BESCHWERDE: Stadtrat dreht die Musik ab

Das Sommerprogramm im Rorschacher Seepavillon ist Anwohnern seit Jahren ein Dorn im Auge. Nun reagiert der Stadtrat: Sonntagskonzerte bewilligt er nicht mehr.

Linda Müntener
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Seit über zehn Jahren lockt die Konzertreihe im Seepavillon Musikbegeisterte aus der ganzen Region in die Hafenstadt. (Bild: Corina Tobler)

Seit über zehn Jahren lockt die Konzertreihe im Seepavillon Musikbegeisterte aus der ganzen Region in die Hafenstadt. (Bild: Corina Tobler)

Linda Müntener

linda.muentener@tagblatt.ch

Die Kulisse ist einzigartig. Direkt am See, auf der Bühne des Rorschacher Pavillons, treten im Sommer jedes Wochenende Musikformationen auf. Von Mitte Juni bis Mitte August finden im Rahmen der Reihe «Kultur im Pavillon» an Freitag- und Samstagabenden sowie am Sonntagmorgen Konzerte statt. Ein Publikumsmagnet, der Leute aus der ganzen Region in die Hafenstadt lockt. Dieses Jahr fällt das Programm kleiner aus. Der Rorschacher Stadtrat verzichtet auf Konzerte am Sonntag.

Die Konzerte am See sind einigen Anwohnern ein Dorn im Auge. «Seit es die Veranstaltungsreihe gibt, gehen bei der Stadtkanzlei Lärmbeschwerden ein», sagt Rorschachs Stadtschreiber Roger Böni. Jedes Wochenende drei Konzerte – das ist zu viel, lauten die Beschwerden. Dies habe immer wieder zu Diskussionen zwischen Anwohnern und Behörden geführt. «Der Stadtrat hat sich Gedanken gemacht und versucht, einen Konsens zu finden», sagt Böni. Um den Anwohnern entgegenzukommen, habe man entschieden, den Sonntag zu streichen. Die komplette Reihe nicht mehr zu bewilligen, komme aber nicht in Frage. Auch andere Veranstaltungen auf diesem Areal wie die Coop Beachtour oder der Flohmarkt seien von der Regelung nicht betroffen.

Ein Blick ins Pavillon-Programm der vergangenen Jahre zeigt: Während an den Abenden Rock- oder Coverbands auftraten, waren am Sonntagmittag meist gemächliche Klänge angesagt. So standen etwa die Buuremusig Engelburg, das Zupf-Ensemble Rorschach oder die Blaskapelle d’Seehofer auf der Bühne. Grund genug für eine Lärmbeschwerde? «Jeder empfindet Lärm anders», sagt Böni. Hinzu komme, dass Anwohner nicht nur die Auftritte, sondern auch die Soundchecks und Proben hörten.

Entscheid stösst auf Unverständnis

Einem stösst der Entscheid des Stadtrats sauer auf. Der Rorschacher Niklaus Looser hat die Reihe unter dem Namen«Kultur Pur» vor über zehn Jahren ins Leben gerufen. Der Musiker hat Hunderte Konzerte organisiert, bis er die Organisation im Jahr 2015 in jüngere Hände übergab. «Gerade am Sonntag waren die Konzerte immer gut besucht und die Gartenwirtschaft voll besetzt», sagt Looser. Familien mit Kindern hätten den Sonntag als Konzerttag besonders geschätzt. «Ein Ehepaar kam sogar jeden Sonntag von Winterthur nach Rorschach, um im Seepark einzukehren und die Konzerte zu hören», sagt Looser. «Ich habe Mühe damit, wenn man das jetzt kaputt macht». Für den Initianten ist ohnehin unbegreiflich, warum man den Pavillon als Veranstaltungsort nicht noch mehr nutze, «wo doch sonst nichts läuft». Für die Lärmbeschwerden zeigt Looser kein Verständnis. «Jeder Güterzug ist lauter.»

Mit der neuen Regelung sieht der erfahrene Konzertveranstalter auch Probleme auf die Organisatoren zukommen. «Viele Formationen kann man freitags oder samstags nicht engagieren, da sie dann anderen Verpflichtungen nachgehen.» Der Sonntag sei hingegen ideal. Dass die sonntäglichen Frühschoppenkonzerte bei Publikum und Künstlern beliebt sind, bestätigt Nadine Stoffel. Sie ist seit 2016 für die Organisation zuständig. «Die Besucherzahlen hängen aber stark vom Wetter ab.» Auch das restliche Wochenendprogramm in der Region habe einen Einfluss darauf. Wie sich die Regelung auf die Engagements auswirke, kann Nadine Stoffel noch nicht sagen. Erst diese Woche habe sie erste Anfragen versendet. Saisonstart ist am 9. Juni.