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BETEILIGUNGSKIRCHE: Neues Leben für leere Kirche?

Pfarrerin Andrea Weinhold möchte die Kirche St.Leonhard kaufen und wiederbeleben. Ihre Idee: Eine Beteiligungskirche für verschiedene Anlässe. Ob der Eigentümer verkauft, ist jedoch fraglich.
David Gadze
Seit dem Dachstockbrand 2007 ist die Kirche St.Leonhard weitgehend unbelebt. (Bild: Benjamin Manser)

Seit dem Dachstockbrand 2007 ist die Kirche St.Leonhard weitgehend unbelebt. (Bild: Benjamin Manser)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Mit dem Brand der Kirche St.Leonhard im Dezember 2007 ist das Leben aus ihr gewichen. Bis auf den Brausilvester, der in den vergangenen beiden Jahren dort gefeiert wurde, finden keine Anlässe statt. Der Winterthurer Architekt und Eigentümer Giovanni Cerfeda, der die Kirche 2005 der Kirchgemeinde Centrum abgekauft hatte, kündigte vor Jahren an, sie in ein Event- und Kulturzentrum umzuwandeln. Passiert ist jedoch nichts.

Das will Andrea Weinhold nun ändern. Die Pfarrerin, die in St.Gallen aufgewachsen ist, möchte die Kirche kaufen und als Beteiligungskirche nutzen, etwa für Malprojekte, Schreibwerkstätten, Konzerte und ähnliche Anlässe, im kirchlichen Kontext oder ohne. Oder auch für neue Gottesdienstformen, in denen der Dialog statt der Predigt im Zentrum steht. Die Kirche könnte dabei auch von externen Veranstaltern genutzt werden. «Jeder, der ein Interesse daran hat sich zu engagieren, ist willkommen», sagt Weinhold. Ähnlich also wie bei der Offenen Kirche am Platztor, die wegen des geplanten Abbruchs ebenfalls einen neuen Standort sucht und bis 2005 ebenfalls in der Kirche St.Leonhard beheimatet war.

«Etwas Vergleichbares gibt es in St.Gallen nicht»

«Die Kirche St.Leonhard ist ideal. Etwas Vergleichbares gibt es in St.Gallen nicht», sagt Weinhold. Zum einen wegen der Lage nahe des Hauptbahnhofs und der Lokremise. Zum anderen sei sie gross genug, um auch grössere Projekte in ihr realisieren zu können. Deshalb ist Andrea Weinhold kürzlich mit ihrer Idee an den Kirchenrat der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons St.Gallen herangetreten. «Ich wollte wissen, ob ich auf die ideelle Unterstützung des Kirchenrats zählen kann», sagt sie. Dieser steht der Idee positiv gegenüber. «Gerade im Zuge neuer Konzepte für die Kirche finden wir das Projekt sehr gut», sagt Kirchenratspräsident Martin Schmidt.

Um eine finanzielle Beteiligung der Kantonalkirche sei es bei der Anfrage an den Kirchenrat nicht gegangen, sagt Weinhold. «Eine Diskussion darüber ist müssig, solange ich nicht einmal mit dem Eigentümer verhandelt habe.» Entsprechend ist auch die Frage der Finanzierung nicht geklärt. Nebst dem Kaufpreis, der durch die Renovation weitaus höher liegen dürfte als der damalige Verkaufspreis von 40000 Franken, kämen noch die Investitionen für einen Umbau der Kirche hinzu. Sollte es tatsächlich zu einem Kauf kommen, sei dieser durch einen Verein und Gönner denkbar.

Kirchgemeinden haben zu viele freie Räume

Der Kirchenrat hält eine Mitfinanzierung beim Kauf und Umbau der Kirche allerdings für «schwierig», sagt Schmidt. «Allein der Innenausbau dürfte enorme Investitionen verschlingen. Dazu kämen die Unterhaltskosten.» Dieser finanzielle Aufwand lohne sich aus Sicht des Kirchenrats kaum. Denn viele Kirchgemeinden stünden jetzt schon vor dem Problem, die vorhandenen Räume kaum nutzen zu können. «Die drei Evangelisch-reformierten Kirchgemeinden in der Stadt St.Gallen haben heute zusammen so viele Mitglieder wie die Kirchgemeinde Centrum vor 50 Jahren allein.» Deshalb wäre es anachronistisch, in eine Kirche zu investieren, die man vor etwas mehr als zehn Jahren verkauft habe, gerade weil man die Kosten für die von der Stadt geforderte Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes als zu hoch erachtete. «Wir investieren lieber in Grips statt in Gips», sagt Schmidt. Mit anderen Worten: Der Kirchenrat kann sich vorstellen, Andrea Weinhold bei konkreten inhaltlichen Projekten auch finanziell zu unterstützen, aber nicht beim allfälligen Kauf der Kirche.

«Eine gute Idee braucht Zeit und Geduld»

Die Pläne von Andrea Weinhold stehen und fallen mit der Bereitschaft von Giovanni Cerfeda, das Gotteshaus zu verkaufen. «Er hat mir geschrieben, dass das derzeit kein Thema sei», sagt die Pfarrerin. Davon lässt sie sich jedoch nicht entmutigen. «Ich werde weiterhin versuchen, mit ihm ins Gespräch zu kommen.» Eine gute Idee brauche Zeit und Geduld. Ob sie diese an einem anderen Ort verwirklichen würde, lässt sie offen. «Eine Beteiligungskirche wäre an jedem Ort möglich, aber mir scheint die Kirche St.Leonhard der geeignetste.»

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