«Bewilligung wird Lotterie»

ST.GALLEN. Der Hauseigentümerverband macht per Inserat auf Änderungen der Bauordnung und des Zonenplans aufmerksam. Geschäftsführer Karl Güntzel kritisiert sie und sieht Widersprüche zum Richtplan. Die Stadt widerspricht dezidiert.

Yvonne Bugmann
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Einfamilienhäuser an der Fliederstrasse in Rotmonten. Das homogene Gebiet soll als «Ensemble» geschützt bleiben. (Bild: Urs Jaudas)

Einfamilienhäuser an der Fliederstrasse in Rotmonten. Das homogene Gebiet soll als «Ensemble» geschützt bleiben. (Bild: Urs Jaudas)

«Einfamilienhausbesitzer in St. Gallen aufgepasst!» Unter diesem Titel schaltet der Hauseigentümerverband (HEV) St. Gallen derzeit Inserate. Darin ruft er die Einfamilienhausbesitzer dazu auf, zu überprüfen, ob ihre Liegenschaft von der geplanten Änderung von Bauordnung und Zonenplan betroffen ist (Kasten). Wer mit den Einschränkungen nicht einverstanden sei, solle Einsprache einreichen.

Kritik an Änderung

«Unser Ziel ist in erster Linie, die Leute darauf hinzuweisen, dass es Änderungen gibt», sagt Karl Güntzel, Geschäftsführer des HEV St. Gallen. Je nachdem, in welcher Zone ein Einfamilienhaus steht, ist der Bau von Mehrfamilienhäusern mit der neuen Regelung nicht oder nur unter gewissen Bedingungen erlaubt. «In knapp der Hälfte der Einfamilienhaus-Quartiere haben die Besitzer keine Möglichkeit mehr, verdichtet zu bauen», kritisiert Güntzel die geplante Änderung.

In der Mehrzahl der Einfamilienhausgebiete bleibe alles beim alten, hält Bausekretär Alfred Kömme dagegen. Auch verdichtetes Bauen sei weiterhin möglich. Aber in homogenen Quartieren werde für Neubauten eine bessere Einfügung verlangt.

Kein Platz für mehr Leute

Güntzel sieht in den neuen Regelungen einen Widerspruch zum Richtplan. Dieser sieht vor, dass die St. Galler Bevölkerung in den kommenden 20 bis 30 Jahren um zehn Prozent wächst. Wenn einige Quartiere jedoch nur restriktiv genutzt werden dürften, fehle dafür schlicht der Platz, argumentiert Güntzel. In den meisten Gebieten ist nach wie vor eine Verdichtung möglich, sagt Kömme. Mit den neuen Regelungen werde die Nutzung «innerstädtischer Reserven», also unternutzter Gebiete oder Baulücken, kaum eingeschränkt.

Der HEV-Geschäftsführer greift auch die Baubewilligungsbehörde an. «Das ist keine Baubewilligungs-, sondern eine Bauverhinderungsbehörde.» Ein paar wenige Fachleute würden entscheiden, ob ein Bauvorhaben realisiert werden dürfe oder nicht. So sähen die neuen Regeln beispielsweise vor, dass sich Mehrfamilienhäuser in «Wohnzonen mit besonderen Anforderungen» besonders gut in bestehende Überbauungen einpassen müssten. «Ob etwas gebaut werden darf, ist dann Geschmackssache», sagt Güntzel. Es werde eine reine Lotterie, ob ein Baugesuch bewilligt werde oder eben nicht. Dem widerspricht Bausekretär Kömme: Die Anforderungen würden in der neuen Regelung der Bauordnung genau definiert, es gehe nicht um «Geschmack», sondern die Berücksichtigung der Quartierstrukturen, zum Beispiel beim Strassenabstand.

Regeln einhalten

Mit den neuen Bestimmungen sei zudem unklar, was noch erlaubt sei, sagt Güntzel. «Der Hausbesitzer weiss nicht mehr, was er bauen darf und was nicht.» Dem sei nicht so, der Hauseigentümer könne weiterhin zweigeschossig nach den Regeln der Bauordnung bauen, widerspricht Kömme.

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