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BERNHARDZELL: Aktivierung im Altersheim Wiborada: Ein Waschbrett weckt Erinnerungen

Aktivierung wird heutzutage in Seniorenheimen grossgeschrieben. So auch im Wiborada. Besonders beliebt sind die «Weisch no»-Treffs. Beim Erinnern kommt der Humor nicht zu kurz.
Corinne Allenspach
Zum Thema «Waschtag anno dazumal» hat Aktivierungsfachfrau Petra Schmid auch ein Waschbrett mitgebracht. (Bild: Urs Bucher)

Zum Thema «Waschtag anno dazumal» hat Aktivierungsfachfrau Petra Schmid auch ein Waschbrett mitgebracht. (Bild: Urs Bucher)

Corinne Allenspach

redaktiongo@tagblatt.ch

Klara Jud ist eine besonders treue Seele. In den neun Jahren, seit sie im Wohn- und Pflegezentrum Wiborada daheim ist, hat die 89-Jährige kaum einen der wöchentlichen «Weisch no»-Treffs verpasst. Auch an diesem Tag sitzt sie als Erste in der «Oase». So haben die Bewohnerinnen und Bewohner den Raum getauft, in dem regelmässige Aktivitäten stattfinden. Dass es heute ums Erinnern geht, ist unschwer zu erkennen. Auf dem grossen Tisch liegen ein Waschbrett und ein Stössel sowie Fotos mit Waschszenen von anno dazumal. «Gibt es eigentlich Persil noch?», fragt sich Klara Jud mit Blick auf ein entsprechendes Werbeplakat.

Nach und nach trudeln weitere Bewohnerinnen ein und betrachten die Fotos. «Meine Schwester musste auch noch so waschen im Freien», sagt eine Seniorin. «Ich zum Glück nicht mehr.» Wie sich rasch zeigt, hat Aktivierungsfachfrau Petra Schmid mit dem Thema «Waschtag» ins Schwarze getroffen. Obwohl Jahrzehnte her, erinnern sich die Seniorinnen an die Waschtage ohne Strom und Boiler, als wäre es gestern gewesen. «Es war immer ein sehr strenger Tag», sind sich alle einig. Bereits am Abend vorher habe man Vorbereitungen getroffen, zum Beispiel Übergwändli eingeweicht und Holzscheite parat gemacht. «Spätestens morgens um 5 Uhr ist man aufgestanden und hat angefangen zu heizen.» Bezeichnend für die Waschtage, die in der Regel am Montag stattfanden, waren auch die kurzen Mittage, bei denen eine Suppe oder eingemachtes Fleisch auf den Tisch kamen. «Heute würde man vermutlich Pizza bestellen», sagt eine Seniorin und alle lachen.

Niemand muss, alle können

Zusammen zu lachen, ist für Petra Schmid mindestens so zentral, wie das eigentliche Ziel des Treffs: Das Gedächtnis anzuregen. «Wichtig ist, dass die Teilnehmenden mit einem guten Gefühl rausgehen und sagen: ‹Da bin ich jetzt gern gekommen.›» Petra Schmid erlebt bei manchen auch eine Schwellenangst, mitzumachen. Umso mehr ist Fingerspitzengefühl gefragt. Nach zwölf Jahren im Wiborada weiss die Fachfrau, wie sie die Bewohner fordern und fördern kann, ohne sie zu überfordern. «Das Schlimmste ist, wenn jemand das Gefühl hat, er könne nichts mehr.»

Tägliche Aktivierung ist heutzutage in den meisten Seniorenheimen Standard. Im Wiborada reicht das Angebot von sich bewegen über Kochen, Gestalten und Gedächtnis anregen bis zu kreativem Geschichtenerzählen oder Rollatortanz, um nur einiges zu nennen. Die Bewegungs- und Gedächtnisangebote mit bis zu 20 Teilnehmern sind gemäss Petra Schmid am beliebtesten. Erinnerungen auffrischen ist das eine, Klara Jud gefällt an den «Weisch no»-Treffs aber auch speziell, dass man «hört, was andere gemacht haben». Zudem vergehe die Zeit schneller. «Man kann ja nicht immer vor dem Fernseher sitzen.»

Waschen war reine Frauenarbeit

Schönes Wetter war früher an Waschtagen das Wichtigste. Das weiss auch Alois Thür als einziger Mann in der Runde. Selber gewaschen hat der 90-Jährige, der ebenfalls keinen Treff auslässt, zwar nie. Aber an den Waschherd, die Auswindemaschine, die Schwinge und die Badewanne seiner Mutter kann er sich gut erinnern. Genauso wie daran, dass man früher nach dem Waschen gleich selber noch im Zuber gebadet hat.

Waschen war reine Frauenarbeit, Hilfe von Männerseite nicht zu erwarten. «Jo chönd Sie denke», winkt eine Seniorin ab. Jammern habe nichts gebracht, dann habe es geheissen: «Jo nu, dann ist es halt ein bisschen streng.» Ja, es sei ein Chrampf gewesen, sind sich die Frauen einig. «Aber man hat’s ja nicht anders gekannt.» Und dann, mit Blick auf Petra Schmid und Gaby Abenhaim, Leiterin Pflege und Betreuung, stellt eine Seniorin augenzwinkernd fest: «Solch lackierte Fingernägel ‹hetts früähner nöd vertreit›.»

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