Bern lädt zur Aussprache über Streptomycin

Das Bundesamt für Landwirtschaft verbietet den Einsatz des Antibiotikums Streptomycin gegen den Feuerbrand. Sowohl der Thurgauer Obstverband wie der Thurgauer Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer haben mit einem Schreiben beim Bundesamt gegen das Verbot interveniert.

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Das Bundesamt für Landwirtschaft verbietet den Einsatz des Antibiotikums Streptomycin gegen den Feuerbrand. Sowohl der Thurgauer Obstverband wie der Thurgauer Volkswirtschaftsdirektor Kaspar Schläpfer haben mit einem Schreiben beim Bundesamt gegen das Verbot interveniert. Nun lädt das Bundesamt diesen Freitag zum Gespräch.

Schläpfer: Kein Kommentar

Regierungsrat Schläpfer bestätigt den Termin, will aber inhaltlich nicht Stellung beziehen vor diesem Gespräch. Auch wie die Delegation aussehen wird, ist noch offen. Ob das Bundesamt in Sachen Streptomycin nochmals mit sich reden lässt, muss bezweifelt werden. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Bund das Streptomycin-Verbot rückgängig macht», zeigte sich gestern etwa Roger Peterer gegenüber dem SRF-Regionaljournal Ostschweiz pessimistisch. Peterer leitet das St. Galler Amt für Landwirtschaft.

Das Antibiotikum Streptomycin war erstmals 2008 im Kampf gegen den Feuerbrand in den Obstanlagen versprüht worden. Diesen Februar nun meldete das Bundesamt für Landwirtschaft, dass es Streptomycin nicht mehr zulassen will. Das Verbot wurde in der Folge als verfrüht kritisiert. Die Kritiker fordern eine Lockerung für Jungbäume bis vier Jahre und für die Baumschulen – «für den absoluten Notfall».

St. Galler Interpellation

Die Interventionen der Kantone Thurgau, Zürich und speziell auch St. Gallen stossen dem Flawiler SP-Kantonsrat Daniel Baumgartner sauer auf. «Diese haben zum Ziel, Streptomycin weiterhin in einer Form zuzulassen. Dies ungeachtet der langfristigen Schädigungen des Ökosystems.» Baumgartner hat als aktiver Imker auch namens der 1600 Imker im Kanton St. Gallen eine Interpellation eingereicht. Er will von der Regierung wissen, warum sie den Schutz von Natur und Mensch tiefer gewichte als kurzfristige ökonomische Überlegungen und welche Auswirkungen die Obst-Behandlung mit Streptomycin auf die Bienenvölker habe. Konkret fragt Baumgartner zudem: «Wie viel Honig wurde nach der Behandlung mit Streptomycin in den Kantonen Zürich, Thurgau und St. Gallen vernichtet?» (ck/mel)