BEWEGUNG: Weiterhin Wohnraum benötigt

Es gibt zwar weniger Asylgesuche, die Gemeinden spüren davon aber nichts. Nur in Untereggen steht eine Flüchtlingswohnung seit einem halben Jahr leer: Die Familie ist ausgezogen, die Gemeinde zahlt weiter.

Jolanda Riedener
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Seit die Migranten vom Hinterhof 19 ausgezogen sind, steht die Wohnung leer. Die Gemeinde zahlte trotzdem Miete. (Bild: Jolanda Riedener)

Seit die Migranten vom Hinterhof 19 ausgezogen sind, steht die Wohnung leer. Die Gemeinde zahlte trotzdem Miete. (Bild: Jolanda Riedener)

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

Es kommen wieder weniger Flüchtlinge in die Ostschweiz, die Anzahl eingereichter Asylgesuche sinkt markant. Das teilte der Kanton kürzlich mit.

Demnach werden von den kantonalen Durchgangszentren auch weniger Flüchtlinge auf die Gemeinden verteilt. Was bedeutet das für die Gemeinden in der Region und wie gehen sie mit der schwankenden Anzahl von Asylsuchenden um? In den meisten Fällen mieten die Gemeinden Wohnungen für Migranten. Goldach verfügt über eigene Liegenschaften, wobei das Sozialamt als Mieter einzelne Wohnungen Flüchtlingen zur Verfügung stellt. Ausserdem mietet die Gemeinde für ihre 79 Migranten Wohnungen an. Auch Thal verfügt über ein eigenes Objekt und mietet zusätzlich Wohnungen an. Die Gemeinde Tübach stellt aktuell den Flüchtlingen vier eigene und eine gemietete Wohnung zur Verfügung. In Tübach sind 17 Personen untergebracht, was laut Gemeinderatsschreiber Reto Schneider das Kantonale «Soll» um drei Personen überschreitet. Rorschacherberg und Rheineck stellen keine gemeindeeigenen Wohnungen zur Verfügung, sondern mieten diese an. Horn bringt seine Asylsuchenden in der gemeindeeigenen Liegenschaft unter.

Wohnung stand leer, Mietvertrag wird gekündigt

In Untereggen kommen Flüchtlinge im Hinterhof in einem Wohnhaus unter, das der Gemeinde gehört. Derzeit wohnen dort sechs Männer. Zusätzlich hat die Gemeinde eine zweite Wohnung – nur einige Meter vom Wohnhaus entfernt – für eine Flüchtlingsfamilie aus Sri Lanka gemietet.

Seit Januar steht die von der Gemeinde für Flüchtlinge gemietete Wohnung aber leer. Die Familie mit zwei schulpflichtigen Kindern, die in der Wohnung im Hinterhof 19 untergebracht war, entschied sich für einen Umzug nach St. Gallen. Seither wird die Wohnung nicht mehr benutzt, den Mietzins von 1000 Franken pro Monat zahlt die Gemeinde aber weiterhin. Was im Dorf zu reden gibt und teilweise auf Unverständnis stösst, begründet Gemeinderatsschreiber Norbert Näf wie folgt: «Es ist schwierig abzuschätzen, wie sich die Flüchtlingsströme verhalten. Durch die rückläufigen Zahlen von neuen Asylanträgen rechnen wir nun aber damit, dass wir die Wohnung nicht mehr für weitere Flüchtlinge benötigen.» Man verhandle derzeit mit dem Vermieter über die Auflösung des Mietverhältnisses. Wie viele Monatsmieten die Gemeinde noch bis dahin aufbringen muss, kann Näf nicht sagen.

Weiter werde die Dusche der Mietwohnung derzeit von den sechs Migranten im Nachbarhaus benutzt, da dort das Badezimmer renoviert wird. Die Gemeinde hat deshalb vor dem Haus ausserdem ein mobiles WC installiert.

Die Sanierung des Badezimmers kostet 40000 Franken und dauert laut Näf noch bis zirka Ende August. Der Gemeinderat hat sich gemäss Mitteilung bei der Badezimmerrenovation für eine vom Architekturbüro Fischer bm AG geplante günstige Variante entschieden. Die Arbeiten hat er grösstenteils an einheimische Unternehmen vergeben können.

In allen Gemeinden der Region sei von einem Rückgang der Asylsuchenden noch nichts zu spüren. Sollten sowohl gemeindeeigene als auch angemietete Wohnungen nicht mehr benötigt werden, wird der Wohnraum nach Ablauf der Kündigungsfrist zur Weitervermietung frei.