Berg soll nicht stillstehen

Eine umstrittene Grossüberbauung, ein Schulhaus, das günstig saniert werden soll, Läden, die zubleiben: Berg SG steht auch 2016 vor Herausforderungen. Gemeindepräsident Paul Huber will noch möglichst viel erledigen vor seiner Pension.

Corinne Allenspach
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Das Schild steht noch, aber seit einem Jahr ist die Raiffeisenbank in Berg geschlossen. Jetzt will die Gemeinde die Liegenschaft kaufen. (Bild: Corinne Allenspach)

Das Schild steht noch, aber seit einem Jahr ist die Raiffeisenbank in Berg geschlossen. Jetzt will die Gemeinde die Liegenschaft kaufen. (Bild: Corinne Allenspach)

Herr Huber, 2016 wird für Sie speziell, da Sie Ende Jahr in Pension gehen. Was möchten Sie noch unbedingt erledigen?

Paul Huber: Ziel ist es, so wenige Pendenzen wie möglich zu hinterlassen. Das machte mein Vorgänger schon so.

Noch bis Ende Januar können sich Interessierte fürs Gemeindepräsidium bei der Findungskommission bewerben. Sind Sie selber auch in die Nachfolgersuche involviert?

Huber: Nein, ich halte mich da komplett raus.

Wieso?

Huber: Mein Nachfolger soll unbelastet und ohne Vorgaben von mir das Amt antreten können. Der oder die Neue wird wieder andere Ideen haben und anderes Gedankengut mitbringen. Davon kann Berg nur profitieren.

Gesetzt der Fall, es findet sich kein neuer Gemeindepräsident bis zu den Wahlen im Herbst. Würden Sie Berg noch weiter präsidieren?

Huber: Nein, meine Amtszeit ist ganz klar am 31. Dezember 2016 fertig. Es wird sicher nicht einfach, jemanden zu finden für ein 850-Einwohner-Dorf, aber ich bin zuversichtlich, dass es gelingt.

Wenn Sie wünschen könnten, wie müsste Ihr Nachfolger sein?

Huber: Eine schwierige Frage. Auf jeden Fall müsste es jemand sein, der weiterhin zu dieser Gemeinde steht. Und zum Wohl all jener Sorge trägt, die gern in einem kleinen Dorf wohnen.

Seit Anfang 2015 ist die Raiffeisenbank in Berg geschlossen, seit Mitte 2015 auch der Dorfladen. Was bedeutet das fürs Dorfleben?

Huber: Vor allem bei der Bank war die Schliessung für viele am Anfang absolut unverständlich. Aber die Leute gewöhnen sich daran und orientieren sich dank Mobilität rasch anders. Sicher gehen dadurch Kontaktmöglichkeiten verloren. Aber der Niedergang des Dorfladens hat ja schon vor vielen Jahren begonnen.

Wie meinen Sie das?

Huber: Ich erinnere mich, wie der Umsatz im Dorfladen um einen Drittel sank, als in den 1990er-Jahren der schulfreie Samstag eingeführt wurde. Einkaufen ist zu einem Familienereignis geworden. Ein Dorfladen hat es schwer, wenn die Leute nur noch das einkaufen, was sie beim Grossverteiler vergessen haben.

Die Räume der Raiffeisenbank stehen seit einem Jahr leer. Was passiert damit?

Huber: Wir wollen das Gebäude kaufen und werden in Kürze informieren. Aktuell ist jeder Winkel der Gemeindeverwaltung ausgelastet. Wir brauchen mehr Platz.

Ende November 2014 lehnten die Berger eine Sanierung und Erweiterung des Schulhauses Brühl für rund 6,4 Millionen Franken ab. Seit Herbst 2015 arbeitet die Baukommission eine neue Vorlage aus. Wie ist der Stand der Dinge?

Huber: Die Baukommission ist am Arbeiten. Ziel ist es, so rasch als möglich mit Gutachten und Antrag ans Volk zu gelangen.

Zur geplanten Grossüberbauung für etwa 150 Personen auf der Dorfwiese gab es auch beim zweiten Anlauf Einsprachen, 14 an der Zahl. Wie geht es weiter?

Huber: Wir sind daran, die Einsprachen zu behandeln. Das ist aber sehr zeitraubend, da sie zum Teil sehr umfangreich sind. Erfreulich ist, dass wir fürs zweite Bauprojekt im Mattenhof in Kürze die Baubewilligung erteilen können.

Nicht alle Berger freuen sich übers Wachstum.

Huber: Das ist so. Wenn Berg aber auch künftig eigenständig bleiben will, braucht es ein gewisses Wachstum. Stillstand ist Rückschritt und das haben wir im Moment. Seit 2010 haben wir 40 Einwohner weniger. Das wirkt sich auch auf die Steuern aus.

Worauf freuen Sie sich 2016 besonders?

Huber: Ich freue mich wirklich, am 31. Dezember mein Amt abgeben zu können und danach mehr Zeit für Familie, Enkel und meine Kleintierzucht zu haben.

Paul Huber Gemeindepräsident Berg SG (Bild: pd)

Paul Huber Gemeindepräsident Berg SG (Bild: pd)

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