BEVÖLKERUNGSSCHUTZ: Gemeinsam für den Notfall bereit

Überlaufene Bäche und überflutete Strassen: Laut einem Experten hat die Region Rorschach eine Ausgangslage mit speziellen Gefahren und Risiken. Der Ernstfall war am Sicherheitsrapport 2017 ein Thema.

Ramona Riedener
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«Der Ernstfall wird geprobt», sagt der Stabschef des RFS Bodensee Patrick Riedener. (Bild: Ramona Riedener)

«Der Ernstfall wird geprobt», sagt der Stabschef des RFS Bodensee Patrick Riedener. (Bild: Ramona Riedener)

Ramona Riedener

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@tagblatt.ch

Begrüsst wurden die Vertreter der verschiedenen Gremien und geladenen Gäste am Sicherheitsrapport 2017 im Saal des Feuerwehrdepots Rorschach von Michael Götte, stellvertretender Chef des regionalen Bevölkerungsschutzes Bodensee, bevor dieser über den aktuellen Stand des Projekts «Zivilschutz 2015+» informierte. «Fakt ist, dass die gesetzliche Neufassung nicht dem regionalen Gefahrenpotenzial angepasst ist», sagt Michael Götte. Ein entsprechender parlamentarischer Vorstoss sei am Laufen und werde bei der nächsten Kantonsratssession eingebracht.

Die fünf politischen Gemeinden Rorschach, Rorschacherberg, Goldach, Tübach und Stein­ach bilden gemeinsam einen regionalen Führungsstab und die regionale Zivilschutzorganisation Bodensee. Die Koordination der verschiedenen Fachkräfte im Grossereignis untersteht dem regionalen Führungsstab, unter dem Kommando von Patrick Rieder. Die politischen Vorschriften und Interessen vertritt der Regionale Bevölkerungsschutz Bodensee, der wiederum der Auftraggeber des regionalen Führungsstabs ist. Das Sicherheitsgebilde der fünf Gemeinden, vertreten durch das Kader der Feuerwehren, Zivilschutzorganisation, der verschiedenen Gemeindevertreter und Gäste, trifft sich jährlich, um die aktuellen Sicherheitsfragen gemeinsam zu besprechen. Wie es ist, wenn plötzlich ein Grossalarm eingeht, darüber berichtete Andreas Dobler, Geschäftsführer des Sicherheitsverbunds Region Wil. Am 14. Juni 2015 um 17 Uhr, nachdem Unmengen von Wasserniederschlag ein Chaos angerichtet haben, gingen auf der Zentrale die ersten Meldungen ein. Überflutete Strassen und überlaufene Bäche an verschiedenen Orten war das erste Ausmass der Unwetterkatastrophe. Bilder zeigten eine überflutete und mit Gröll überschüttete Autobahn. In einer Unterführung blieben Fahrzeuge im Schlamm stecken, in einer Tiefgarage war das Wasser meterhoch angestiegen und die Stromverteileranlage im unteren Stock fiel aus.

Vorbereitung ist das A und O

In dieser Situation war klare Koordination und Organisation des Einsatzleiters gefragt. Nachdem die verschiedenen Fachkräfte wie Feuerwehr, Zivilschutz, Polizei und Fachorganisationen aufgeboten waren, ging es darum, diese nach Prioritäten richtig einzusetzen. Weiter hatte der Einsatzleiter zu entscheiden, ob und von wo Hilfe von benachbarten Dörfern und Städten angefragt werden soll. Weiter musste die Bevölkerung aufgeklärt, Transporte organisiert, Spezialmittel aufgeboten und die Medien informiert werden. An diesem Grossereignis standen rund 100 Personen im Einsatz. 39 000 Franken Sold wurden an die Dienstmachenden ausbezahlt. Die Einsätze dauerten vom Sonntag um 19 Uhr bis Montag, 16 Uhr. Während dieser Zeit gingen rund 400 Meldungen in der Einsatzzentrale ein. Die Region Bodensee habe eine eigene Ausgangslage mit speziellen Gefahren und Risiken. Dies seien unter anderem der Bodensee, verschiedene Bäche, die Autobahn sowie der Flughafen Altenrhein. Die davon ausgehenden Gefahren zu erkennen, ist für die Notfallsituation von zentraler Bedeutung. Sich auf Eventualitäten genaustens vorzubereiten, ist die zentrale Aufgabe des Führungsstabs.

«Mit viel Herzblut bei der Sache»

Das Projekt «Grossräumige Evakuierung», welches präsentiert wurde vom Stabschef des RFS Bodensee Patrick Rieder, beschäftigt sich mit eventuellen Ereignisfällen. Ein Notfall-Krisen- Management-Konzept regelt zum Beispiel die Ereignisbewältigung bei einer Evakuierung des Spitals Rorschach. Es beinhaltet unter anderem die Einsatzplanung der verschiedenen Fachkräfte, Sicherheits- und Patrouilleneinsätze, Einschränkungen des Strassenverkehrs, Begleitung von evakuierten Menschen und Tieren zu Sammelplätzen, Material- und Verpflegungsverteilung. Alles ist präzise für diesen Notfall ausgearbeitet. Sicher nicht nur Pflicht, sondern ein spezielles Highlight für jeden Partner im Sicherheitsbereich ist es, den theoretischen Teil auch praktisch umzusetzen. Den Ernstfall proben alle Beteiligten gemeinsam an entsprechenden Notfallübungen. «Wir Fachkräfte der Feuerwehr, Zivilschutz und Fachorganisationen sind mit viel Herzblut bei der Sache», sagt Patrick Rieder, bevor er sich der inzwischen gemütlichen Runde seiner Kameraden zuwendet.