BILDUNG: Ein Oscar für die Lehrer

Die Kantonsschule am Brühl hat 54 Absolventinnen und Absolventen der Fach­matura Pädagogik gefeiert. Das Motto der Klassenproduktionen: «Lehrer-Oscar-Night».

Claudia Schmid
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Die Diplomandinnen in edlen Roben – wie die Filmstars an der Verleihung der Oscars in Los Angeles vor einer Woche. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Diplomandinnen in edlen Roben – wie die Filmstars an der Verleihung der Oscars in Los Angeles vor einer Woche. (Bild: Hanspeter Schiess)

Claudia Schmid

stadtredaktion@tagblatt.ch

Rektor Mathias Gabathuler gratulierte den Schülerinnen und Schülern zu ihrer Fachmatura. Manchmal verstehe er nicht so ganz, weshalb die jungen Leute Hosen mit Rissen tragen würden, erklärte er in seinen Begrüssungsworten. Doch vermutlich habe es damit zu tun, dass man in der heutigen Zeit viel zu sehr nach Perfektionismus strebe. Alles sei auf Evidenz ausgerichtet. «Da braucht es Kontrapunkte. Die Risse stehen so vielleicht als Gegenpol zum allzu Perfekten.» Auch das Leben sei nicht immer makel- und fehlerlos. Gerade das aber mache die Farbigkeit aus.

Neben Klassenproduktionen mit Musik, Gesang, Tanzdarbietungen und Filmvorführungen standen auch Nominierungen auf dem Programm der Abschlussfeier, die in der Aula des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums (GBS) im Riethüsli stattfand. Die Schülerinnen und Schüler verteilten unter den Lehrpersonen sechs Oscars. Kevin Kaiser erhielt ihn für die beste Musik, Guido Bannwart für das beste Farbgespür bei der Bekleidung, Angelika Wessels als grösster Alpstein-Fan, Benedict Grupp für die grösste Style-Verwandlung, Michael Schläpfer für das beste Lachen und Andreas Wittwen für den lehrreichsten Unterricht an der Kantonsschule.

Die Schülerinnen und Schüler mit den besten Noten erhielten keine Oscars, sondern Gutscheine vom Ehemaligenverein. Bianca von Schulthess aus der Stadt St. Gallen erreichte bei der Fachmaturaprüfung einen Notendurchschnitt von 5,2 und erhielt für ihre Fachmaturaarbeit die Höchstnote 6. Mit einer Primarschulklasse hatte sie das Stück «Nature» einstudiert und inszeniert. Marielle Stähli aus ­Zuzwil schloss die Prüfungen mit einer 5,1 ab und Tabea Michel aus Goldach mit einer 5,0. Nina Timmermanns aus Staad erhielt für ihre Fachmaturaarbeit ebenfalls die Höchstnote. Sie hatte Kindergartenkinder mit viel Feingefühl porträtiert.

Männer ganz klar in der Unterzahl

Die Fachmatura Pädagogik scheint vor allem bei Frauen beliebt zu sein. Unter den 54 jungen Menschen, die das Diplom erhielten, waren nur gerade vier Männer. Die Fachmittelschule der Kantonsschule am Brühl St. Gallen bietet sechs Berufsfelder an: Gesundheit, Soziales, Pädagogik, Gestalten, Musik sowie Kommunikation und Information. Schülerinnen und Schüler entscheiden sich vor Beginn der Ausbildung für ein Berufsfeld. Während der Ausbildung wählen sie, ob sie ausschliesslich den Fachmittelschulausweis oder zusätzlich die Fachmaturität anstreben. Die Ausbildung bis zum Fachmaturitätsausweis Pädagogik dauert vier Jahre.

Um mit der Fachmaturität ­Pädagogik in die Pädagogische Hochschule eintreten zu können, besuchen die Schülerinnen und Schüler nach den Herbstferien im vierten Jahr zuerst zwei Input-Wochen und absolvieren dann ein dreiwöchiges Praktikum im Kindergarten oder in der Primarschule. Nach dem Praktikum und einer Auswertungswoche beginnt der Unterricht in zusätzlicher Allgemeinbildung.