BERNHARDZELL: Hobbyköche richten mit der grossen Kelle an

Die Hobbyköche rechnen bei ihren Wildschlemmertagen mit über 500 Gästen. Da muss generalstabsmässig geplant werden.

Johannes Wey
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Jeder hat seine Aufgabe: Die Hobbyköche Bernhardzell bereiten sich minutiös auf die Wildschlemmertage vor. (Bild: Urs Bucher)

Jeder hat seine Aufgabe: Die Hobbyköche Bernhardzell bereiten sich minutiös auf die Wildschlemmertage vor. (Bild: Urs Bucher)

BERNHARDZELL. Der Duft des Rehpfeffers steigt einem schon im Freien in die Nase. Die alte Käserei beim Restaurant Adler ist dieser Tage der Stützpunkt der Hobbyköche Bernhardzell. Es gibt viel zu tun: Heute Freitag und morgen abend finden in der Mehrzweckhalle ab 17.30 Uhr die Wildschlemmertage statt. Die neun Hobbyköche erwarten um die 550 Gäste.

Im Innern der Käserei ist klar, wer was zu tun hat: Markus Hug hobelt die 75 Kilogramm Rotkraut. Roland «Orlando» Eberle ist mit der Pilzsuppe beschäftigt. Und Edi Zweifel rührt hin und wieder den Rehpfeffer um. «Wichtig ist, dass man ihn von der Hitze wegnimmt, solange der Biss noch gut ist», sagt Eberle.

Nur das Wildschwein kommt aus dem Thurgau

Bei den Vorbereitungen der Wildschlemmertage kümmert sich jeder Koch um seine eigene Spezialität. Edi Zweifel, der Mitglied der Jagdgesellschaft Gossau ist, hatte am meisten zu tun. Alleine für das Zerlegen der Rehe, die heute und morgen auf den Tisch kommen, hat er um die 50 Stunden gebraucht, wie er sagt. Den Pfeffer hat er vor zehn Tagen in die Beize aus Wein und Gemüse gelegt, nun simmert er vor sich hin. «Nur das Wildschwein stammt nicht aus der unmittelbaren Region, sondern aus dem Thurgau», sagt Zweifel in bedauerndem Ton.

Die Besucherzahl der Wildschlemmertage ist nach und nach gestiegen. Alle zwei Jahre finden sie statt, dieses Wochenende zum neuntenmal. «Die Wildschlemmertage sind zu einer Bernhardzeller Tradition geworden», sagt Vereinspräsident Markus Walser nicht ohne Stolz. Mittlerweile stossen die Köche an die Grenzen dessen, was sie leisten können. «Aber uns gefällt das.»

Alleine die Mengen an Lebensmitteln, die verarbeitet werden, lesen sich eindrücklich: 115 Kilogramm Fleisch, 24 Kilo Marroni, caramelisiert mit 10 Kilo Zucker. Die 135 Kilo Spätzli wurden schon am vergangenen Samstag gekocht und vakuumiert. Nun liegen sie im Kühlraum, fein säuberlich neben Hirschsteaks und Pilzen.

Mit dem Erlös auf eine «Bildungsreise»

Mit dem Erlös der Wildschlemmertage gönnen sich die Hobbyköche jeweils an Pfingsten eine «Bildungsreise» in eine Weinbauregion. Allerdings reiche da der Gewinn nicht aus, alle Kosten zu decken, sagt Walser. Das verwundert keinen, der einen Blick auf die Speisekarte wirft: Alle Fleischgerichte kosten um die 25 Franken, nur das Hirschentrecôte schwingt mit 34 oben aus.

Reservierungen nehmen die Hobbyköche keine entgegen. «Wir wollen das im Stil einer Metzgete halten und eine möglichst volle Halle haben», sagt Walser. Bei den Wildschlemmertagen helfen auch die Ehefrauen im Service mit. Eine von ihnen bereitet im grossen Stil Crèmeschnitten zu, die laut Walser immer restlos ausverkauft werden. Am Buffet mühen sich die Hobbyköche selber ab. Für Walser ist das Teil des Erfolgsrezepts: «Die Gäste wollen uns beim Chrampfen zuschauen.»

www.hcbernhardzell.ch

135 Kilogramm Spätzli haben Edi Zweifel und seine Kollegen schon am vergangenen Wochenende zubereitet und vakuumiert. (Bild: Urs Bucher)

135 Kilogramm Spätzli haben Edi Zweifel und seine Kollegen schon am vergangenen Wochenende zubereitet und vakuumiert. (Bild: Urs Bucher)