BETREUUNG: Die Zeitvorsorge soll wachsen

Die Stiftung Zeitvorsorge wird im Dezember fünf Jahre alt. Der Stadtrat hat die Einrichtung aus diesem Anlass evaluieren lassen. Der Bericht zieht zwar eine positive Zwischenbilanz, ortet bei Kosten und Leistungen aber noch Potenzial.

Luca Ghiselli
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Die Zeitvorsorge soll ermöglichen, dass Hochbetagte möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können. (Bild: Getty Images)

Die Zeitvorsorge soll ermöglichen, dass Hochbetagte möglichst lange in den eigenen vier Wänden bleiben können. (Bild: Getty Images)

Luca Ghiselli

luca.ghiselli@tagblatt.ch

Als die Stadt gemeinsam mit fünf weiteren Organisationen im Dezember 2012 die Stiftung Zeitvorsorge gegründet hat, galt das als Pioniertat. Als erste Schweizer Stadt versuchte St. Gallen, die Betreuung und Unterstützung im Alter über ein Zeitgutschriftensystem zu entlasten. Die Idee: Personen im vierten Lebensalter (80 Jahre und älter) soll durch Unterstützung von Personen im dritten Lebensalter (60 bis 80 Jahre) ermöglicht werden, länger in ihrer vertrauten Umgebung zu Hause bleiben zu können. Jene, die diese Zeitvorsorge leisten, profitieren im Umkehrschluss später wieder von der geleisteten Zeit, indem sie diese selbst beziehen können. Fünf Jahre ist das nun her. Seither wurden in der Zeitvorsorge über 20'000 Stunden geleistet – knapp 7000 davon alleine im vergangenen Jahr. ­Aktuell stehen 119 Zeitvorsorgenden 81 Leistungsempfänger gegenüber.
 

Das Modell auf umliegende Gemeinden ausweiten

Zum fünfjährigen Bestehen der Organisation hat der Stadtrat eine externe Evaluation des Betriebs in Auftrag gegeben. Der Bericht dazu wurde nun dem Stadtparlament vorgelegt. Die Evaluation stellt sowohl der Geschäftsführung und dem Stiftungsrat als auch den Zeitvorsorgenden und den Leistungsempfängern ein gutes Zeugnis aus: «Die Betreuungsverhältnisse werden sehr positiv bewertet», heisst es im Bericht. Die Beteiligung liege im Rahmen der Erwartungen. Es gebe aber auch noch einige Punkte mit Verbesserungspotenzial. Einerseits sind die Kosten pro Zeitvorsorgestunde noch relativ hoch, andererseits soll das Angebot in den kommenden Jahren noch weiter wachsen. So kommt die Evaluation zum Schluss, dass das heutige Konzept der Zeitvorsorge zwar zweckmässig sei, «aber einzelne hemmende Rahmenbedingungen aufweist». Dazu gehöre unter anderem die geografische Beschränkung auf die Stadt St. Gallen. Die Zürcher Beratungsfirma Infras AG, die den Evaluationsbericht verfasst hat, hält es für angezeigt, die Zeitvorsorge auf die benachbarten Gemeinden auszuweiten. Der Stiftungsrat der Zeitvorsorge hält dazu fest: «Die räumliche Ausdehnung ist ein wichtiges Thema.»
 

Altersgrenze lockern, Kosten reduzieren

Um das Potenzial der Zeitvorsorgenden besser ausschöpfen zu können, solle die Altersbegrenzung von 60 Jahren für Zeitvorsorgende gelockert werden, lautet eine Empfehlung. Zudem gelte es zu prüfen, ob die Leistungen nicht mit lokalen Strukturen wie Quartiervereinen verknüpft werden könnten. Auch weitere Einsatzorganisationen sollen ins Boot geholt werden, empfiehlt der Bericht. So sollen weitere Spitex-Organisationen eingebunden werden. Auch Alters- und Pflegeheime sollten nicht ausgeschlossen werden, so die Empfehlung. Dieser Einschätzung widerspricht der Stiftungsrat der Zeitvorsorge zumindest teilweise. Während Einbindung aller Spitex-Organisationen höchste Priorität habe, sei der Einbezug von Alters- und Pflegeheimen nur sekundär. «Der Fokus der Zeitvorsorge liegt auf dem autonomen Daheimbleiben.»

Schliesslich sei es auch angezeigt, die Kosten zu senken, heisst es in den Empfehlungen weiter. Eine Zeitvorsorgestunde kostet 25,70 Franken. Nach der Bereinigung von Personalkosten, die bei der freiwilligen Zeitvorsorge nicht anfallen, liegt eine Stunde hauswirtschaftliche Unterstützung der Spitex bei rund 20 Franken. «Dieser Wert kann auch als Zielgrösse oder Richtwert für die Stiftung Zeitvorsorge dienen», kommt der Evaluationsbericht zum Schluss.