BESUCH: Chefin erlebt «persönliches Spital»

Patienten fühlen sich in Rorschach wohl und hoffen auf Weiterbestand dieses Spitals, das vor 20 Jahren der Schliessung entging. Das hört die kantonale Gesundheitschefin Heidi Hanselmann als Besucherin am Tag der Kranken.

Fritz Bichsel
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Regierungsrätin Heidi Hanselmann gestern beim Besuch einer Patientin im Spital Rorschach. (Bild: Fritz Bichsel)

Regierungsrätin Heidi Hanselmann gestern beim Besuch einer Patientin im Spital Rorschach. (Bild: Fritz Bichsel)

Fritz Bichsel

redaktionot@tagblatt.ch

Lippenpomade oder Sackmesser: Dieses kleine Geschenk übergibt Regierungsrätin Heidi Hanselmann allen Patientinnen und Patienten und Mitarbeitenden, die sie am Sonntagmorgen im Spital Rorschach trifft. Den einen mit besten Wünschen für baldige Genesung, den anderen mit Dank für ihren Einsatz. In mehreren Zimmern führt sie Gespräche mit Patientinnen und Patienten. Die erste schwärmt von der persönlichen Atmosphäre in diesem kleinen Spital – mit gut 80 Betten. Das wiederholt sich von Zimmer zu Zimmer. Lob für sehr persönliche Betreuung kommt manchmal bereits, bevor die Gesundheitschefin nach dem Befinden fragt. Das ist nicht abgesprochen, wie das Anliegen einer Patientin zeigt: Ärzte und Pflegepersonal sollten auch hier mehr Zeit haben am Patientenbett.

Seit zwölf Jahren ist Heidi Hanselmann in der St. Galler Regierung als Vorsteherin des Gesundheitsdepartements tätig. Wie von Anfang an besucht sie am nationalen Tag der Kranken Patienten in kantonalen Spitälern. Erkenntnisse aus diesen Gesprächen fliessen in die Gesundheitspolitik ein. «Früher hatten Patientinnen und Patienten oft Anliegen zum Essen», berichtet die Regierungsrätin. «Das ist bei der heutigen Vielfalt und Qualität kein Thema mehr. Jetzt ist Patienten der baulichen Zustand unserer Spitäler besonders wichtig», hält die Politikerin fest.

Vom Kampf ums Spital zur Arbeit im Verbund

Ein Patient verbindet Lob für die Betreuung in Rorschach mit dem Hinweis, dass dieses gefährdet war: «Wie Tausende ging ich auf die Strasse, um für unser Spital zu demonstrieren.» Die damalige Kantonsregierung wollte vor 20 Jahren das Spital Rorschach – und auch jenes in Wil – schliessen. Aufgrund heftiger Reaktionen aus der Bevölkerung folgte ihr das Parlament nicht. Stattdessen entwickelte der Kanton Zusammenarbeit von Spitälern in Verbunden, für Rorschach mit dem Kantonsspital St. Gallen und dem Spital Flawil. Wie das spielt, zeigen Berichte von Patienten. Eine Frau aus Wittenbach kam nach Rorschach, weil hier schneller ein Bett frei wurde. Hier behandeln sie die gleichen Spezialisten wie in St. Gallen. Ein Patient war für eine Operation mit Spezialgeräten in St. Gallen und wird nun in Rorschach, nahe seines Daheims, nachbetreut. Die Rechnungen zeigen, dass solche Arbeitsteilung auch finanziell Vorteile hat. Die sportliche Gesundheitschefin nimmt ausnahmsweise den Lift – weil er neu ist. Das zeigt, dass in Rorschach bauliche Verbesserungen möglich sind, obwohl es dieses Spital nicht in das Riesenpaket zur Sanierung kantonaler Spitäler für gegen eine Millirade Franken schaffte. Neu sind nun die Spitalverbunde Eigentümer der Liegenschaften und für deren Unterhalt und Sanierung zuständig. Für das Spital Rorschach wird eine umfassende Erneuerung vorbereitet, wie sie bereits der Kanton geplant hatte. Heidi Hanselmann ist dafür nicht mehr direkt zuständig, hat aber eine eindeutige Haltung: «Falls jemand eine Empfehlung wünscht, sage ich klar: Die Bevölkerung sprach sich für wohnortnahe Gesundheitsversorgung aus, und ich unterstütze das klar auch für die Zukunft.» Rorschach ist inzwischen als Spitalstandort gesetzlich gesichert. Das könnte nur das Parlament oder das Volk ändern.