Bierbotschafter braut «Hermann»

Marco Hermann steht zweimal pro Monat in seiner Nano-Brauerei und stellt dort mit seiner Freundin Hermann-Biere her. Diese sind von A bis Z von Hand gemacht, nehmen Bezug auf die Stadt und sind nur höchst limitiert erhältlich.

Kathrin Reimann
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Marco Hermann in seiner kleinen Brauerei in St. Gallen-Winkeln. (Bild: Hanspeter Schiess)

Marco Hermann in seiner kleinen Brauerei in St. Gallen-Winkeln. (Bild: Hanspeter Schiess)

Bereits als Kind kam Marco Hermann auf den Biergeschmack. Damals durfte er von Zeit zu Zeit von Vaters Bierschaum kosten. Als junger Erwachsener gehörte er zur «Mirau-Generation». «Das sind die 08/15-Lagerbier-Trinker, die, wenn einer in der Runde eine Stange bestellt, <mir au> sagen», erklärt Hermann. Einige Jahre im Ausland öffneten dem St. Geörgler dann die Augen: Welcher Schaden das 1991 beendete Bierkartell in der Schweiz angerichtet hat (siehe Zweittext). «Es hat die Vielfalt der hiesigen Biere und die Schweizer Bierkultur regelrecht zerstört.»

Ein einjähriger Aufenthalt in London und mehrere Jahre Arbeiten und Reisen in den USA prägen seine Bierkultur stark. Die Ale-Vielfalt Londons und die experimentierfreudigen US-amerikanischen Kleinbrauereien, die wie Pilze aus dem Boden schiessen, hinterlassen Eindruck. «Auch deutschen Bieren zolle ich hohen Respekt», sagt Hermann, der, «infiziert mit dem Bier-Virus», zurück in die Schweiz kehrt und sich hier des Nachholbedarfs der Bierkultur bewusst wird. «Da ich in St. Gallen nicht auf mein Ale und andere spezielle Biere verzichten wollte, beschloss ich kurzerhand, sie selbst zu brauen.»

Grosser Wissens- und Bierdurst

Erst macht er dies während sechs Jahren zu Hause und für den Eigengebrauch. Angetrieben von grossem Willen und ebenso grossem Wissensdurst lässt er sich in der Schweiz und in München zum Biersommelier ausbilden. Und auch im Selbststudium widmet er sich dem Thema: er besucht immer wieder Kleinbrauereien und ist ständig auf der Suche nach neuen und unbekannten Biersorten. Vor bald zwei Jahren beschliessen er und seine Freundin Tanja Paavilainen, sich in einem ehemaligen Lagerraum in St. Gallen Winkeln einzumieten und diesen – unterstützt von Freunden – in einem zeitintensiven Prozess in eine Nano-Brauerei umzubauen.

Bier mit Bezug zur Stadt

Dem Handwerk bleibt er bei seinem «extrem zeitintensiven Hobby» verpflichtet, stellt seine Biere von A bis Z selbst und mit viel Leidenschaft her. Da er 80 Prozent für St. Gallen-Bodensee-Tourismus arbeitet, braut er zwei- bis dreimal pro Monat in seiner Freizeit. Sieben Biere mit zugehöriger Etikette hat er bis jetzt ausgetüftelt, an weiteren ist er dran. Da er dabei die Qualität über die Quantität stellt, Bier aus Spass braut und den Geniessern damit Freude bereiten will, sind nicht immer alle Biersorten verfügbar. Im Moment ist es das «Tunnel Stout», welches Bezug auf das Mühleggbähnli nimmt, das auch auf der Etikette abgebildet ist, oder das «Helle nach Kölscher Art», welches er in Anlehnung an den Kölner Dom mit der Kathedrale in Verbindung setzt. «Wir stellen unsere Biere in kleinen Mengen von 80 bis 130 Litern pro Sud her», sagt der 46jährige Hermann, der sich als Bierbotschafter versteht. Beim Brauen lässt er sich deshalb auch über die Schulter schauen. Dabei kann man degustieren und die vorhandenen Biere vor Ort kaufen. Sie sind weder in einer Bar noch in einem Geschäft erhältlich. «Dazu müssten wir viel regelmässiger und mehr produzieren.» Im Moment ist Marco Hermann zufrieden mit dem Hobbybetrieb, ihn in der Zukunft zu vergrössern, schliesst er nicht aus, denn: «Die Nachfrage ist da, die Stadt hat Potenzial und meine Ideen für neue Biere sind praktisch endlos.»

www.hermannbier.ch