Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BIERSTADT: Tag des Bieres: Sie brauen dort, wo Käse reift

Im Schatten der drei bekannten Brauereien von Gossau tüfteln drei Freunde an ihrem eigenen Bier. Und zwar in den Kesseln einer Käserei. Mit «Giz ais» haben sie Grosses vor. Und wollen trotzdem klein bleiben.
Noemi Heule
«Giz ais?», mit dieser Frage läuteten Marius Bettenmann, Stefan Amacker und Samuel Weishaupt (von links) jeweils die nächste Runde ein. Die Worte sind zur Marke geworden und prangen auf Planen, T-Shirts, Kappen und natürlich Bierflaschen. (Bild: Hanspeter Schiess)

«Giz ais?», mit dieser Frage läuteten Marius Bettenmann, Stefan Amacker und Samuel Weishaupt (von links) jeweils die nächste Runde ein. Die Worte sind zur Marke geworden und prangen auf Planen, T-Shirts, Kappen und natürlich Bierflaschen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Noemi Heule

noemi.heule

@tagblatt.ch

Drei Brauereien beherrschen den Gossauer Biermarkt: «Stadtbühler», «Freihof» und «Hopfen und Malz». In dieser Reihenfolge ordnen sie sich der Grösse nach ein, in dieser Reihenfolge sind sie entstanden. Am Rande dieses Dreiecks, dem «Biermuda», wie sie sich selber nennen, gibt es aber noch einen weiteren Mitstreiter. «Giz ais» heisst die Mikrobrauerei am Stadtrand.

«Giz ais» ist nicht nur kleiner, sondern auch jünger. Vor zwei Jahren entschieden drei Bekannte, ihr eigenes Bier zu brauen. Sie sind mittlerweile Mitte zwanzig und gute Freunde. Die Neulinge in der Gossauer Bierszene stehen auch räumlich abseits. An der Flawilerstrasse, zehn Gehminuten vom Backsteingebäude des «Freihofs» entfernt, steht die ­Käserei Niederdorf. Dort, wo ­Käselaibe im Keller reifen, tüfteln sie an der perfekten Rezeptur. Im Gegensatz zum grossen Bruder wenige hundert Meter entfernt, wird hier alles von Hand gemacht. Ein alter Chromstahlkrug genügt für 120 Liter Craft Beer.

Vom Käsen und Kochen zum Bierbrauen

«Käsen und Bierbrauen sind eng verwandt», sagt Stefan Amacker. Er lernte einst Mechaniker, ist heute Milchtechnologe und lässt sich, wie sein Vater, zum Käsermeister ausbilden. Statt Milchsäurebakterien sei beim Bierbrauen einfach Hefe am Werk. «Die Hygienestandards sind in der Lebensmittelbranche immer dieselben», ergänzt Marius Bettenmann. Er lernte einst Koch und ist heute Coiffeur, wie sein Vater. Der Dritte im Gespann, ­Samuel Weishaupt, ist auf dem Bauernhof aufgewachsen, dessen Felder an die Käserei grenzen. Nach einer Amerikareise ist er vor kurzem wieder im Elternhaus eingezogen.

Die Infrastruktur der Käserei ist professionell, aber nicht für das Bierbrauen gemacht. «Dort, wo die Mittel fehlen, suchen wir unsere eigenen Wege», sagen sie. «Experimentieren» lautet ihr ­Rezept. Experimentieren tun sie mit den vorhandenen Mitteln und ohne Rücksicht auf das Reinheitsgebot. Himbeeren, Grapefruits, Salatgurken, Roggen, ­Chili, Pfeffer oder Nektarinen mischen sie ins Bier. «Das Reinheitsgebot ist längst überholt und schränkt nur ein», sagt Samuel Amacker. Momentan liebäugeln sie mit einem Rezept aus den USA: Cornflakes im Bier.

Der Traum von der eigenen Brauerei

«Wir wollen aus dem Gewohnten ausbrechen und uns von der Neugierde leiten lassen», sagt Marius Bettenmann. Das sei es, was für sie ihr Hobby ausmache. Denn mehr als ein Hobby ist das Bierbrauen für die drei nicht. Oder noch nicht. «Wir wollen langsam wachsen», sagen sie. «Und exklusiv bleiben.» Und doch erwischen sie sich immer wieder ­dabei, wie sie den Gedanken ­weiterspinnen und sich eine Zukunft fernab ihrer heutigen Berufe vorstellen. Irgendwann, träumen sie, füllen ihre Bierkreationen den grossen Kupferkessel der Käserei – er fasst immerhin 6000 Liter. Oder sie kaufen gleich eine eigene kleine Brauanlage. Oder wandeln die Käserei in eine richtige Brauerei um. In einem Jahr nämlich geht der Genossenschaftsbetrieb am Stadtrand zu. Für den Moment aber soll es bei den Gedankenspielen bleiben. «Wir sind alle ­zufrieden mit unseren Jobs.»

Bier brauen sie deshalb am Wochenende, nebenbei. Rund 240 Liter produzieren sie pro ­Monat. Ein Grossteil der Flaschen und Fässer ist für sie selber bestimmt, vieles wird an Freunde verschenkt oder unter der Hand verkauft. Einmal im Jahr organisieren sie ein Bierfest für Freunde und Bekannte. Dann verwandelt sich die Scheune neben der Käserei in ein Partyzelt.

Heute stapeln sich dort ­Harasse, Fässer und Malzsäcke. An der Wand hängt eine Plane mit dem Logo der Mikrobrauerei, die lange namenlos blieb. «Giz ais?», mit dieser Frage läuteten die Freunde jeweils die nächste Runde ein. Irgendwann, ganz selbstverständlich, wurden die Worte zur Marke. Das Logo prangt heute auf T-Shirts, Kappen, Plakaten und natürlich Bierflaschen. Und gar unter der Haut von einem der drei Braumeister. Von wem allerdings, wollen sie nicht verraten.

Hinweis Anlässlich des Tages des Schweizer Bieres, wird «Giz ais» ab heute Freitag im «Brüw» an der Zürcherstrasse 48 in St. Gallen ausgeschenkt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.