Bilder wandern durch die Stadt

Die Ausstellung «Melonenstrasse» in der Sattelkammer des Dachateliers beginnt morgen mit einem ungewöhnlichen Spaziergang: 20 Künstlerinnen und Künstler treffen sich im Bleicheli und bringen ihre Bilder zu Fuss ans Ziel.

Roger Berhalter
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Die Künstlerinnen Harlis Schweizer, Fabienne Lussmann und Brigitte Keller (von links) sind bereit für den morgigen Bilderspaziergang. (Bild: Ralph Ribi)

Die Künstlerinnen Harlis Schweizer, Fabienne Lussmann und Brigitte Keller (von links) sind bereit für den morgigen Bilderspaziergang. (Bild: Ralph Ribi)

Wer mit einer Leinwand unter dem Arm durch die Strassen spaziert, dem ist Aufmerksamkeit gewiss. «Es gibt immer Reaktionen, ob positive oder negative», sagt Harlis Schweizer von der künstlerischen Leitung des Dachateliers. Eine Künstlerin, die mit ihrem Werk im öffentlichen Raum unterwegs sei, löse Gesprächsstoff aus. Einmal habe sie in Zürich ihre Bilder zu Fuss von A nach B transportiert, erinnert sich Schweizer: «Einige Passanten hätten am liebsten grad angepackt und mir geholfen.»

Vom Bleicheli zum Dachatelier

Morgen Mittwoch, 18 Uhr, spazieren gleich 20 Künstlerinnen und Künstler mit ihren Bildern durch die Stadt. Die Wanderausstellung im wörtlichen Sinn beginnt auf dem Roten Platz im Bleicheli, wo die Künstler etwa eine halbe Stunde lang ihre Bilder präsentieren. Danach marschiert die Künstlerwandergruppe Richtung Neumarkt, und von dort die Teufener Strasse hinauf bis zur Sattelkammer im Dachatelier. «Erst wenn das letzte Bild dort aufgehängt ist, wird die Ausstellung eröffnet», sagt Harlis Schweizer.

Malen in der Öffentlichkeit

Den meisten der angefragten Künstler habe die Idee dieses ungewöhnlichen Spaziergangs sofort gefallen. Nur einer habe abgesagt, weil er nicht mehr so gut zu Fuss sei, und eine Künstlerin habe sich nicht derart öffentlich zeigen wollen. Brigitte Keller, die im Dachatelier tätig ist, hat hingegen keine Mühe: «Schon als Kind musste ich alles Mögliche im Bus durch die Stadt transportieren», sagt die Künstlerin und lacht. Auch Fabienne Lussmann, ebenfalls im Dachatelier zu Hause, ist sich als Künstlerin Öffentlichkeit gewohnt: «Ich bin oft draussen am Malen und Zeichnen. Viele Leute reagieren neugierig, gerade auch Kinder», sagt die St. Gallerin mit Appenzeller Wurzeln. Manchmal sei ihr die Ruhe im Atelier aber lieber.

Die Vernetzung bildlich zeigen

Der Flyer zur Ausstellung sieht aus wie ein Busfahrplan, und in Anlehnung an die Haltestelle vor dem Dachatelier heisst die Gruppenausstellung auch «Melonenstrasse» (siehe Kasten). «Wir wollen damit die Vernetzung bildlich darstellen», sagt Harlis Schweizer. Der «Fahrplan» zeigt also, was morgen passiert: Jeder Künstler verlässt sein Atelier mit seinem Werk und transportiert es mit dem öffentlichen Verkehr an denselben Ort: zum Roten Platz. «Die Künstler werden sozusagen selber zum Ausstellungsobjekt», sagt Schweizer.

Wann eine Ausstellung beginnt

Indem der Transport zur Performance wird, werfen die Beteiligten auch die Frage auf, wann eine Kunstausstellung beginnt: Schon im Atelier, beim ersten Pinselstrich? Oder im Austausch mit anderen, wenn man also über seine Kunst spricht? Oder erst an der Vernissage, wenn die Bilder unverrückbar in der Galerie hängen? Antworten gibt es ab morgen an der Zielhaltestelle Melonenstrasse.