Bernecker Gemeindepräsident in Untersuchungshaft

BERNECK. Seit Freitagmorgen, 1.Mai, befindet sich der Gemeindepräsident von Berneck, Andreas Zellweger, in Untersuchungshaft. Was ihm vorgeworfen wird, weiss nicht einmal der Gemeinderat. Auch die Staatsanwaltschaft St.Gallen hüllt sich in Schweigen.

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Gemeindepräsdient Andreas Zellweger. (Bild: Bea Sutter)

Gemeindepräsdient Andreas Zellweger. (Bild: Bea Sutter)

Die Staatsanwaltschaft St.Gallen bestätigt die Festnahme vom 1. Mai. "Es handelt sich um ein laufendes Verfahren", sagt Andreas Baumann, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St.Gallen. Deshalb könne er nicht sagen, was Zellweger vorgeworfen wird oder weshalb er sich in Untersuchungshaft befindet. Noch gelte die Unschuldsvermutung.

"Zum jetzigen Zeitpunkt können keine Angaben zu den weiteren Schritten gemacht werden", heisst es auch in einer Mitteilung des Bernecker Gemeinderates vom Mittwochmorgen. Die Gemeindeführung wird unterdessen durch die Vizepräsidenten Margrit Wellinger und Reto Zellweger sichergestellt.

"Zellweger könnte niemandem ein Haar krümmen"
Gemeinderatsschreiber Philipp Hartmann sagt auf Anfrage: "Wir wissen tatsächlich nicht mehr, als wir mitgeteilt haben." Auch Margrit Wellinger möchte sich nicht weiter zur Untersuchungshaft von Zellweger äussern. Helga Klee, die Präsidentin der FDP-Ortspartei, deren Vorstand Andreas Zellweger angehört, fiel aus allen Wolken, als sie von den Neuigkeiten hörte. "Null Ahnung" habe sie; sie sei schockiert.

Auch die Nachbarn des Bernecker Gemeindepräsidenten können es nicht fassen: Noch vor ein paar Tagen winkte er auf dem Weg zur Arbeit freundlich aus dem Auto, nun sitzt er in Untersuchungshaft. Dabei sei er doch "ein ganz guter Typ", sagt ein Anwohner. Die Überraschung ist gross, niemand traut dem Gemeindepräsidenten ein Vergehen zu.

Nachbar Hans Frei, der seit mehr als 15 Jahren neben der Familie Zellweger wohnt, erwähnte ein besonders gutes nachbarschaftliches Verhältnis. "Zellweger könnte niemandem ein Haar krümmen", sagte er. Eine andere Nachbarin, Christine Waibel, habe letzte Woche zwar das Polizeiauto die Strasse entlang fahren sehen, dachte aber nicht daran, dass Andreas Zellweger etwas damit zu tun haben könnte.

Dringender Tatverdacht und ein Haftgrund
Um überhaupt erst in Untersuchungshaft genommen zu werden, muss ein dringender Tatverdacht vorliegen. Was heisst, dass die betroffene Person konkret verdächtigt wird, eine strafbare Handlung begangen zu haben. Überdies muss mindestens einer von vier Haftgründen bestehen: Verdunklungsgefahr (Verbergung von Beweismitteln, Beeinflussung von Zeugen), Fluchtgefahr, Fortsetzungsgefahr (Wiederholungsgefahr) oder Ausführungsgefahr (die Person stellt eine Bedrohung für andere Menschen dar). "Fallen der dringende Tatverdacht oder die speziellen Haftgründe weg, wird die Person freigelassen", erklärt Baumann von der Staatsanwaltschaft.

Liegen aus Sicht der Staatsanwaltschaft Gründe für eine Untersuchungshaft vor, wird ein entsprechender Antrag an den Haftrichter gestellt. Dieser kann eine Haftdauer von bis zu drei Monaten verfügen. Danach können Verlängerungen beantragt werden. "Im Verhältnis handelt es sich bei fünf Tagen noch nicht um eine lange Haftdauer", sagt Baumann.

Familienvater und ehemaliger Präsident der Ortspartei
Andreas Zellweger wurde 2012 zum Gemeindepräsidenten gewählt. Bei seiner Wahl war Zellweger Präsident seiner Ortspartei. Der 53-jährige Familienvater war vor seiner Amtszeit als stellvertretender Schulleiter des kaufmännischen Berufs- und Weiterbildungszentrums St.Gallen tätig und arbeitete als Geschäftsführer von Beschäftigungsprogrammen für stellenlose Jugendliche. (jar/gb/seh)

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