BETREUUNG: Neue Geschäftsführerin entwickelt Zeitvorsorge weiter

In einem Bericht wurden die Zeitvorsorge und deren Auswirkungen überprüft. Das Fazit ist positiv, zudem gibt der Bericht einige Empfehlungen zur Weiterentwicklung ab. Die neue Geschäftsführerin sagt, wie sie diese umsetzen und Kosten sparen will.

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Claudia Kraus führt seit dem ersten November die Stiftung Zeitvorsorge. (Bild: Marlen Hämmerli)

Claudia Kraus führt seit dem ersten November die Stiftung Zeitvorsorge. (Bild: Marlen Hämmerli)

Claudia Kraus hat die Geschäftsführung der Stiftung Zeitvorsorge vor einem Monat übernommen. Sie sei schon richtig «drin» in der Arbeit. Diese enthält zum einen Strategisches wie etwa das Erstellen eines Budgets oder die Öffentlichkeitsarbeit. Zum anderen führt Kraus viele Gespräche: «Ich spreche mit neuen Zeitvorsorgenden darüber, was sie leisten könnten, frage Leistungsempfänger, was für Hilfe sie benötigen und führe dann Zeitvorsorgende und Leistungsempfänger zusammen.» Eine weitere Aufgabe sei es, mit Partnerorganisationen wie etwa der Spitex Kontakt zu halten. «Sie sehen, wenn eine Person zusätzliche Hilfe benötigt, welche die Spitex-Mitarbeiter nicht erbringen können.» Denn die Zeitvorsorge steht zwischen der Pflege zuhause und dem Heim: Sie soll es Älteren ermöglichen, solange wie möglich bei sich daheim wohnen zu bleiben.

Das funktioniert so: Personen zwischen 60 bis 80 Jahren, sogenannte Zeitvorsorger, unterstützen über 80-Jährige im Alltag oder leisten ihnen Gesellschaft. Die geleisteten Stunden werden den Zeitvorsorgenden gutgeschrieben, damit sie diese wiederum einlösen können, wenn sie selbst Unterstützung benötigen.

Dank Zeitvorsorgenden bleiben Ältere mobil

Für die Stelle hat sich Kraus beworben, weil sie an gesellschaftlichen Herausforderungen mitarbeiten möchte: «Mir ist es wichtig, etwas Sinnvolles zu tun und für die Bevölkerung tätig zu sein.» Eines hat die in Frauenfeld wohnhafte Bündnerin in der kurzen Zeit seit ihrem Arbeitsbeginn schon festgestellt: Die Mobilität sei ein weiterer Bereich, wo Zeitvorsorger helfen könnten. «Wohnt eine Dame mit Rollator im obersten Stock eines Hauses ohne Lift, muss man ihr nur regelmässig über die Treppe helfen, damit sie mobil und körperlich beweglich bleibt und nicht frühzeitig in ein Heim muss.»

Die Altersgrenzen sind bereis heute weich

Aber natürlich beschäftigt sie auch der Evaluationsbericht, der dem Stadtparlament vorige Woche vorgelegt wurde (Tagblatt vom 23. November). «Mit dem Bericht einzusteigen war spannend», sagt Kraus. Dieser enthält einige Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Zeitvorsorge. Ein Punkt ist, die Kosten pro Betreuungsstunde zu senken. Das möchte Kraus durch Stundenwachstum erreichen, indem weitere Personen als Zeitvorsorgende tätig werden. «Neue Zeitvorsorgende zu finden, ist eines meiner wichtigsten Ziele.»

Eine Möglichkeit dies zu erreichen wäre, wie im Bericht empfohlen, die Altersgrenze von 60 Jahren zu lockern. Das sei nur im Einzelfall sinnvoll, sagt Kraus. Ziel sei ausdrücklich, die Ressourcen der über 60-Jährigen zu nutzen. «Wenn jemand frühpensioniert wird oder sonst freie Zeit hat, aber erst 57 Jahre alt ist, machen wir nach Prüfung auch mal eine Ausnahme.» Auch die Altersgrenze bei den Leistungsempfängern sei weich: «Wenn jemand 68 Jahre alt ist und aus irgendwelchen Gründen bereits Hilfe benötigt, schlagen wir diese auch nicht aus.» (mha)

www.zeitvorsorge.ch