten stehen, sollen sie künftig in den Jagdvorschriften des Kantons St. Gallen nicht mehr unter den jagdbaren Tieren aufgeführt sein. Das fordern die Umweltverbände Pro Natura und WWF im Zusammenhang mit der Revision des kantonalen Jagdgesetzes (siehe Kasten).

Martin Zimmermann, Geschäftsführer des WWF St. Gallen, sagt: «Wie die Jagdstatistik 2010 aus dem Kanton St. Gallen zeigt, wurden kaum noch Feldhasen abgeschossen. Daher ist es nur logisch, diese direkt in der Jagdverordnung als nicht jagdbar aufzuführen.» Insgesamt 33 Feldhasen wurden im vergangenen Jahr erlegt. Weitere 32 Feldhasen sind als Fallwild aufgeführt, was bedeutet, dass sie entweder eines natürlichen Todes gestorben sind oder etwa von einem Auto überrollt wurden.

Bei den Birkhühnern gibt es laut Markus Brülisauer, Bereichsleiter Jagd im Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF), sogar nur einen Abschuss im letzten Jahr. «Natürlich ist die Argumentation der Naturschutzorganisationen nachvollziehbar», sagt Brülisauer. «Was sowieso kaum noch geschossen wird, könnte auch direkt verboten werden.» Aber der Jagd gehe es nicht nur um das Abschiessen, sie trage auch Verantwortung für gesunde und nachhaltig genutzte Tierpopulationen.

Wildhüter Peter Eggenberger aus Grabs beurteilt ein allfälliges Verbot ebenfalls als «schwierig». «Wenn eine Tierart als nicht jagdbar gilt, dann gibt es auch niemanden, der sich um diese Tierart bemüht und kümmert», sagt er. Als Jäger sei man daran interessiert, dass es von einer Tierart, die man schiessen dürfe, eine gesunde Population gebe. «Ausserdem verzichten die meisten Jäger, die ich kenne, sowieso freiwillig darauf, einen Feldhasen oder einen Birkhahn zu erlegen», sagt er.

Intensive Landwirtschaft

Wie kann es aber überhaupt sein, dass ein Tier als jagdbar gilt und zugleich auf der roten Liste der gefährdeten Arten aufgeführt ist? «Das erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich», sagt Brülisauer. Aber der Feldhase gelte nach Bundesgesetz über die Jagd und den Schutz wildlebender Säugetiere und Vögel als jagdbar. Zudem mache die rote Liste verschiedene Abstufungen der Gefährdung. Die Jagd sei nicht die Ursache eines guten oder schlechten Bestandes. Entscheidend seien andere Faktoren wie die Anzahl der natürlichen Feinde, das veränderte Klima, Krankheiten oder die intensivierte Landwirtschaft.

Das bestätigt auch ein Blick auf die Homepage des Bundesamtes für Umwelt (Bafu). Dort heisst es bezüglich des Feldhasen, dass sich der Bestand fast durchwegs auf einem kritisch tiefen Niveau befinde. Hauptursache dafür sei die intensivierte Landwirtschaft, die den Lebensraum beeinträchtige, nicht aber die Bejagung. Der Feldhase brauche nämlich grosse Gebiete mit leichten Böden, einer vielfältigen Landwirtschaft und einer hohen Heckendichte. Wildhüter Peter Eggenberger: «Wir beobachten den Feldhasenbestand in unterschiedlichen Gebieten, zum einen in den zwei ökologisch aufgewerteten Gebieten Bannriet und Saxerriet im Rheintal.» Dort hat der Bestand laut Eggenberger in den letzten Jahren markant zugenommen. Mindestens zehn Hasen pro Quadratkilometer seien dort in diesem Jahr gezählt worden. Als Gegenbeispiel nennt Eggenberger ein intensiv landwirtschaftlich genutztes Gebiet bei Kriessern, wo es kaum noch Feldhasen gibt.

Über der Waldgrenze

Auch der Lebensraum des Birkhuhns, das auf subalpinen Zwergstrauchheiden an der oberen Waldgrenze lebt, wird zunehmend eingeschränkt. Die Bestände gehen gesamtschweizerisch kontinuierlich zurück.

Schuld daran seien etwa die Ausdehnung von Skigebieten oder Sportarten wie das Variantenskifahren, wie das Bafu schreibt. Durch die Bejagung werde zudem das Geschlechterverhältnis zuungunsten der Hähne verändert. In St. Gallen trifft dies laut Brülisauer nicht zu, zumal der eine geschossene Hahn pro Jahr keinerlei Auswirkungen auf den Bestand habe. Wegen seines schönen Federkleids gilt dieser manchem Weidmann als Jagdtrophäe.

Bild: Waldesigner

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