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BEWEGUNG: Die Frau, die Gossaus Rücken stärkt

Nach vierzig Jahren als selbstständige Physiotherapeutin geht Irene Forster in Pension. Ihren Beruf wird es noch lange brauchen - das sieht Forster bereits in den Schulen.
Laura Widmer
Irene Forster war seit 2011 in ihrer Praxis an der Kirchstrasse tätig. (Bild: Urs Bucher)

Irene Forster war seit 2011 in ihrer Praxis an der Kirchstrasse tätig. (Bild: Urs Bucher)

Laura Widmer

laura.widmer@tagblatt.ch

Wer sich täglich mit dem menschlichen Körper beschäftig, wird zur guten Beobachterin. «Man achtet mehr auf die Haltung und den Gang einer Person», sagt Irene Forster. Es kann schon mal vorkommen, dass sie denkt: «Da liesse sich noch etwas machen.» Forster weiss, wovon sie spricht: Seit über vierzig Jahren arbeitet sie als Physiotherapeutin.

Das Interesse an Menschen und am Sport hat Forster zur Physiotherapie geführt. Eine Ausbildung, die vor fünfzig Jahren noch in den Spitälern angeboten wurde, statt an den Hochschulen. «Auch Vertiefungsrichtungen gab es damals noch nicht», sagt die 64-Jährige. Nach ihrer Ausbildung am Universitätsspital Zürich arbeitete sie fünf Jahre lang im Ausland und im Tessin, bevor sie sich 1982 mit ihrem Mann in der Ostschweiz niederliess.

Mangel an Fachkräften

In die Selbstständigkeit ist Forster quasi «hineingerutscht». Als im unteren Stock ihres Wohnhauses in Arnegg Büroräume leer wurden, packte sie die Gelegenheit beim Schopf und eröffnete ihre erste eigene Praxis. Eine von vielen glücklichen Fügungen in ihrem Leben. «Das Geschäft lief vom ersten Tag an», sagt Forster. Die Physiotherapie sei damals unterentwickelt gewesen, und es habe ein Mangel an Fachkräften geherrscht. «Beschwerden wurde früher weniger behandelt. Die Leute hatten einfach mehr Schmerzen», sagt Forster. In Kurorten wurden damals eher «passive Hilfen» wie Fangopackungen oder Wickel angeboten. Die aktiven Formen der Physiotherapie waren weniger verbreitet. Forster hat sich auf die Rheumatologie spezialisiert und zusätzlich in der Triggerpunktbehandlung und funktionellen Bewegungslehre ausgebildet.

Auch in der Physiotherapie sind Trends feststellbar. Stark gefrag sind heute Krafttraining, Stretching und die Faszienarbeit. Faszienroller werden heute sogar in der Buchhandlung verkauft und auf Fitnessblogs im Internet empfohlen. Forster sieht diese Entwicklung mit gemischten Gefühlen. «Mit der Vermarktung solcher Techniken habe ich Mühe.» In der Physiotherapie würden die Faszien schon seit jeher miteinbezogen. Entscheidend sei die richtige Dosis und Qualität der Anwendung. «Manche Leute benutzen diese Rollen, bis sie grün und blau sind.»

Aus Protest auf dem Bundesplatz

Der berufliche Wechsel nach Gossau erfolgte 1989. Über 20 Jahre lang war Forster danach im Ärztehaus Gerbhof tätig. Dort führte sie in Co-Leitung die Physioabteilung. Viele Gossauer waren einmal als Patienten bei Forster in der Praxis. Ab dem Jahr 2000 engagierte sich Irene Forster zwölf Jahre lang als Delegierte im Ostschweizer Physioverband, davon einige Jahre als GPK-Präsidentin. Der Kampf für bessere Tarife und höhere Löhne führte sie bis vor das Bundeshaus. «Etwa 4000 Physiotherapeuten haben an diesem Tag im strömenden Regen demonstriert.» Plakate trugen Parolen wie: «Wer stärkt morgen Ihren Rücken?». Gebracht habe der Protest leider wenig, auch heute noch würden Physiotherapeuten schlecht bezahlt. «So gerne ich den Beruf auch mache, das ist ein frustrierender Punkt», sagt Forster.

Herausforderung Büroarbeit

Zur Herausforderung wird je länger je mehr die statische Büroarbeit. Die Überbelastung der Schulter-Nackenmuskulatur führt bei vielen zu Verspannungen. Erleichterung zu schaffen, ist nicht kompliziert: «Aufstehen, sich bewegen, die Sitzposition wechseln. Es ist kein Kunststück», sagt Forster. Ein Grund für die Inaktivität vieler Menschen sei die urbane Lebensweise. «Es gibt weniger Möglichkeiten sich zu bewegen – für Kinder und Erwachsene.» Das macht sich schon zu Beginn des Schulalters bemerkbar: «Sobald die Kinder lange sitzen müssen, zeigen sich erste Haltungsfehler.»

In ihrer jetzigen Praxis an der Kirchstrasse arbeitet Forster seit sieben Jahren. Mit ihrer Pensionierung geht dieser Lebensabschnitt zu Ende. Die Praxisräume werden von ihrer Mitarbeiterin, einer Bewegungstherapeutin, weitergeführt. Irene Forster möchte sich künftig der freiwilligen Hospizarbeit widmen. Ihre Freude an Menschen ist nach langer Berufstätigkeit ungetrübt.

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