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Bierblumiges stilles Örtchen

Im St. Galler Bier- und Chäschüechli-Restaurant Zum Goldenen Leuen, unter Stadtbewohnerinnen und -bewohnern als «Naz» bekannt, gibt es seit wenigen Tagen ein neugestaltetes Damen-WC. Es lädt ein zum länger Verweilen als nötig.
Brigitte Schmid-Gugler
Die von Architekt Roger Bechtiger sanierte Damentoilette im Restaurant «Naz» an der Schmiedgasse. (Bilder: Benjamin Manser)

Die von Architekt Roger Bechtiger sanierte Damentoilette im Restaurant «Naz» an der Schmiedgasse. (Bilder: Benjamin Manser)

Es wird erzählt, dass es in früheren Jahren vor dem Männer-WC öfter Schlangen gegeben habe. Frauenschlangen. Und zwar nicht etwa drum, weil die Damen es nicht mehr bis in den ersten Stock zum Damen-WC geschafft hätten, sondern lediglich deshalb, weil sie es selber sehen wollten: Das vor 15 Jahren im Rahmen einer Gesamtsanierung und Renovierung des Hauses neu gestaltete Männer-Klo. Dort erregten die Karikaturen des österreichischen Cartoonisten und Musikers Manfred Deix, von der Firma Villeroy & Boch in Kleinserien auf Kacheln projiziert, die Aufmerksamkeit.

Ob sich nun umgekehrt vor dem neuen Damen-WC die gleichen Szenen abspielen werden und es auf der ebenfalls sanierten Holztreppe zu Staus und geschlechterspezifischen Irrwegen kommen wird? Möglich scheint es durchaus, denn das seit wenigen Tagen wieder begehbare stille Örtchen ist durchaus ein abzusitzendes Notdürftchen wert.

Stimmungsvolle Übergänge

Das historische Riegelhaus an der Schmiedgasse mit Baujahr 1603 und ab 1861 als Apotheke und Café National geführt, ist seit 1992 im Besitz der Malerfirma Kostgeld. Für die nun ausgeführte Renovation von Flur, Treppe und Damen-WC engagierte Stefan Kostgeld das St. Galler Büro Roger Bechtiger für Architektur und Design. Dieser beliess die grossen Steinplatten im Eingangskorridor, kombinierte die sanierte Holztreppe mit einer zwetschgenfarben gemalten Rupfentapete und einer ebenfalls dunkel gehaltenen Decke. Links des unteren Treppenabsatzes verweist eine schlichte Schablonenschrift auf Herren- und Damen-WC. Im ersten Stock wird die erweiterte Toilette durch einen grossen Wandspiegel und eine schmale Holzkonsole ergänzt. Seitlich des Eingangs zum WC geht die Zwetschgenfarbe in Silber über, was den Blick schärft für das heiter stimmende Ereignis hinter der Türe. Hier suchten Besitzer und Architekt eine Anlehnung an die Textiltradition: Auf schillerndem Untergrund ranken Blumen, Blätter und Pflanzen. Es handelt sich um die neun Ingredienzen (Schafgarbe, Rosmarin, Salbei, Lorbeer, Mädesüss, Kümmel, Koriander, Hopfen, Malz) der ursprünglichen Bierproduktion – welches seit 2002, allerdings mit neuzeitlichen Zutaten, in der eigenen Huus-Braui in Roggwil hergestellt und im Naz ausgeschenkt wird.

Tapete von Jakob Schläpfer

Für die Gestaltung der Tapete taten sich Kostgeld/Bechtiger mit dem Art Director Martin Leuthold von Jakob Schläpfer Textil zusammen. Dort wurde ein bereits bestehendes Blumendesign, welches sich stark an die Bildtapeten des 19. Jahrhunderts anlehnt und diese neu interpretiert, den Bedürfnissen der Auftraggeber angepasst. Eine LED-Leuchte an der Kante zwischen Spiegel und Decke verdoppelt den Lichtstreifen und weitet die räumliche Dimension.

Das bloss drei Quadratmeter grosse Räumchen wirkt durch die Tapete und den aus einem Stück geschnittenen Waschtisch aus Carrara-Marmor wie ein frischer Frühlingstag.

Es droht die Gefahr, angesichts dieses Bijous zu vergessen, weshalb man es betreten hat und unverrichteter Dinge in die Gaststube zurückkehrt. Dort bestellt man dann als Frau ein weiteres, von Wirt und Pächter Walter Tobler für das zarte Geschlecht kredenztes Gläschen Damen-Bier, um spätestens nach dessen Genuss mal dringend zu müssen…

Karikatur im Herren-WC. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Karikatur im Herren-WC. (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Roger Bechtiger vom gleichnamigen Büro für Architektur und Design (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

Roger Bechtiger vom gleichnamigen Büro für Architektur und Design (Bild: Benjamin Manser (Benjamin Manser))

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