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Betreuer zeigen Muskeln

In Wohnheimen ist es schon zu tätlichen Angriffen von Bewohnern auf Betreuerinnen oder Betreuer gekommen. Ein Budo-Club im Toggenburg schult nun Mitarbeiter in Selbstverteidigung – nicht zum ersten Mal.
Martin Knoepfel
Mitglieder des Budo-Clubs Toggenburg stellen eine Situation aus dem Kurs nach. (Bild: pd)

Mitglieder des Budo-Clubs Toggenburg stellen eine Situation aus dem Kurs nach. (Bild: pd)

WATTWIL. Das Foto zeigt einen Mann, der einen anderen mit einem Baseball- oder Kricket-Schläger angreift. Das Bild hat der Budoclub Toggenburg zur Verfügung gestellt. Die Sektion Ju-Jitsu sei angefragt worden, einen Selbstverteidigungskurs für die Betreuerinnen und Betreuer eines Wohnheimes durchzuführen, sagt David Neher aus Ebnat-Kappel. Er engagiert sich im Budoclub Toggenburg. Der Grund der Anfrage war laut Neher, dass Bewohner dieses Wohnheimes mit teils massiver Gewalt auf die Betreuer eingewirkt haben.

Nicht der erste Kurs

Der Verein habe schon früher Kurse in Selbstverteidigung, jeweils auf die betreffende Zielgruppe ausgerichtet, durchgeführt. Erstmals sei nun aber ein Kurs für Betreuerinnen und Betreuer eines Wohnheims durchgeführt worden. Man habe in den Kurs auch psychologische Elemente eingebaut und im Vorfeld die rechtlichen Aspekte angeschaut, sagt Trainer Neher. Das Feedback der Betreuer sei sehr gut gewesen. Die Kursteilnehmer hätten gesagt, dass sie sich jetzt sicherer fühlten. «Das Foto ist gestellt, um die Anonymität der Institution zu wahren.» Die Szene sei aber realitätsnah.

Es habe Fälle gegeben, in denen die Bewohner die Betreuer mit abgebrochenen Stuhlbeinen oder in der Küche mit Messern angegriffen hätten. Laut Neher kam es auch vor, dass sehr schwere Bewohner Betreuer umwarfen und sich auf die Betreuer setzten. Auf der Homepage des Budoclubs Toggenburg ist ein kurzer Bericht zu finden, in welchem es heisst, die Erwartungen an den Kurs seien weit übertroffen worden.

Ralph Meienberger aus Lütisburg ist Vorstandsmitglied des Berufsverband Fachperson Betreuung Schweiz (BVFB) und arbeitet seit rund 20 Jahren im sozialpädagogischen Bereich. Er ist überzeugt, dass Vorfälle wie eingangs geschildert nicht nur im Toggenburg, sondern auch in anderen Regionen vorkommen.

Richtlinien in Institutionen

Gewalt passiere in Institutionen wie in Familien, sagt er. In Institutionen gebe es eine Kontrolle und die Möglichkeit, Hilfe zu holen. Alle Institutionen, die er kenne, hätten klare Richtlinien, wie solche Vorfälle zu behandeln seien. «Sicherheit hat einen hohen Stellenwert», sagt Meienberger. «Weshalb baut sich ein so grosser Druck auf, dass Bewohner auf Betreuer oder auf andere Bewohner losgehen?»

Mitarbeiter geschult

Bei Gewaltanwendung – und bei sexuellem Missbrauch – geht es laut Meienberger darum, aufzuarbeiten, dass das Verhalten unannehmbar war und sich so nicht wiederholen darf. «Wenn geistig Beeinträchtigte so ausrasten, dass sie am bisherigen Ort nicht mehr tragbar sind, kann man sie für ein Time-out in die Stiftung Mansio in Münsterlingen bringen.

Die Mansio-Mitarbeiter sind speziell geschult für das Thema Gewalt. Mansio hat einen höheren Stellenschlüssel als andere Institutionen, und es gibt spezielle Sicherheitsmassnahmen.» So seien die Schubladen in der Küche abschliessbar. Ein Time-out sei ein Zeichen an den Betroffenen, dass sein Verhalten falsch war. «Zugleich wird das Macht-Ohnmacht-Verhältnis aufgebrochen.»

Botschaft der Körpersignale

Gewaltanwendung durch Bewohner könne bewirken, dass andere Personen der Wohngruppe Angst vor dem Betreffenden hätten, gibt Meienberger zu bedenken. Angriffe mit Gegenständen oder Messern auf Betreuer bildeten aber eine absolute Ausnahme. Aus der Tätigkeit beim Berufsverband sind ihm aus den letzten Jahren keine solchen Vorfälle bekannt. Bei Kindern und Jugendlichen gehe es manchmal um das Kräftemessen.

Meienberger ist offen gegenüber Selbstverteidigungskursen für Betreuer. «Judo enthält viel Mentaltraining. Durch das Training lernt man nicht nur Angriffe abzuwehren, sondern auch so zu agieren, dass es nicht zu Angriffen kommt», sagt er. Betreuer müssten sich bewusst sein, dass auch ihre Körpersprache Botschaften sende.

Peter Hüberli ist Präsident von Insos St. Gallen. Insos ist der Fachverband der Institutionen für Menschen mit Behinderung. Hüberli sagt, Mansio nehme als Thurgauer Institution keine Klienten aus St. Gallen auf. Für den südlichen Teil des Kantons St. Gallen gebe es eine Lösung mit zwei Plätzen. Das reiche.

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