Biergarten anstelle einer grünen Ruhezone?

«Eigenbräu statt Vereinshöck», Ausgabe vom 22. November

Marianne Schlüchter
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Das St. Galler Tagblatt zitiert den Finanzdirektor der Brauerei Schützengarten: «Wir sind froh, dass wir uns mit der Stadt einigen konnten. Denn für den Betrieb des ‹Brauwerks› (anstelle des Restaurants Dufour) sei entscheidend gewesen, dass es auch einen Biergarten erhält.» In diesem Zusammenhang wird im Tagblatt illustriert darauf hingewiesen, dass die Stadt hier eigentlich einen grünen Park vorgesehen hatte.

Die Aufwertung und Neugestaltung des Bahnhofplatzes wurde vom Stimmvolk am 9. Juni 2013 angenommen. Das Bahnhofpärkli war ausdrücklich Bestandteil der Abstimmungsvorlage. Dazu stand in der Abstimmungsbroschüre: «Angrenzend an den zuweilen hektischen Bahnhofplatz wird mit dem ‹Bahnhofpärkli› ein­gangs Poststrasse ein ruhiger Aufenthaltsbereich im Freien geschaffen. Mit Baumgruppen, Staudenbeeten und niedriger Bepflanzung entsteht ein kleiner Platz mit offenem Mittelpunkt. Dort wird der bisherige Brunnen wieder installiert, und die bronzene ‹Dame› findet einen neuen Platz in einem der drei Staudenbeete.»

Ich finde es befremdlich und überhaupt nicht vertrauensbildend, dass ein bedeutender Bestandteil eines Volksentscheides ohne weiteres gekippt werden soll. Ist es wirklich rechtens, dass ein öffentlicher, ruhiger Aufenthaltsbereich «umverhandelt» wird ein einen (Monopol-)Biergarten mit fünfzig Plätzen? Vom Ergebnis des hinter verschlossener Türe verhandelten Geschäfts erfahren wir übrigens einzig durch die Nutzniesserin «Schützengarten». Die Verantwortlichen der Stadt werden vom Tagblatt dazu leider nicht befragt.

Marianne Schlüchter

Biserhofstrasse 3, 9011 St. Gallen